11.11.2017  2. Handball-Bundesliga

Rot für Matze Gerlich wohl der Knackpunkt

Es wurde nichts mit der Trendwende! Eine Woche nach dem 32:27-Erfolg beim HC Rhein Vikings unterlag der ThSV Eisenach in einem stimmungsvollen thüringisch-fränkischen Derby dem ohne einige verletzungsbedingt fehlende Stammkräfte angereisten HSC Coburg mit 27:29 (13:16). Vor einer Woche wurden die Franken in heimischer Halle, beim 22:28 gegen den ASV Hamm-Westfalen vom eigenen Anhang ausgepfiffen, jetzt jubelte das Team mit 200 mitgereisten Fans.

Im 6. Heimspiel setzte es die 6. Heimniederlage für die eigentlich so heimstarken Wartburgstädter. Einst wurde die Werner-Aßmann-Halle gefürchtet, inzwischen reisen Gäste frohgelaunt an und ab. Nach 12 Spieltagen steckt der ThSV Eisenach mit gerade einmal 4 Punkten im Tabellenkeller fest, belegt einen Abstiegsplatz. 

Die erwartungs- und hoffnungsvolle blau-weiße Anhängerschaft glaubte sich in der Anfangsphase im falschen Film. Nach nicht einmal 7 Spielminuten leuchtete ein 0:6 auf der Anzeigetafel. Die Hausherren, ohne den verletzten Kreisspieler Marcel Niemeyer, servierten den Gästen regelrecht das Leder zum Kontern. „Wir hatten eigentlich vor der 5:1-Abwehr der Eisenacher Respekt“, bekannte Jan Gorr, der Coach der Franken. Doch gerade die bot seinen Schützlingen reichlich Räume. Die Eisenacher bekamen keinen Zugriff. Und wenn, dann so ungeschickt, dass es eine Zeitstrafe setzte. Nach dem 0:6 stellte der ThSV Eisenach auf eine 6:0-Abwehr inklusive eines Torhüterwechsels um. Mit Erfolg! „Nun kamen wir endlich in die Zweikämpfe“, bekannte ThSV-Coach Christoph Jauernik. Torhüter Jan-Steffen Redwitz blieb im Siebenmeterduell mit Coburgs Top-Torjäger Florian Billek Sieger (15.). Matthias Gerlich, der ehemalige Coburger im Trikot der Eisenacher, kam auf das Parkett und nährte mit seinen Treffern die Hoffnung der Blau-Weißen auf Parkett und Rängen. Die linke Angriffsseite mit Matthias Gerlich und Adrian Wöhler sorgte für enorme Torgefahr. Doch zunächst antworteten die Gäste umgehend (5:10, 15.; 7:12, 20., jeweils durch Florian Bilek). Den Eisenachern gelangen in der Folge  auch Ballgewinne. Matthias Gerlich stibitzte sich das Leder und vollendete selbst, hämmerte aber auch aus dem Rückraum ein. Eine nicht leicht zu kontrollierende Steilvorlage von Keeper Jan-Steffen Redwitz verwertete Adrian Wöhler zum 11:12-Anschlußtreffer (25.). Doch wie gewonnen, so zerronnen. Der HSC Coburg, nun mit dem ehemaligen Eisenacher Till Riehn auf der mittleren Aufbauposition, nutzte Patzer der Hausherren zum 11:14 (Sebastian Weber, 27.) und 11:15 (Lukas Wucherpfennig, 27.). Alexander Saul scheiterte im Siebenmeterduell (28.). Matthias Gerlich machte es von gleicher Stelle, nach Regelwidrigkeit an Justin Mürköster, besser und netzte zum 13:16-Halbzeitstand ein. 

 „Die zweite Halbzeit war ein offener Schlagabtausch, gekennzeichnet von Kampf und Leidenschaft auf beiden Seiten“, konstatierte Jan Gorr. Die Eisenacher betrauten Ibai Meoki mit der Rolle des Spielgestalters, um die spielerische Komponente zu erhöhen. Sehenswerte Spielzüge zur Kreismitte, zu Justin Mürköster, ließen die Coburger Abwehr alt aussehen. Auf Vorlage von Kapitän Daniel Luther traf Justin Mürköster, wohl der beste Eisenacher an diesem Tag, zum 16:18 (35.). Mehrere Anläufe zum Anschlusstreffer blieben ohne Torerfolg. ThSV-Keeper Jan-Steffen Redwitz wehrte (schmerzhaft) per Kopf ab (40.). Kurz darauf versenkte Rechtsaußen Willy Weyhrauch zum 18:19 (40.). Und wieder war es der Ex-Coburger Matthias Gerlich,  der die Eisenacher hoffen ließ, nach einem an ihm selbst verwirkten Siebenmeter zum 21:21 ausglich (45.). Kurz darauf die wohl den Spielausgang maßgeblich beeinflussende Szene: Die Referees mit fränkischem Herz, Thomas Kern und Thorsten Kuschel, verhängten gegen Matthias Gerlich eine heftig umstrittene Zeitstrafe. Es war die dritte für den Eisenacher Rückraumkanonier und damit dessen vorzeitiges Aus. Das spielte den Coburgern in die Karten. „Sicherlich eine Hypothek, doch auch wir hatten Ausfälle, allerdings verletzungsbedingt“,  befand ehrlich Jan Gorr. Die Eisenacher erarbeiteten sich ihre Torchancen mit viel Aufwand über den Kreis. Daniel Luther übernahm Verantwortung von der Siebenmeterlinie. Beim HSC Coburg bewies der ehemalige Eisenacher Till Riehn Nervenstärke. Er trat fünf Mal an die Siebenmeterlinie und versenkte fünf Mal. „Ich hatte ja schon im Vorfeld die Vielseitigkeit und die wichtige Rolle von Till Riehn unterstrichen“, freute sich Jan Gorr über seinen 31-jährigen Kapitän. Es blieb eine Partie auf des Messers Schneide. Stefan Lex unterstrich  auf Coburger Seite seine Fernwurf-Qualitäten. Sieben Mal schafften die Wartburgstädter den Ausgleich. Sie holten alle Körner aus sich heraus, ließen sich von weiteren fragwürdigen Schiedsrichterpfiffen nicht entmutigen. Justin Mürköster schloss einen der sehenswerten Angriffe zum Kreis mit dem 27:27 ab (56.). Tobias Varvne tankte sich zum 27:28 durch (57.). Kurz darauf scheitere der bis dahin so treffsichere Adrian Wöhler an Gäste-Schlussmann Oliver Krechel. Beim zweiten Versuch zum Ausgleichstreffer, blieb ein Luther-Ball in der Coburger Abwehr hängen. Tobias Varvne klärte nach einer Coburger Auszeit mit seinem Treffer zum 27:29 die Punktevergabe. „Zum Schluss entschieden Kleinigkeiten“, betonte Jan Gorr.

Text: ThSV Eisenach

Bild: ThSV Eisenach

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