Marcus Ahlm (THW Kiel)

„Wissen Sie eigentlich, wie viele Titel Sie gewonnen haben?“ Wenn ein Sportler eine solche Frage nicht aus dem Stehgreif beantworten kann, spricht das schon Bände. Marcus Ahlm wechselte im Jahr 2003 nach Deutschland zum THW Kiel, bei dem er zehn Jahre später seine Handballschuhe an den Nagel hängte - und in der Zwischenzeit so viele Trophäen sammelte, dass man tatsächlich mehrmals nachzählen muss, um die genaue Anzahl zu erhalten. Acht deutsche Meisterschaften, sechs DHB-Pokalsiege und drei Title in der Champions-League – um nur einige davon zu nennen.

In Kiel wird der 2,00 Meter große Schwede als Ikone gefeiert, sein Trikot mit der Nummer 13 hängt noch heute unter der Kieler Hallendecke. Die Gründe dafür sind einerseits seine unermüdliche und ehrliche Vereinstreue gegenüber dem THW Kiel und andererseits die Leistungen, die Ahlm Saison für Saison für seine Zebras auf das Parkett zauberte. Selten spielte der Dauerbrenner weniger als 30 Bundesliga-Spiele pro Saison und zeigte dabei alles, was einen Weltklasse-Kreisläufer ausmacht: Körperliche Präsenz, Wendigkeit, Zuverlässigkeit und Torgefährlichkeit. Einmal den Ball in der Hand, war der ehemalige Kapitän des Rekordmeisters im Eins-gegen-Eins nicht zu halten. Auch in der Abwehr spielte der Schwede eine tragende Rolle. Eine besondere Ehre wurde ihm deswegen auch im Jahr 2013 zuteil, als er die Sportplakette des Landes Schleswig-Holstein erhielt - die höchste Auszeichnung des Bundeslandes für den Sport.

Christian Schwarzer (VfL Fredenbeck, TV Niederwürzbach, TBV Lemgo, Rhein-Neckar Löwen)

Wer an Christian Schwarzer denkt, dem fällt wohl als Erstes und spontan die Weltmeisterschaft 2007 ein. Bundestrainer Heiner Brand nominierte den damals 38-jährigen Kreisläufer vom TBV Lemgo nachträglich, weil die WM nach der holprigen Vorrunde aus deutscher Sicht zu scheitern drohte. Die Geschichte ist bekannt: „Blacky“ kam zurück und entfachte in der Mannschaft jenen Spirit, der den Nährboden für den späteren Triumph von Köln bildete.

Aber da war Schwarzers Karriere schon auf die Zielgerade eingebogen. Als junger Spieler stand er beim VfL Fredenbeck (1987 bis 1991) und beim TV Niederwürzbach (1991 bis 1999) unter Vertrag, spielte als einer der wenigen Deutschen zwei Jahre beim FC Barcelona, dekorierte sich dort mit der Meisterschaft, dem Pokal und dem Gewinn der Champions League, gewann erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland 2001 mit dem TBV Lemgo seinen ersten deutschen Titel. Das war 2002 – Schwarzer war bereits 33 Jahre alt, als er den DHB-Pokal zum ersten Mal in den Händen halten durfte. Ein Jahr später folgte die Deutsche Meisterschaft. Schwarzer absolvierte 600 Bundesligaspiele und warf dabei 2.208 Tore. Er war Handballer des Jahres 2001 und über viele Jahre fester Bestandteil der Nationalmannschaft. Mit 318 Länderspielen liegt er auf Rang drei im Ranking der deutschen Nationalspieler, war 2004 Europameister und olympischer Silbermedaillengewinner. Nach Beendigung seiner Karriere bei den Rhein-Neckar Löwen 2009 heuerte Schwarzer bis 2015 als Jugendtrainer beim Deutschen Handballbund an.

Horst Spengler (TV Hüttenberg)

Er war so etwas wie das integrative Element. Nicht zuletzt aus diesem Grunde machte ihn Vlado Stenzel zum Kapitän jener Nationalmannschaft, die in Dänemark 1978 Weltmeister wurde. Horst Spengler war Kreisläufer und zudem einer der besten seiner Zunft. Geboren im Gießener Vorort Lützellinden – viele Jahre eine Hochburg des Frauenhandballs – wechselte Spengler zum TV Hüttenberg und spielte dort zwölf Jahre erstklassig, zuletzt als Spielertrainer.


