20.09.2017  2. Handball-Bundesliga

Szilagyi: "Das letzte Jahr vermisse ich nicht"

Rücktritt vom Rücktritt, Horror-Verletzung, Abstieg - Viktor Szilagyi hat mit dem BHC in der Vorsaison einiges durchgemacht. Im Interview spricht der Österreicher über sein bewegtes letztes Jahr, den Wechsel vom Spielgestalter zum Sportdirektor und die Ziele in der 2. Handball-Bundesliga.

Hinter Viktor Szilagyi liegt ein bewegtes Jahr: Erstmals als Sportdirektor statt als Spielgestalter wollte der österreichische Rekordnationalspieler seinen Bergischen HC in der Vorsaison zum vierten Klassenerhalt in Folge führen. Wegen Personalsorgen kehrte er aus dem „Ruhestand“ aber doch noch einmal zurück, spielte phasenweise überragend, nur um sich auf der Zielgeraden der Saison eine schwerwiegende Knieverletzung zuzuziehen. Außer Gefecht musste der 39-Jährige zusehen, wie die Löwen sich im Abstiegskampf die Zähne ausbissen.

Der überzeugende Saisonstart in der 2. Handball-Bundesliga mit fünf Siegen aus den ersten fünf Spielen aber beweist: Der BHC hat die dramatische Vorsaison verarbeitet und arbeitet mit aller Macht am direkten Wiederaufstieg – mit einem Viktor Szilagyi, der sich endgültig auf seine Aufgaben in der Chefetage konzentrieren kann.

Herr Szilagyi, wie geht es Ihnen nach Ihrer schweren Knieverletzung im Februar?

Viktor Szilagyi: Ich fühle mich eigentlich sehr gut. Ich habe drei Monate lang die Reha voll durchgezogen und habe jetzt im Alltag keine Probleme mehr. Im Nachhinein war es auch die richtige Entscheidung, mich nicht operieren zu lassen. Wie es sportlich, natürlich nicht mehr im Profibereich, weitergeht, muss man sehen. Aktuell versuche ich schon noch so viel wie möglich fürs Knie zu tun, mache zum Beispiel beim Athletiktraining der Mannschaft mit und habe selbst auch noch ein oder zweimal die Woche Reha-Termine. Mir ist schon bewusst, dass ich immer etwas für die Stabilität machen werden muss, damit es weiter vernünftig läuft.

10.09.2017 - 2. Handball-Bundesliga

Bergischer HC mit deutlichem Heimsieg gegen Dessau

Die Bergischen Löwen haben am Samstag vor 1.630 Zuschauern auch die Heimspremiere in der Solinger Klingenhalle erfolgreich bestritten und mit einem deutlichen 35:25 (19:13)-Heimsieg den dritten Sieg im dritten Spiel der Saison geholt.

Letzte Saison haben Sie dem Klub zuliebe noch einmal die Handballschuhe geschnürt. Sind Sie im Kopf denn immer noch ein wenig Spieler oder inzwischen voll auf dem Posten als Sportdirektor angekommen?

Szilagyi: Als Spieler habe ich endgültig abgeschlossen. Auch das letzte Jahr war ja eher zum Abtrainieren geplant, bis dann alles ein bisschen anders kam. Jetzt ist das aber überhaupt kein Thema mehr. Dafür kann ich mich nun als Sportdirektor umso besser in die Spieler hineinversetzen und aus ihrer Sicht denken, weil die eigene Karriere noch nicht so lange her ist. Aber das heißt nicht, dass ich mich selber noch als Spieler fühlen würde.

Wie sehen Ihre neuen Aufgaben als Sportdirektor aus?

Szilagyi: Man muss schon sagen, dass es als Spieler einfacher ist. Man hat immer das Gefühl, dass man auch kurzfristig alles ändern kann, dass der Mannschaftserfolg an einem selbst liegt. Die Vermittlerrolle ist da schon etwas komplizierter, wobei die Umstellung für mich vergleichsweise sanft war, weil ich ja alle Ansprechpartner im Klub kannte.  Ich bin immer sehr nah bei der Mannschaft, versuche bei fast allen Trainingseinheiten dabei zu sein, um die sportliche Situation bestmöglich einschätzen zu können. So kann ich Schwingungen in der Mannschaft früh genug erkennen. Ich will als Unterstützer fungieren, gerade auch für die jungen Spieler, als Bindeglied zwischen Geschäftsstelle, Vorstand, Trainer und Mannschaft. Es macht mit allen Stellen sehr viel Spaß zu arbeiten.

