11.11.2017  DKB Handball-Bundesliga

Melsungen peilt Sieg im Jubiläumsderby an

Eines der sechs Hessenderbys, die es im Verlauf dieser Saison in der DKB-Handball-Bundesliga gibt, steigt am Samstag in Kassel. In dieser Spielklasse ist es der Klassiker, es hat die längste Tradition. Denn die MT Melsungen und die HSG Wetzlar stehen sich zum 25. Mal in der “stärksten Liga der Welt” gegenüber. Einem Derby angemessen: Die Rothenbach-Halle ist mit 4.300 Zuschauern restlos ausverkauft. Klar, dass die MT vor dieser Kulisse – noch dazu im Jubiläumsderby – beide Punkte in Nordhessen behalten will. Anwurf ist um 20:30 Uhr. Die Liveübertragung auf SKY beginnt um 20:00 Uhr.

Der Tabellenfünfte MT Melsungen empfängt den Tabellenzehnten HSG Wetzlar. Die beiden Mannschaften trennen fünf Tabellenplätze und ebensoviele Punkte. Der Gastgeber darf sich auf eine große Rückendeckung in der mit 4.300 Zuschauern ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle freuen. Dazu die Preisfrage: Wer ist der Favorit in diesem Spiel? – Die Antwort aus nordhessischer Sicht: Keiner! Alles ist offen!

Woher diese Einschätzung kommt? Die Vorbereitung der MT auf dieses Spiel verlief in bescheidenem Rahmen. Regisseur Lasse Mikkelsen hatte aufgrund seiner seit Wochen andauernden Sprunggelenksprobleme Sportverbot. Wann Abwehrchef Finn Lemke frühesten ins Training einsteigen kann, war Mtte der Woche noch ungewiss. Er plagt sich mit einer Bänderdehnung im Sprunggelenk, die er sich vor dem Spiel gegen Leipzig im Training zugezogen hat. Shooter Dener Jaanimaa musste unter der Woche wegen Erkältung passen. Inwieweit die drei also am Samstag einsatzbereit sind, ließ sich am Donnerstag noch nicht abschließend beantworten. So ist der MT-Trainer nicht zu beneiden: “Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann wir das letzte mal vollzählig trainiert haben”, zuckt Roth mit den Schultern. 

Selbst die Tatsache, dass er mit Philipp  und Michael Müller und Timm Schneider inzwischen wieder eine komplette Aufbaureihe aufbieten kann, ist im Hinblick auf deren Durchschlagskraft nur bedingt aussagefähig. Denn die drei sind nach ihren Verletzungen keinesfalls schon auf der Höhe ihre körperlichen Leistungsfähigkeit. “Aber auch wenn man von ihnen noch keine Wunderdinge erwarten kann”, so Roth, “sie haben jedenfalls den Vorteil, dass sie seit nunmehr fast drei Jahren miteinander eingespielt sind”. 

Das wiederum kann man von dem Trio, das in  den letzten Wochen im Rückraum gezwungenermaßen den Laden fast alleine schmeißen musste, nicht behaupten. De Formation mit Julius Kühn auf der Königsposition, Lasse Mikkelsen als Regisseur und Dener Jaanimaa als Shooter auf Halbrechts ist aufgrund der Verletzungsserie ihrer Mannschaftskameraden praktisch ins kalte Wasser geworfen worden. Dabei war Julius Kühn noch am meisten gefordert, da er oft in Angriff und Abwehr durchgespielt hat. 

Welche Besetzung Michael Roth also am Samstag aufbieten kann, wird sich erst am Spieltag selbst zeigen. Wenn alles optimal läuft, könnte er im Hessenderby zum ersten Mal seit Saisonbeginn – wennschon nicht in bester körperlicher Verfassung, so doch zumindest zahlenmäßig – die komplette Mannschaft beisammen haben. Denn auch Jeffrey Boomhouwer, dem zuletzt eine Denkpause verordnet worden war, ist nach klärender interner Aussprache mit Trainer und Vorstand am Samstag wieder mit von der Partie.

Klar ist nur soviel: In diesem Derby geht es wie immer - ausser um Punkte - auch um das Prestige. Jeder will vor dem anderen die Nase vorn haben und sich als stärkste Mannschaft Hessens fühlen. Dieser Ehrgeiz speist sich wohl auch zum Teil aus der Tatsache, dass es bei der MT nicht weniger als acht Akteure gibt, die bereits für die HSG Wetzlar gespielt bzw. gearbeitet haben. Angefangen von Vorstand Axel Geerken über das Trainergespann Michael Roth und Mile Malesevic bis hin zu den Spielern Michael Allendorf, Philipp und Michael Müller, Timm Schneider und Tobias Reichmann.

Der Europameister etwa trug von 2012 bis 2014 das grünweisse Trikot, bevor er zum polnischen Champions League-Club Kielce wechselte. Natürlich habe sich die HSG?seitdem stark verändert, so Reichmann, aber es sei immer noch mit einem besonderen Gefühl verbunden, gegen den früheren Verein zu spielen”. Der Rechtsaußen weiß auch, worauf es am Samstag ankommen wird: “Es ist bekannt, dass Wetzlar eine sehr gute Abwehr hat und zum Teil sehr lange Angriffe fährt. Darauf müssen wir uns einstellen. Darüber hinaus müssen wir möglichst wenig Fehler machen, weil wir ansonsten den Gegner zu schnellen Gegenstößen einladen. Ich hoffe einfach, dass wir am Ende die Halle als Sieger verlassen werden”, gibt sich der 29-jährige zuversichtlich.

Bei Timm Schneider liegt die Wetzlarer Zeit noch etwas länger zurück. Der Allrounder stand von 2007 bis 2010 bei den Mittelhessen unter Vertrag. Er sieht dem Derby relativ gelassen entgegen und sagt, dass er gegen die HSG genau so motiviert sei, wie gegen jeden anderen Gegner. “Auf Spielerebene gibt es eine ganz normale sportliche Rivalität. Die Emotionen werden von den Fans eingebracht. Und das ist auch gut so. Wenn eine Derby gespielt wird, muss auch Derbystimmung herrschen”, wünscht sich der Rückraumspieler.

Dessen Wunsch haben die Fans längst erhört. Das Derby ist schon seit Tagen ausverkauft. Gleiches trifft übrigens für das nur fünf Tage danach stattfindende Kräftemessen mit dem amtierenden Meister Rhein-Neckar Löwen zu.  Zum sechsten Mal in Folge heißt es dann in der Kasseler Rothenbach-Halle “Full House” - ausverkauft! Das gab’s noch nie in den bislang fast 13 Jahren, in denen die MT in der stärksten Liga der Welt am Ball ist. 

MT-Trainer Michael Roth stuft das Derby für beide Mannschaften als richtungsweisend ein. Es sei ein Spiel auf Augenhöhe. “Die HSG ist ein unangenehmer, weil unberechenbarer Gegner. Deren Stärke ist die Abwehr, inklusive zweier guter Torhüter. Deshalb müssen wir tunlichst solche Fehler wie zuletzt gegen Leipzig vermeiden, als wir dem Gegner zu oft den Ball geschenkt haben. Wir wollen natürlich unseren Heimvorteil nutzen und mit unseren tollen Fans im Rücken die zwei Punkte holen”: Und noch etwas verrät der Coach “In der Vorbereitung auf das Derby habe ich meine Spieler natürlich daran erinnert, dass uns Wetzlar in der letzten Saison gleich zweimal geschlagen hat. Das soll sich bitte nicht wiederholen". 

Text: MT Melsungen

Bild: Kaesler

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