03.10.2017  2. Handball-Bundesliga

Herth: "Das letzte Jahr war eine Sensation"

Im Interview erklärt Spielmacher Benjamin Herth die Philosophie der DJK Rimpar Wölfe und verrät das Erfolgsgeheimnis, das die Unterfranken in der Vorsaison beinahe in die DKB Handball-Bundesliga katapultiert hätte.

Die DJK Rimpar Wölfe verkörpern alle Eigenschaften, die die 2. Handball-Bundesliga ausmachen: Jung, dynamisch, bodenständig. Der Altersdurchschnitt der Mannschaft liegt bei rund 25 Jahren, Trainer Matthias Obinger, selbst erst 37 Jahre alt, steht als promovierter Sportwissenschaftler für moderne Trainingskonzepte und einen jugendlichen Stil. Dieser Mix brachte die Wölfe in der Vorsaison völlig überraschend um ein Haar in die DKB Handball-Bundesliga. Am Ende stand Platz vier mit einem Punkt Rückstand auf Aufsteiger Friesenheim zu Buche. Dass der Erfolg keine Eintagsfliege war, zeigt sich in diesem Jahr: Auch in der neuen Spielzeit haben sich die Wölfe schon längst wieder in der oberen Tabellenhälfte festgebissen.

Spielmacher Benjamin Herth wechselte 2016 nach zehn Jahren in der DKB Handball-Bundesliga zu den Unterfranken und bringt dort mit nunmehr 32 Jahren gerne seine Erfahrung ein, die er auch schon im DHB-Team gesammelt hat. Von den Arbeitsbedingungen in Rimpar ist er begeistert.

Herr Herth, was hat Sie zum Wechsel nach Rimpar bewegt?

Benjamin Herth: In Rimpar erinnerte mich vieles an meinen Jugend-Klub in Balingen. Auch dort wurde Schritt für Schritt eine Entwicklung nach oben angestrebt. Mit so einer Philosophie kann ich mich identifizieren. Wir haben keine vermeintlichen Top-Stars. Es geht immer darum, gemeinsam im Team Lösungen zu finden, um gegen potenziell stärkere Gegner zu bestehen. Das macht die Arbeit interessant. Es müssen alle an einem Strang ziehen, das Teamgefüge muss perfekt passen. Und das ist in Rimpar eben der Fall.

30.09.2017 - 2. Handball-Bundesliga

Die Spiele am Samstag - Emsdetten gewinnt Topspiel

Der TV Emsdetten gewinnt das Topspiel des Abends gegen die Rimparer Wölfe und setzt ein weiteres Ausrufezeichen in der 2. Handball-Bundesliga. Auch der VfL Lübeck-Schwartau macht mit dem ASV Hamm-Westfalen keine Kompromisse und bleibt weiter ungeschlagen. Das Topspiel, sowie alle Ergebnisse des Tages in der Übersicht.

Welche Rolle nehmen Sie in diesem Gefüge ein?

Herth: Wir haben zwar keine strenge Hierarchie, aber durch meinen Erfahrungsschatz kann ich natürlich schon recht viel einbringen. Deswegen stehe ich gerade den jüngeren Teamkollegen immer gern mit Rat und Tat zur Seite, wenn es irgendwelche Fragen gibt – egal, ob auf oder neben dem Feld. Dadurch trage ich hoffentlich auch einen kleinen Teil zum mannschaftlichen Erfolg bei.

Wird die Arbeit mit Dr. Matthias Obinger und zuvor auch mit Dr. Rolf Brack, der bis zu seinem Wechsel zu FRISCH AUF! Göppingen als Berater in Rimpar tätig war, manchmal zur Wissenschaft?

Herth: Für Handball-Verhältnisse läuft unser Training schon sehr sportwissenschaftlich ab. Die Arbeit ist sehr strukturiert. Diese Struktur ist immer ein guter Anhaltspunkt für jeden, auf der anderen Seite aber kein starres Korsett. Es bleiben immer kreative Entfaltungsmöglichkeiten für individuelle Stärken.

Wie sehr schmerzt der Abschied von Rolf Brack?

Herth: Rolf hat uns mit seiner Expertise definitiv gut getan. Aber, ich glaube, Obi (Matthias Obinger, Anm. d. Red.) hat aus der Zusammenarbeit mit ihm sehr viel mitgenommen und sich auch als Trainer weiterentwickelt. Deswegen nehmen wir jetzt alle die Situation so hin, wie sie ist, und fühlen uns gut gerüstet, trotzdem einen erfolgreichen Weg weiterzugehen.

Rimpar ist ein Paradebeispiel für die Integration von Jugendspielern in den Profi-Kader. Trotzdem bleibt seit dem Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga vor vier Jahren der kurzfristige Erfolg nicht aus. Wie schafft man diesen Spagat?

Herth: Wahrscheinlich dadurch, dass unser Spielstil eben an unsere jungen Spieler angepasst ist. Wir spielen eine aggressive und freche Abwehr und schalten mit gutem Tempo nach vorne um. Das macht uns schlecht ausrechenbar und hoffentlich zu einem unangenehmen Gegner. Trotz unserer Jugend haben wir uns so schon einen gewissen Respekt erarbeitet.

Wo verorten Sie sich nach der erfolgreichen Vorsaison selbst in der 2. Handball-Bundesliga?

Herth: Das im Vorhinein zu definieren, ist in dieser Liga eigentlich unmöglich. Es gibt fast keine Abstufungen, das beweist sich jedes Jahr aufs Neue. Auch dieses Jahr werden sich Mannschaften lange in Tabellenregionen aufhalten, mit denen sie vorher nicht gerechnet haben. Jeder kann gegen jeden punkten. Wir müssen uns einfach ein Beispiel an der Vorsaison nehmen und versuchen, möglichst oft an unserem Limit zu spielen und so die vielen knappen Spiele, die es geben wird, zu gewinnen. Dann können wir unser Saisonziel, einen einstelligen Tabellenplatz, schaffen.

Ist Ihre Rückkehr in die DKB Handball-Bundesliga mit den DJK Rimpar Wölfen trotzdem ein geheimer Traum?

Herth: Definitiv, gerade nachdem wir letzte Saison so knapp an der Sensation vorbeigeschrammt sind. Ein Aufstieg wäre aber nicht nur für mich selbst überragend, sondern auch für die vielen jungen Spieler, die dieses Erstliga-Gefühl noch nicht hatten, diese fantastischen Hallen und die namhaften Gegner noch nicht erleben durften. Sollte es wieder so gut laufen wie letztes Jahr, wäre niemand traurig. Das jetzt aber als festes Ziel auszugeben, wäre völlig abgehoben.

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