06.10.2017  DKB Handball-Bundesliga

Rhein-Neckar Löwen bezwingen auch Hüttenberg

"Die Monsterwoche" betiteln die Verantwortlichen des Deutschen Meisters die Vorkommnisse der letzten Tage für die Rhein-Neckar Löwen. Unzählige Spiele in nur wenigen Tagen müssen gemeistert werden, jedoch auch gegen den TV 05/07 Hüttenberg ging den Männern aus Mannheim noch nicht die Puste aus. Ein erneuter Sieg für die Löwen wurde gefeiert.

Das „Monsterwochen-Triple“ ist komplett: Gegen den TV Hüttenberg haben die Rhein-Neckar Löwen auch das dritte Spiel binnen fünf Kalendertagen in der DKB Handball-Bundesliga gewonnen und die am Dienstag eroberte Tabellenführung erstmals verteidigt. Vor 4598 Zuschauern in der SAP Arena setzte sich der Deutsche Meister am Donnerstagabend mit 31:21 (15:12) gegen den Aufsteiger aus Mittelhessen durch und feierte zugleich im fünften Liga-Heimspiel den fünften Sieg. Beste Werfer der Löwen waren Harald Reinkind und Andy Schmid mit je sieben Treffern, Andreas Palicka verzeichnete 14 Paraden bei 21 Gegentoren – eine Klasse-Quote. Für Hüttenberg erzielte Vladan Lipovina die meisten Treffer (6).

Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen sprach von einem unangenehmen Gegner, der es einem am Anfang vor allem am Kreis schwergemacht habe. „Da haben wir auch zu viele Bälle verschossen. Nach 20 Minuten standen wir dann aber gut in der Abwehr, und nach der Pause sind wir weggezogen, haben uns ein bisschen Ruhe verschaffen können. Am Ende fiel der Sieg ein bisschen zu hoch aus, weil Hüttenberg das eigentlich sehr gut gemacht hat.“ Harald Reinkind gab zu, dass die Mannschaft ein wenig gebraucht habe, um sich mit zwei harten Spielen in den Knochen in die Partie zu arbeiten. „Ich denke, dass das auch ein Stück weit normal ist“, sagte der Norweger. In der Kabine zur Pause habe man sich dann vorgenommen, schnell zu zeigen, dass hier nichts mehr zu holen ist für Hüttenberg. „Das haben wir dann auch gut umgesetzt.“ Er selbst sei froh, 60 Minuten durchgespielt und viele Tore erzielt zu haben. „Damit bin ich zufrieden.“

 

Zum Spiel: Bereits beim Warmmachen demonstrierten die Hüttenberger ihre Außenseiterrolle. Auf den Trainingsjacken stand „Tour de Hoffnung“ zu lesen – mit Blick auf die Aufstiegssaison in der DKB Handball-Bundesliga eine deutlich betonte Selbsteinschätzung. Auf der Platte wurde diese Zurückhaltung schnell abgelegt. Sebastian Roth glich das 1:0 der Löwen durch Harald Reinkind postwendend aus (2.), genauso wie Mario Fernandes Reinkinds 2:1 (4.). Wieder Fernandes brachte über den Kreis die erste Hüttenberger Führung, fein angespielt von TVH-Spielmacher Dominik Mappes (2:3, 5.). Nach Groetzkis Ausgleich legte Fernandes seinen dritten Treffer zum 3:4 nach – die Achse Rückraum-Mitte/Kreis machte den Löwen zu Spielbeginn zu schaffen. Im Angriff der Gelben lief derweil Reinkind frühzeitig heiß, versenkte beim 5:5 seinen dritten Wurf (9.). Es folgten ein paar nervöse Minuten, in denen die Löwen komplett den spielerischen Faden verloren, Hüttenberg mit 5:7 und 6:8 aus Sicht der Gastgeber in Front ging. Löwen-Coach Jacobsen bat seine Männer zum Gespräch (14.). Dass sich die Mannheimer von der offensiven Deckung der Hessen derart aus der Fassung bringen ließen, dürfte dem Meistertrainer gar nicht gefallen haben. Nach einem Baena-Treffer und einer Super-Parade von Andreas Palicka ließ Reinkind den Ausgleich folgen (8:8, 16.). Groetzki sorgte mit dem dritten Löwen-Tor in Folge für das 9:8, Schmid mit dem vierten für das 10:8 – Jacobsens Auszeit hatte Wirkung gezeigt (19.).

