Lars Christiansen (SG Flensburg-Handewitt)

14 Jahre Flensburg haben deutliche Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass Lars Christiansen als treffsicherer Linksaußen mehr als 2.800 Treffer für die SG erzielte und damit zweitbester Werfer in der 50-jährigen Geschichte der Liga ist. Auch nicht nur, weil er mit seinem Klub eine Meisterschaft, mehrere Pokal- und Europacupsiege und viele großartige Momente feiern durfte. Und auch nicht deshalb, weil er zweimal Torschützenkönig der Liga wurde und in insgesamt 626 Pflichtspielen für seine SG auf der Platte stand und dabei 3.996 Tore erzielte. 14 Jahre Flensburg und die äußerst sympathische Art des Dänen haben zu so ungewöhnlichen Dingen geführt, dass er selbst bei seinem letzten Auswärtsspiel beim Erzkonkurrenten THW Kiel mit Applaus aus der Bundesliga verabschiedet wurde. Mehr Hochachtung geht nicht. In seiner handballverrückten Heimat war er da ohnehin längst ein Superstar.

Zwei EM-Titel und etliche weitere Medaillen in Silber und Bronze machten ihn und seine Mitstreiter zu dänischen Volkshelden. Christiansen absolvierte 338 Länderspiele und erzielte dabei 1.503 Tore. Als er die Flensburger 2010 verließ, sagte ein damals tief bewegter Christansen beim Abschiedsspiel: „Der Verein ist mein Leben. Für mich ist hier ein Traum in Erfüllung gegangen.“ Und weil das so ist, schenkte ihm der Klub eine Dauerkarte bis zur Saison 2071/72. Dann wäre Christiansen, der heute unter anderem für das dänische Fernsehen arbeitet, 100 Jahre alt.

Jochen Fraatz (TUSEM Essen, HSG Nordhorn, TBV Lemgo)

Alle nannten ihn „Scholle“. Diesen Spitznamen hatte ihm der damalige Bundestrainer Horst Bredemeier verliehen – weil Jochen Fraatz im Nordseebad Cuxhaven zur Welt kam. Scholle galt zu seiner aktiven Zeit als der beste Linksaußen der Welt. „So einer wie Scholle“, sagte einmal Ex-Bundestrainer Simon Schobel, „wird nur alle hundert Jahre geboren.“ Fraatz gilt zudem als Erfinder des Drehers. Zu Unrecht. Der Weißrusse Aleksander Karschakewitsch setzte ihn in der Mitte der 1980er Jahre erstmals ein. Ganz sicher aber perfektionierte Fraatz diese Wurftechnik und düpierte damit selbst erfahrenste Torhüter. Sehr zur Freude des TUSEM Essen, mit dem der Weltklasse-Linksaußen drei Meisterschaften, drei Pokalsiege und zwei Europapokal-Wettbewerbe gewinnen konnte. Insgesamt erzielte er in 441 Bundesligaspielen 2.660 Tore, womit er die drittmeisten Tore in der Bundesligageschichte erzielte.

International durfte er sich nur einmal freuen: Das war beim Gewinn der olympischen Silbermedaille in Los Angeles. Im Finale gegen Jugoslawien, das die DHB-Auswahl mit 17:18 verlor, war Fraatz mit acht Treffern bester Werfer der deutschen Mannschaft. Mit dem All Star Game und seiner Ehrung für das Lebenswerk Handball beendete er seine Karriere. Ein Comeback feierte er mit dem TBV Lemgo, bei dem er wegen Verletzungsproblemen zum Saisonende 2001/02 aushalf.

Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen)

Seine Karriere lässt sich nicht an Titeln festmachen. Einmal, das war 2013, da gewann Uwe Gensheimer mit den Rhein-Neckar Löwen den EHF-Cup. Und noch einmal 2016, da wurde er endlich Deutscher Meister. Der Kapitän der Nationalmannschaft kennt sich bestens aus mit dem Gefühl, Zweiter zu werden – leider. Zudem verpasste er den sensationellen Gewinn des Europameistertitels 2016, weil er verletzungsbedingt nicht teilnehmen konnte. Doch seine individuelle Klasse ist unbestritten, er gehört zu den besten und trickreichsten Linksaußen der Welt.

