20.12.2017  2. Handball-Bundesliga

Yannik Fraatz: "Abiball? Das erste Länderspiel hatte Vorrang"

Im Interview spricht Yannick Fraatz über die Vereinbarkeit von Schule und Training in Verein und DHB-Auswahl und verrät, was er von seinem berühmten Vater gelernt hat.

Fraatz ist ein klangvoller Name im deutschen Handball. Jochen Fraatz schrieb mit TuSEM Essen, der HSG Nordhorn und dem TBV Lemgo Geschichte, warf in 441 Bundesligaspielen 2660 Tore. Damit ist der frühere Linksaußenspieler die Nummer drei in der ewigen Torschützenliste der HBL und der erfolgreichste deutsche Torjäger der Bundesliga-Geschichte. Fraatz holte drei deutsche Meistertitel, vier DHB-Pokalsieger – und galt gewissermaßen als Erfinder des modernen Drehers.

Sein Handball-Talent hat der heute 54-Jährige offensichtlich vererbt. Sein Sohn Yannick schickt sich an in seine Fußstapfen zu treten. Bei der HSG Nordhorn-Lingen reift der 18-Jährige gerade zum Stammspieler und Leistungsträger – als Linkshänder allerdings auf der anderen Flügelseite als Vater Jochen. Doch Yannick überzeugt nicht nur in der  2. Handball-Bundesliga. Im Sommer gab er sein Debüt in der Junioren-Nationalmannschaft und gehört seitdem zum festen Kreis der deutschen Nachwuchsmannschaft. Im Interview spricht der Abiturient über die Vereinbarkeit von Schule und Training in Verein und DHB-Auswahl und verrät, was er von seinem Vater gelernt hat.

Sie sind seit dem Sommer fester Bestandteil der Junioren-Nationalmannschaft.  Was ging bei der ersten Nominierung in Ihnen vor?

Fraatz: Es war schon eine Ehre, berufen zu werden und dann auch fürs eigene Land zu spielen. Als ich zum ersten Mal die Nationalhymne im DHB-Trikot gehört habe, war das definitiv ein Gänsehautmoment. Damit hat sich für mich ein Traum erfüllt, ich wollte unbedingt einmal für Deutschland auflaufen, ob nun im Jugendbereich oder vielleicht auch später einmal. In meinen ersten beiden Länderspielen ging es dann gegen Italien. Das erste Spiel lief richtig gut, das haben wir deutlich gewonnen. Am Tag darauf haben wir uns dann schwerer getan. Vielleicht ist die Spannung nach dem Debüt ein wenig abgefallen und wir waren nicht mehr so konzentriert.

Die Länderspiele fanden Mitte Juni statt. Gab es Überschneidungen mit Ihren Abiturprüfungen?

Fraatz: Nein, die Prüfungen waren zu diesem Zeitpunkt schon geschrieben. Aber den Abiball musste ich für den Lehrgang ausfallen lassen. Das erste Länderspiel hatte für mich dann doch Vorrang.

18.12.2017 - 2. Handball-Bundesliga

Erster Auswärtssieg für den HC Elbflorenz

Nach mehreren unglücklichen Vorstellungen meldet sich der Aufsteiger HC Elbflorenz 2006 eindrucksvoll zurück - mit dem ersten Auswärtssieg in der 2. Handball-Bundesliga. Dem vorher ging ein Spiel, das die HSG Nordhorn-Lingen als Gastgeber und Favorit fest in der Hand zu haben schien. Doch es folgte ein Krimi in den letzten zehn Minuten.

Wie konnten Sie gerade während der Abi-Zeit schulische Aufgaben und die Verpflichtungen für die HSG Nordhorn-Lingen und den DHB unter einen Hut bringen?

Fraatz: Die Schule hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Für die DHB-Lehrgänge wurde ich zum Beispiel immer recht problemlos freigestellt. Andererseits hat aber auch die HSG Verständnis gezeigt, wenn ich für die wichtigen Klausuren Zeit benötigte und lernen musste. Als es im Abitur wirklich ernst wurde, habe ich sogar einmal eine Trainingseinheit ausfallen lassen. Aber das war für den Trainer und alle Beteiligten okay. Es war auch tatsächlich nur ein Einzelfall. Sonst hat es vom Zeit-Management her eigentlich immer gut geklappt.

