31.05.2018  2. Handball-Bundesliga

Smits: "Die Liebe zum Handball ist in Deutschland besonders"

Im Interview verrät Rückraumspieler Kay Smits vor seinem Abschiedsspiel für den WHV, warum er schon mit 19 Jahren den Schritt ins Ausland wagte und welche Ziele er mit der niederländischen Nationalmannschaft verfolgt.

Kay Smits ist einer der großen Senkrechtstarter der zu Ende gehenden Saison in der 2. Handball-Bundesliga. Der Niederländer reifte in seinem zweiten Jahr beim Wilhelmshavener HV zum absoluten Leistungsträger, steht einen Spieltag vor dem Saisonende mit 249 Toren auf dem dritten Platz der ligaweiten Torjägerliste.

Auch mit diesen Treffern hat der 21-Jährige großen Anteil am Klassenerhalt, den der WHV am 37. Spieltag mit einem 35:23-Erfolg bei der HG Saarlouis gesichert hat. Doch nicht nur die 2. Handball-Bundesliga mischt der Linkshänder, der im Sommer zum dänischen Erstligisten Tvis Holstebro wechseln wird, auf. Auch in der niederländischen Nationalmannschaft ist Smits auf dem Weg zur festen Größe.

Herr Smits, vergangenes Wochenende haben Sie mit dem WHV endgültig den Klassenerhalt gesichert. Wie groß war die Erleichterung?

Kay Smits: „Man kann schon sagen, dass uns allen ein Stein vom Herzen gefallen ist. Es hat lange gedauert, bis wir den Klassenerhalt in der Tasche hatten. Eigentlich wollten wir es nicht bis auf den vorletzten Spieltag ankommen lassen. Aber jetzt wurde es eben wie schon im letzten Jahr spannend. Gegen Saarlouis war klar: Wir brauchen nur noch einen Punkt. Und wir hatten großes Selbstvertrauen, dass wir das auch schaffen. Wir haben in diesem Spiel von Anfang an gezeigt, dass wir den Deckel drauf machen wollen. Und das hat zum Glück auch geklappt.“

Sie sprechen es an: Zwei Jahre in Folge musste der WHV jetzt lange um den Klassenerhalt zittern. Wie belastend ist der Abstiegskampf für einen Spieler?

Smits: „Kampf um den Klassenerhalt bedeutet auch immer, dass einige Niederlagen dabei sind. Das wünscht man sich nicht und man ärgert sich darüber. Aber aus diesen zwei Jahren Abstiegskampf kann man als junger Spieler trotzdem viel für seine Entwicklung mitnehmen. Man muss jedes Spiel voll bei der Sache sein, kann sich nie zurücklehnen. In jedem Spiel geht es um wichtige Punkte. Zum Glück haben wir es jetzt zweimal geschafft, uns für diesen Kraftakt zu belohnen.“

Sie selbst sind im zweiten Jahr in Wilhelmshaven zum Führungsspieler gereift. Sind Sie zufrieden mit Ihrer persönlichen Entwicklung?

Smits: „Ich habe schon letztes Jahr gemerkt, dass ich mich bei dem Niveau in Deutschland weiterentwickelt habe. Dieses Jahr konnte ich meine Leistungen dann noch konstanter abrufen. Damit bin ich sehr zufrieden, weil ich dadurch, glaube ich, auch der Mannschaft weiterhelfen konnte, um am Ende unser großes Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen.“

Sie werden Wilhelmshaven zum Saisonende in Richtung Dänemark verlassen. Was nehmen Sie aus zwei Jahren beim WHV mit?

Smits: „Wilhelmshaven war meine allererste Auslandserfahrung. Das war schon ein großer Schritt für mich. Ich wusste nicht genau, was mich erwartet, hatte sicherlich auch ein bisschen Respekt vor der dem Umzug und der neuen Liga. Aber im Nachhinein kann ich sagen, dass mir vieles leichter gefallen ist als ich befürchtet hatte. Die letzten beiden Jahre sind wie im Flug vergangen. Ich habe mich in Wilhelmshaven gleich wohl gefühlt, hatte immer viel Spaß, hier zu spielen. Die Mannschaft und die Fans werde ich auf jeden Fall vermissen. Ich habe eine neue Sprache und eine neue Kultur kennengelernt. Es war einfach eine super Erfahrung, aus der ich viel lernen konnte.“

Was wird Ihnen aus Deutschland im Gedächtnis bleiben?

Smits: „Die Liebe zum Handball. Das ist in Wilhelmshaven und ganz Deutschland sehr besonders. Die Stimmung in der  Nordfrost Arena wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Aber auch in den übrigen Hallen der 2. Liga herrschte immer eine super Atmosphäre. Unter diesen Voraussetzungen macht es einfach Spaß, Handball zu spielen.“

In Wilhelmshaven sind Sie zusammen mit Duncan Postel und Rutger ten Velde inzwischen Teil eines niederländischen Trios. Kommt da ein kleines Heimatgefühl auf?

Smits: „Es hilft natürlich immer, wenn man noch ein paar Landsleute mit im Team hat. Das erste halbe Jahr war ich ja als einziger Niederländer beim WHV. Danach kam in der Winterpause Duncan Postel dazu. Das hat vieles erleichtert. Schon alleine, weil ich mit jemandem wieder meine eigenen Sprache sprechen konnte. Sowohl Duncan, als auch Rutger kannte ich schon lange aus der Jugend-Nationalmannschaft. Wir waren sowieso schon gut befreundet und es ist immer ein schönes Gefühl, im Ausland gute Freunde an seiner Seite zu wissen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit ihnen zusammen zu spielen und wir haben natürlich auch außerhalb der Halle viel zusammen unternommen.“

Es fällt auf, dass immer mehr niederländische Spieler den Schritt in die DKB Handball-Bundesliga oder 2. Handball-Bundesliga wagen. Welchen Stellenwert hat Handball in Ihrer Heimat?

Smits: „Der Handball in den Niederlanden entwickelt sich, wird immer populärer. Immer mehr Spieler gehen ins Ausland, das stimmt. Das halte ich für die Entwicklung der Nationalmannschaft für sehr wichtig. Denn nur im Ausland kann man wirklich Erfahrungen auf hohem Niveau sammeln. Die Liga in unserer Heimat kann man nicht mit Deutschland, Dänemark oder Frankreich vergleichen. In den Niederlanden gibt es kaum Handball-Profis, alle studieren oder arbeiten nebenbei. Wenn man weiterkommen will, muss man also ins Ausland gehen. Nur dort kann man auf einem Niveau spielen, das auch bei einer Welt- oder Europameisterschaft herrscht. Und das ist unser großes Ziel: Einmal mit der Nationalmannschaft an einem großen internationalen Turnier teilzunehmen.“

Haben Sie ein konkretes Turnier im Auge?

Smits: „Die Europameisterschaft 2020 ist unser großes Ziel. Weil das Teilnehmerfeld dann von 16 auf 24 Nationen erweitert wird, ist die Chance für uns noch größer. Wir spielen in Kürze zwar auch die Playoffs für die Weltmeisterschaft 2019 gegen Schweden. Aber Schweden ist natürlich auch ein dicker Brocken. Die Qualifikation für die EM 2020 ist da vielleicht ein wenig realistischer.“

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