15.12.2016  DHB-Pokal

Auf nach Hamburg - SG gewinnt gegen Melsungen

Am gestrigen Abend stand die letzte Runde DHB-Pokal vor dem großen Event des Rewe-Final-Fours in Hamburg statt. Beide Teams waren sehr ambitioniert und wollten den Einzug in die Endrunde nicht verpassen! Am Ende fiel das Ergebnis auch etwas zu hoch zu Gunsten der Flensburger aus. Dem Spielverlauf zu urteilen, war es ein sehr enges Spiel auf Augenhöhe.

Das REWE Final Four wird am 8. und 9. April mit der SG Flensburg-Handewitt stattfinden. Mit einem 32:28 (17:18) über die MT Melsungen qualifizierte sie sich zum 16. Mal für ein Halbfinale im DHB-Pokal und zum 13. Mal für das Saison-Highlight in Hamburg. Daran nehmen diesmal auch der SC DHfK Leipzig, der THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen teil. Informationen zur Ticket-Vergabe erfolgen am morgigen Donnerstag. „Wir sind wieder dabei – das hört sich doch sehr gut an“, strahlte SG Trainer Ljubomir Vranjes. „Besonders zufrieden bin ich mit unserem Positionsangriff mit unserer ersten und zweiten Welle und natürlich mit unseren Fans.“

Den ersten Applaus des Tages erntete Hampus Wanne: Der Linksaußen wurde nachträglich für sein 100. SG Spiel mit einem Blumenstrauß geehrt. Dann hieß es: Alles oder nichts! Im Spiel mit dieser Devise bekamen zunächst Jim Gottfridsson, Thomas Mogensen und Holger Glandorf die Verantwortung im Rückraum übertragen. Jacob Heinl fing am Kreis an. Die ersten Duftnoten setzte allerdings Anders Eggert: einmal vom Flügel, zwei Mal von der ominösen Linie – und der Spielstand lautete 3:2. Für Melsungen traf vorerst nur Johannes Sellin – bis er bei seinem zweiten Strafwurf seinen Meister in Mattias Andersson fand. Frenetischer Jubel in der „Hölle Nord“! Anders Eggert packte indes noch einen drauf. Dann legte aber Melsungen zu – und auch das Tempo zog spürbar an. Eine rasche Torfolge entwickelte sich. Jim Gottfridsson setzte Ausrufezeichen. Zunächst bediente er mit einem tollen Pass Lasse Svan, im nächsten Angriff machte er es selbst. 6:6!

 

Die Führungen wechselten kontinuierlich. Es war ein erbitterter Kampf auf Augenhöhe. Plötzlich flog von der MT-Bank eine Harzdose auf das Spielfeld. Die Aufregung war groß. „Ich weiß nicht, woher genau diese Dose gekommen ist“, erklärte Axel Geerken nach Spielschluss. „Aber so etwas gehört sich nicht, dafür entschuldige ich mich.“ Dann ergänzte der MT-Sportdirektor: „Es ist sicherlich auch nicht die feine Art, was auf Michael und Philipp Müller von den Zuschauern eingeprasselt ist.“ Dem stimmte SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke zu: „Das ging über die Grenze. Ich kenne Michael und Philipp privat sehr gut – das sind anständige Kerle.“ MT-Coach Michael Roth lobte einen der Zwillingsbrüder ganz besonders: „Ich habe selten einen Spieler gesehen, der den Arsch so in der Hose hat wie Michael Müller. Er hat das ganze Spiel einen großartigen Kampf gezeigt.“

Nach knapp 20 Minuten hatte die SG kurzfristig Oberwasser. Holger Glandorf schloss aus vollem Lauf zum 10:9 ab. Michael Roth zückte die grüne Karte, musste nach seiner taktischen Unterbrechung allerdings beobachten, wie die SG einen Konter startete. 11:9 durch Lasse Svan – das sah doch gut aus! Rasmus Lauge, Kentin Mahé und Henrik Toft Hansen erhielten nach und nach ihre ersten Spielanteile. Kein Glück hatte die SG mit Abprallern und abgefälschten Würfen. „In der Abwehr stimmten Kleinigkeiten nicht“, erkannte Ljubomir Vranjes. „Das waren keine leichten Voraussetzungen für Mattias Andersson.“ Michael Roth kommentierte zufrieden: „Meine Mannschaft zeigte in der ersten Hälfte genau die richtige Einstellung. Sie hat geduldig und erfolgreich versucht, die Lücken über den Kreis zu finden.“