Wie sehen Ihre privaten Pläne nach dem Abitur aus?

Fraatz: Ich überlege mir gerade, ob und was ich studieren soll. Wenn, dann würde ich mich auf jeden Fall gern weiter intensiv mit Sport beschäftigen, entweder Sportlehramt oder Sportmanagement studieren. Momentan mache ich erst einmal ein Praktikum beim Verein und trainiere zweimal in der Woche die F-Jugend. Das macht sehr viel Spaß.

Wann waren Sie nervöser: Vor der ersten Abiprüfung oder vor dem Profi-Debüt für die HSG Nordhorn-Lingen?

Fraatz: Ganz klar vor meinem Debüt für Nordhorn. Das war gleich ein Pokalspiel gegen den SC Magdeburg. Im ersten Pflichtspiel gegen einen Erstligisten anzutreten, der kurz zuvor noch den DHB-Pokal gewonnen hatte, war eine ganz besondere Situation, ein absolutes Highlight, zumal einige SCM-Spieler wie Finn Lemke, Michael Damgaard oder Jannick Green auch gerade erst wieder von Olympia zurückgekehrt waren. Wir haben uns dann auch ganz gut geschlagen, am Ende nur knapp mit drei Toren verloren. Ich selbst bin nach einer guten Viertelstunde rein gekommen und durfte tatsächlich die restliche Spieldauer auf dem Feld bleiben. Das kam sogar für mich ein wenig überraschend. Aber ich glaube, ich habe die Nervosität ganz gut in den Griff bekommen und habe meinen einzigen Wurf, einen Kempa, dann sogar getroffen (lacht).

Inzwischen erhalten Sie in der 2. Handball-Bundesliga regelmäßig Ihre Einsatzzeiten, scheinen sich immer besser auf dem hohen Niveau zurecht zu finden und schafften am 17. Spieltag sogar erstmals den Sprung in die Mannschaft des Spieltages. Wie soll es sportlich für Sie weiter gehen?

Fraatz: Von der Nominierung habe ich erst von meinen Kollegen beim DHB-Lehrgang erfahren. Das ist natürlich eine Ehre, mir persönlich aber gar nicht so wichtig. Ich bin im Moment sehr froh über die Situation, wie sie ist, und hoffe, dass es jetzt einfach kontinuierlich so weiter geht. Natürlich träume ich perspektivisch vom Schritt in die Bundesliga und arbeite auch hart daran. Aber das muss nicht jetzt sofort passieren.

Zu Hause sind Sie mit der HSG eine absolute Macht, waren bis zum letzten Spiel gegen Dresden in der Hinrunde gänzlich ungeschlagen. Auswärts ist die Punktausbeute deutlich magerer.  Was sind die Gründe für diesen Unterschied?

Fraatz: Natürlich geben die heimischen Fans im Rücken uns immer noch einen kleinen Extra-Schub. Aber nur daran kann es nicht liegen. Wir geben schließlich auch auswärts immer Vollgas. Deswegen kann ich mir den Unterschied selbst auch nicht ganz erklären. Wir haben das Thema im Verein aber inzwischen schon intensiv aufgearbeitet und wollen in den verbleibenden beiden Auswärtsspielen des Jahres unbedingt Punkte holen.

Letzte Frage: Welche Rolle spielt Ihr Vater in Ihrer Karriere?

Fraatz: Mein Vater unterstützt mich immer, wo er kann, und freut sich natürlich für mich, wenn ich meine Ziele erreiche. Er war so ein guter Bundesliga-Spieler, vielleicht ist er auch ein wenig stolz darauf, dass ich den Sprung in den Profi-Handball jetzt auch geschafft habe. Vor allem in der Jugend hat er mir auch immer wieder Tipps für mein Spiel gegeben, in extra Trainingseinheiten mit mir an der richtigen Wurftechnik gefeilt und mir kleine Geheimnisse verraten hat. Ich denke wirklich, dass ich es ohne ihn nicht so weit geschafft hätte.

Vielen Dank für das Gespräch!

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