Die Löwen agierten nun verstärkt mit einlaufenden Außen, Jerry Tollbring und Groetzki sollten die Hüttenberger Abwehr aufweichen. Das funktionierte. Allerdings rollte nach wie vor auch der TVH-Angriff, glichen die Hessen zum 10:10 aus. Dann legte die Löwen-Defensive eine Schippe drauf, blockte zwei Schüsse, Schmid besorgte das 12:10 (23.) und Palicka hielt einen Siebenmeter von Daniel Wernig. Filip Taleski verbuchte mit seinem ersten Tor des Abends das 14:11 – Hüttenberg nahm seine erste Auszeit (27.). Die Löwen legten unbeeindruckt nach: Palicka nahm den siebten Wurf weg, Schmid brachte mit seinem dritten Treffer die Vier-Tore-Führung (27.). Letztlich ging es mit 15:12 in die Pause. Während den Löwen-Spielern die Spiele gegen Kiel vor vier und Hannover vor zwei Tagen sichtbar in den Knochen steckten, fielen die Hüttenberger durch knüppelharte Deckungsarbeit und überraschend hohe Effizienz im Angriff auf. Dabei kamen die Hessen nicht nur wie erwartet über das Tempo, sondern insbesondere über Kreis und Halbpositionen und nutzten auf diese Weise die fehlende Frische der Mannheimer aus.

 

Den besseren Start in Durchgang zwei erwischten die Mannheimer. Reinkind zog zwei Minuten und einen Siebenmeter gegen Mappes, in Unterzahl nahm Hüttenberg den Torwart raus und Taleski traf ins leere Tor zum 18:13 (34.). Palicka setzte seine achte Parade, Groetzki stellte auf 19:13, Schmid ansatzlos aus dem Rückraum auf 20:13. Das Spiel lief nun in die aus Löwen-Sicht gewünschte Bahn, Hüttenbergs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson wollte das per Auszeit wieder ändern (37.). Stattdessen sammelte Gedeon Guardiola den nächsten Block inklusive Ballgewinn, beim darauffolgenden TVH-Angriff zwang eine aufmerksame Löwen-Deckung den Gegner ins Zeitspiel. Hinten standen die Jacobsen-Schützlinge jetzt so, wie sich der Trainer das wünschte. Palicka hielt zum zehnten Mal, Taleski wuchtete zum 21:13 ein (40.). Hüttenberg brauchte hingegen fast elf Minuten, um das zweite Tor der zweiten Hälfte durch Roth zu erzielen (21:14, 41.). Auf der anderen Seite erhöhte Baena auf 23:15, mit diesem Spielstand gingen die Löwen in die Schlussviertelstunde.

Hüttenberg versuchte, mit dem siebten Feldspieler gegenzuhalten, Vladan Lipovina traf zweimal aus dem rechten Rückraum. Jacobsen nahm seine zweite Auszeit und Tollbring stellte den Acht-Tore-Vorsprung wieder her (24:16, 47.). Lipovina ging für die Hessen weiter voran, traf doppelt zum 24:18. Abschießen lassen wollte sich der Aufsteiger nicht. An Guardiola gab es jedoch kaum ein Vorbeikommen, der Spanier sicherte immer wieder wertvolle Ballgewinne. In der 53. Minute schloss Groetzki einen herrlichen Flug zum 28:20 ab: Die Partie war entschieden – zumal Guardiola beim anschließenden Hüttenberger Angriff lautstark den nächsten Block abfeierte. Reinkind mit Treffer Nummer sieben markierte das 30:20, da bejubelten die Fans ihre Mannschaft bereits im Stehen (58.). Den Schlusspunkt setzte Groetzki mit der letzten Flugeinlage der Partie zum 31:21.

Rhein-Neckar Löwen – TV Hüttenberg 31:21 (15:12)

RNL: Appelgren, Palicka – Tollbring (5/2), Sigurdsson, Groetzki (6), Radivojevic, Schmid (7/1), Pekeler, Guardiola, Bliznac, Petersson, Reinkind (7), Mensah, Rnic, Taleski (3), Baena (3)

Hüttenberg: Ritschel, Schomburg – Rompf, Hofmann (3), Wernig (2/1), Hahn (1), Sklenak (), Mappes (1), Stefan, Müller, Sicko, Roth (2), Wörner, Johannsson (2), Lipovina (6), Lambrecht, Zörb (1), Fernandes (3)

Trainer: Nikolaj Jacobsen – Adalsteinn Eyjolfsson

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah / Suresh Thiyagarajah

Zuschauer: 4598

Zeitstrafen: 0 - 2

Siebenmeter: 5 - 2

Beste Spieler: Guardiola, Palicka, Reinkind – Lipovina, Ritschel

Rhein-Neckar Löwen: Ritschel hält Siebenmeter von Tollbring (42.)

TV Hüttenberg: Palicka hält Siebenmeter von Wernig (24.)

Spielfilm: 1:0 (1.), 2:3 (5.), 5:5 (9.), 6:8 (14.), 8:8 (16.), 10:8 (19.), 11:10 (22.), 13:10 (25.), 15:11 (27.), 15:12 (Halbzeitpause), 16:12 (32.), 18:13 (34.), 21:13 (41.), 23:15 (43.), 24:16 (47.), 25:18 (49.), 28:20 (53.), 30:20 (58.), 31:21 (Abpfiff)

Foto: Binder

Quelle: Rhein-Neckar Löwen

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