Auch er hat schon mehr als 2.000 Tore in der Bundesliga erzielt. Bedauerlicherweise müssen seine Fans künftig in der Bundesliga auf ihn verzichten. Sein Vertrag bei den Löwen lief im Sommer 2016 aus, danach wechselte er zum französischen Erstligisten Paris Saint-Germain HB.

Nikolaj Jacobsen (TSV Bayer Dormagen, THW Kiel)

Viele Handballfans denken bei dem Namen Nicolaj Jacobsen heutzutage erst einmal an einen genialen Trainer auf der Bank der Rhein-Neckar Löwen. Dass Jacobsen allerdings auch ein mindestens genauso guter Linksaußen war, wissen wohl eher nur die alt Eingesessenen. Nach zahlreichen Titeln in der dänischen Liga wechselte Jacobsen 1997 nach Deutschland zum TSV Bayer Dormagen und wurde prompt mit 189 Toren drittbester Torschütze der Liga. Ab der darauffolgenden Saison lief der Däne sechs Jahre lang für den THW Kiel auf, mit dem er neben zwei EHF-Pokalen und fünf deutschen Pokalsiegen, dreimal die deutsche Meisterschaft feiern durfte.

Dank seiner trickreichen Siebenmeter und spektakulären Würfen von der Außenposition spielte sich Jacobsen schnell in die Herzen der deutschen Handball-Fans. Als echter Torgarant stand der zweimalige dänische Handballer des Jahres zwischen den Jahren 1997 und 2002 nur eine Saison lang nicht unter den Top3 der besten Torschützen der Liga. 148 Länderspieleinsätze, 584 Tore und 1998 mit 15 Treffern der Torrekord pro Spiel der dänischen Auswahl – auch seine Nationalmannschaftskarriere kann sich wahrlich sehen lassen. Knieprobleme sorgten am Ende dafür, dass Jacobsen seine Zeit beim THW Kiel beendete, wieder zurück nach Dänemark zu Viborg HK wechselte und anschließend den Fokus auf seine Trainerkarriere legte – bei der er direkt die nächsten Titel folgen ließ.

Stefan Kretzschmar (VfL Gummersbach, SC Magdeburg)

Gut möglich, dass Stefan Kretzschmar heute der einflussreichste Mann im deutschen Handball ist. Nicht, weil er im Verband oder andernorts eine einflussreiche Stellung bekleidet. Nein, „Kretzsche“ wirkt, weil er medial einen Sonderstatus einnimmt. Der ehemalige Weltklasse-Linksaußen beherrscht das Spiel der Selbstvermarktung wie kein Zweiter in der Handballszene – und wirkt dabei positiv für den Handball. Als die Bad Boys in Polen zum Höhenflug ansetzten, half er, den medialen Hype weiter zu befeuern.

Sein Stern ging 1993 auf, als er von Blau-Weiß Spandau zum VfL Gummersbach wechselte. Als Sohn einer ausgewiesenen Handballerfamilie – Mutter Waltraud gewann dreimal die Weltmeisterschaft, Vater Peter war Trainer jener erfolgreichen Mannschaft – war sein Weg vorgezeichnet. Seine erfolgreichste Zeit hatte Kretzschmar dann nach seinem Wechsel zum SC Magdeburg, wo er nicht nur die Identifikationsfigur schlechthin wurde, sondern zudem unter Trainer Alfred Gislason die Meisterschaft (2001) und die Champions League (2002) gewann. Als wortgewaltiger TV-Co-Kommentator ist die Werbeikone „Kretzsche“ ebenso nah am Bundesliga-Geschehen wie als Aufsichtsrat des Erstligisten SC DHfK Leipzig.

 

Fotos: Bergmann, Worm, Klahn, SC Magdeburg

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