Die Hessen drehten wieder den Spieß. Beim 14:15 gab es stehende Ovationen von den Rängen. Ljubomir Vranjes nahm ein Team-Timeout. Zwar glichen seine Jungs immer wieder aus, doch mit einem Siebenmeter stellte Michael Allendorf den 17:18-Pausenstand her. Schade, der extra eingewechselte Kevin Møller war dran. Der dänische Keeper blieb zwischen den Pfosten. Auch Johan Jakobsson mischte nun mit und führte sich mit dem 18:19-Anschluss prächtig ein. Es war richtig Feuer unter dem Dach. Mit viel Elan ging Jim Gottfridsson zu Werke. Dem Schweden glückte ein prächtiger Wurf zum 20:19. „In der Halbzeit fielen keine bösen Worte, Melsungen hat es schließlich richtig gut gemacht“, erklärte Ljubomir Vranjes. „Unsere Defensive bewegte sich nun besser und half damit unserem Torwart. Und Kevin hat uns mit einigen Paraden gegen die Außenpositionen geholfen.“

Die SG blieb am Drücker, die Kulisse machte Dampf im Stimmungskonzert der „Hölle Nord“. Anders Eggert stellte mit einem Strafwurf einen Zwei-Tore-Vorsprung her. „Steht auf, wenn ihr Flensburg seid!“, skandierten die Fans. Die Angelegenheit war allerdings weiterhin knapp. Beim 24:23 hatte Johan Jakobsson Pech mit dem Pfosten. Lasse Svan griff sich zwar den langen Konter-Pass, doch Anders Eggert scheiterte an MT-Schlussmann Johan Sjöstrand. Zum Glück war Kevin Møller auf der Hut. Er hielt und leitete einen Gegenstoß ein, den Lasse Svan eiskalt vollendete. 25:23 – die Party zündete und steuerte auf einen neuen Höhepunkt zu, als die nächste Kombination bei Henrik Toft Hansen mündete. Der erste Drei-Tore-Vorsprung! Die Defensive agierte erneut konsequent und eroberte sich gleich wieder den Ball. Ljubomir Vranjes trommelte seine Spieler zusammen, um den nächsten Spielzug abzustimmen. Wieder ging es über Kreisläufer Henrik Toft Hansen. 27:23 – die FLENS-ARENA hatte die entscheidende Phase der Partie erlebt. „Wir waren ziemlich platt“, musste Michael Roth eingestehen. „Die SG hatte den breiteren Kader.“

 

Eine letzte Unsicherheit lag noch über der „Hölle Nord“. Doch spätestens als Rasmus Lauge das 31:28 erzielte und Kevin Møller den nächsten Wurf von Michael Müller parierte, war die Messe endgültig gelesen. Die Anhängerschaft sang: „Wir holen den DHB-Pokal und werden deutscher Meister!“ Und dann gab es noch einen Bonus: Jim Gottfridsson erhielt für seine Vertragsverlängerung bis 2018 einen Blumenstrauß. Aus den Händen von Dierk Schmäschke. Der freute sich mit dem Schweden – und über den Sieg. „Nun fiebern wir zusammen mit unseren Fans einem tollen Erlebnis im Frühjahr entgegen“, sagte der Geschäftsführer. „Diesmal führte der Weg ins REWE Final Four über zwei schwere Heimspiele.“ Michael Roth gratulierte der SG: „In diesem Wettbewerb hatten wir das Losglück nicht unbedingt auf unserer Seite. Nun würde ich mich freuen, wenn wir im April sagen könnten, dass wir gegen den neuen Pokalsieger ausgeschieden sind.“ 

SG Flensburg-Handewitt – MT Melsungen 32:28 (17:18)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (6/1 Paraden), Møller (8 Paraden, ab 31., bei einem 7m) – Karlsson, Eggert (10/7), Glandorf (4), Mogensen, Svan (7), Jakobsson (2), Heinl, Toft Hansen (2), Gottfridsson (3), Lauge (3), Mahé (1)
MT Melsungen: Sjöstrand (11 Paraden), Villadsen (bei zwei 7m) – Maric (5), Sellin (3), Golla (1), Fahlgren, P. Müller (1), Boomhouwer, Rnic (1), Schneider (3), Allendorf (11/6), M. Müller (3), Jaanimaa, Haenen
Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Düsseldorf); Zeitstrafen: 8:14 Minuten (Heinl 4, Jakobsson 2, Lauge 2 – P. Müller 4, Maric 2, Sellin 2, Schneider 2, Allendorf 2, M. Müller 2); Siebenmeter: 7/7:8/7 (Sellin scheitert an Andersson); Zuschauer: 4542
Spielverlauf: 0:1 (2.), 2:1 (5.), 4:2 (8.), 4:5 (10.), 6:6 (12.), 7:8 (13.), 9:8 (16.), 11:9 (20.), 11:12 (23.), 13:13 (24.), 14:15 (26.), 16:16 (29.), 17:17 (30.) – 17:19 (31.), 20:19 (34.), 22:20 (36.), 23:22 (40.), 24:23 (41.), 27:23 (47.), 28:24 (49.), 29:25 (52.), 29:27 (56.), 30:28 (57.)

Quelle: SG Flensburg-Handewitt

Foto: Nolte

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