Direkt im Anschluss an seine Spielerkarriere übernahm er das Traineramt der SG Wallau-Massenheim und führte seine Mannschaft in die 1. Liga. Dieses Kunststück gelang ihm wenige Jahre später auch mit dem Team der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen, dem Vorgänger der HSG Wetzlar. Spenglers Heimatgemeinde Hüttenberg ehrte ihn damit, dass sie schon zu Lebzeiten eine Straße nach ihm benannte, den Horst-Spengler-Ring. Im Juni 2015 wurden Horst Spengler und sein Vater Rudolf, übrigens beim WM-Gewinn 1978 der Co-Trainer von Vlado Stenzel, vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet

Dimitri Torgowanow (SG Wallau/Massenheim, SG Solingen, TUSEM Essen, SG Kronau-Östringen, HSV Hamburg)

Spitzname „Pino“? Sah man Dmitri Torgowanow mit seinen stattlichen 1,99 Metern, einem Gewicht von über 100kg und einem Kreuz breiter als die Eingangstüren so mancher deutschen Reihenhäuser zum ersten Mal auf dem Spielfeld, wurde der Zusammenhang zwischen ihm und der doch eher zierlichen, hölzernen Puppe Pinocchio nicht gleich klar. Fing der Russe allerdings an, sich zu bewegen, dürften wohl schnell alle Fragezeichen beseitigt gewesen sein: Torgowanows Bewegungsabläufe suchten ihresgleichen, er humpelte mehr über das Parkett, als dass er rannte. Dennoch zählt der heutige Nationaltrainer Russlands noch immer zu den besten Kreisläufern, die es je gegeben hat. Unverzichtbar in der Abwehr, eine echte Waffe am Kreis – für seine Mitspieler war der Hüne ein echter Segen.

Torgowanow gewann mit der russischen Nationalmannschaft alles, was es zu gewinnen gibt. Er ist zweifacher Weltmeister, Europameister und Olympiasieger. In der Bundesliga feierte er mit TUSEM Essen 2005 den Gewinn des EHF-Pokals. Auf die Frage, wie er überhaupt zum Handball gekommen sei, erzählt der russische Koloss, dass es in seiner Heimatstadt St. Petersburg drei Sporthallen gab. „In einer wurde Basketball, in der zweiten Handball und in der dritten Leichtathletik betrieben. Zuerst spielte ich Basketball. Dann wurde diese Halle renoviert und so ging ich in die nächste Halle.“ Der Anfang einer glänzenden Karriere war gemacht.

Magnus Wislander (THW Kiel)

Als Magnus Wislander 1990 zum THW Kiel kam, veränderte er die Welt. Der Schwede machte aus einem ewigen Zweiten endlich den Verein, der er seinem Selbstverständnis nach sein wollte: ein absoluter europäischer Top-Klub. In zwölf Kieler Jahren wurde er siebenmal Deutscher Meister und heimste zahlreiche weitere Titel ein. Wislander war Spielmacher, Kreisläufer und Abwehrspezialist. Er war ein kompletter Handballer. Sein Stern ging auf, als eine junge schwedische Nationalmannschaft 1990 völlig überraschend gegen die damals übermächtige Mannschaft der Sowjetunion den WM-Titel gewann. Und weil er mit der schwedischen Nationalmannschaft insgesamt zwei Weltmeister-, vier Europameistertitel und drei olympische Silbermedaillen gewann, dabei in sagenhaften 384 Länderspielen 1.185 Treffer erzielte, war die Ernennung zum Welthandballer des Jahrhunderts, die höchste von zahlreichen weiteren persönlichen Ehrungen, eine logische Folge. In Kiel hängt sein Trikot mit der Nummer 2 unter dem Dach der Halle und wird ihm zu Ehren nie mehr vergeben. Wislander warf in 369 Bundesligaspielen für Kiel 1.371 Tore.

Fotos: Klahn, Bergmann, Horstmüller, Worm

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