Mit dem Spaß geht offenbar aber auch der Erfolg einher. Von außen betrachtet läuft beim BHC nach der Achterbahnfahrt des Vojahres jetzt wieder alles rund.

Szilagyi: Im Vergleich zur letzten Saison läuft diese Saison sehr störungsfrei, das stimmt. Letzte Saison war alles anders als erwartet. Vor allem natürlich, dass ich selbst nochmal spielen musste, gerade in einer Phase, in der zum Beispiel Vertragsvertragsverhandlungen in der Endphase waren und auf der Geschäftsstelle deswegen am meisten los war. Das war eine sehr harte Zeit, die ich nicht vermisse. Jetzt läuft alles gesund ab. Die Aufgabenfelder sind getrennt, eine Rückkehr aufs Spielfeld ist ausgeschlossen. Ich trainiere auch, bis auf die wenigen Athletik-Einheiten, gar nicht mehr mit der Mannschaft. Natürlich sind auch in dieser Saison schon Probleme aufgekommen, die man kurzfristig lösen musste, aber Gott sei Dank noch nicht von der Dimension wie in der Vorsaison. Das war schon ein wirklich hartes Jahr, aus dem andererseits aber auch alle sehr viel gelernt haben.

Wie gehen Sie mit Spielern um, mit denen Sie in der Vorsaison noch auf dem Spielfeld gegen den Abstieg gekämpft haben?

Szilagyi: Ich will ganz bewusst keine künstliche Distanz rein bringen, krampfhaft auf Autorität machen. Das kommt alles von selbst. Es gibt bei uns einige Spieler, die mich noch als Mannschaftskollegen kennen. Einige Spieler haben mich aber auch erst über Vertragsverhandlungen kennen gelernt. Das sind natürlich unterschiedliche Konstellationen. Aber grundsätzlich gibt es da überhaupt keine Probleme. Wir wollen alle einen gemeinsamen Weg gehen und dabei akzeptiert jeder die Rolle des anderen.

Am Ende dieses Weges soll der direkte Wiederaufstieg stehen?

Szilagyi: Auch wenn sich in der Tabelle schon ein paar Tendenzen abzeichnen, ist sie noch nicht wirklich aussagekräftig. Dafür ist es noch zu früh. Aber insgesamt ist das, was wir uns erhofft haben, in den ersten Spielen natürlich eingetreten. Wir sind von unserer individuellen Qualität überzeugt und auch davon, dass sich diese am Ende durchsetzen wird. Aber allein das letzte Jahr hat uns gelehrt, wie viele überraschende Situationen auf einen zukommen können. Deswegen sind wir mit dem Formulieren von Saisonzielen sehr vorsichtig. Natürlich wollen wir so lange wie möglich oben stehen, sind aber auch gewarnt, wie schnell sich die Umstände ändern können.

Ist der BHC schon komplett in der neuen Liga angekommen?

Szilagyi: Natürlich läuft noch nicht alles optimal. Es gibt überall noch Verbesserungsmöglichkeiten, das ist auch ganz normal. Aber wir sind erfolgreich und darauf kommt es im Sport an. In den ersten Spielen hat man vielleicht noch eine leichte Verkrampfung gemerkt, die dem hohen Anspruch der Spieler an sich selbst geschuldet war. Jeder wusste, wie wichtig der Saisonstart ist. Außerdem kannten wir die Gegner auch einfach noch nicht so gut. Jetzt geht die Mannschaft mit der Favoritenrolle aber immer besser um. Wir werden immer lockerer. Dass man jetzt schon eine Entwicklung merkt, motiviert natürlich.

Sie kennen die 2. Handball-Bundesliga noch aus Ihren Anfangsjahren beim BHC. Wie hat sich das Niveau der Liga entwickelt?

Szilagyi: Die Liga ist sehr interessant. Die Qualität ist in den letzten Jahren definitiv gestiegen, allein schon, wenn man die starken Aufsteiger betrachtet. Das sind Mannschaften, die wirtschaftlich und personell so stark aufgestellt sind wie wahrscheinlich noch keine Aufsteiger zuvor. Deswegen ist die Liga sehr ausgeglichen. Ich glaube, die halbe Liga wird sich mit dem Aufstieg beschäftigen, die halbe Liga mit dem Abstieg. Es wird für keine Mannschaft langweilig werden.

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