13.10.2017  DKB Handball-Bundesliga

Kiel kämpft Göppingen nieder

Ein Schönheitspreis wurde am Donnerstagabend in der ausverkauften Kieler Arena nicht vergeben. Dafür bekamen die 10.285 Zuschauer harte Handball-Arbeit mit dem einen oder anderen feinen Kniff zu sehen. Nach 60 umkämpften Minuten hatte der THW Kiel aber zwei wichtige Punkte auf der Habenseite: Mit dem Rückenwind der Fans setzten sich die Kieler Mitte der zweiten Halbzeit sukzessive ab und besiegten Frisch Auf Göppingen mit 28:23 (13:9).

Die Kieler starteten mit viel Schwung in die Partie: Nikola Bilyk hatte mit einem krachenden Wurf in den Winkel das 2:0 erzielt, die Abwehr kurz darauf einen Ball abgefangen. Allerdings landete der verunglückte Passversuch beim Gegner - der sich durch Urban mit dem Anschluss bedankte und kurz darauf sogar ausglich. Jetzt wurde es das erwartete Kampfspiel, in dem die Zebras hart für jedes Tor arbeiten mussten. Bilyks Traumpass hinter dem Rücken auf Rune Dahmke war ein Schmankerl, Geburtstagskind Miha Zarabec besorgte das 4:3 dann wieder auf rustikale Art. Dann wurde es erstmals kurios: Der starke Landin hatte den Ball gesichert, wollte abwerfen. Dann ein Pfiff, urplötzlich gab es Gelb für Patrick Wiencek und Siebenmeter für Göppingen, den Schiller zum 5:5 verwandelte. Kurz darauf bediente Sesum Kozina am Kreis, die Gäste lagen in Führung - und bei den Schwarz-Weißen machte sich Unsicherheit breit. Ekberg warf einen Siebenmeter neben das Tor, eine 6:4-Überzahl endete nach einem Dahmke-Fehlwurf und einem Wiencek-Wurf vom eigenen Kreis auf den vermeintlich leeren Göppinger Kasten, der eine einfache Beute des guten Daniel Rebmann wurde, 0:0. 

 

Fünf Minuten lang gelang den Kielern kein Treffer, weil aber auch die Gäste, die mit quälend langen Angriffen die starke THW-Defensive vor eine Geduldsprobe stellen, nichts Zählbares auf das Tableau brachten, gingen die Zebras nahezu unbehelligt aus dieser Phase hervor. Alfred Gislason reagierte auf das bisweilen zähe Angriffsspiel und brachte Lukas Nilsson und Marko Vujin: Beide Maßnahmen fruchteten sofort. Nilsson netzte zum 8:7, ein, Vujin traf in Unterzahl zum 9:8. Der Weckruf für die Fans - und der Startschuss für einen starken THW-Schlussspurt: Landin hielt einen Schiller-Wurf, Weinhold setzte sich im Gegenzug zum 10:8 durch. Landin parierte gegen Pfahl, Bilyk traf zum 11:8. In der Abwehr hechtete Rene Toft Hansen nach einem Wiencek-Block dem Abpraller hinterher, bediente im Liegen Weinhold, der Bilyk den Ball zum 12:8 auflegte. Kurz darauf fing Nilsson einen Göppinger Pass ab, bediente seinerseits Dahmke mit einem weiten Ball, und binnen fünf Minuten hatten die Kieler aus einem Remis eine Fünf-Tore-Führung gemacht. Ärgerlich aber, dass sie den finalen Wurf von Kozina nicht stoppen konnten - so reduzierte sich der Vorsprung mit dem Pausen-Horn auf vier Treffer.

 

Eine Führung, die Sicherheit geben sollte. Zumal Nilsson den zweiten Durchgang mit einem Hammer von halbrechts eröffnete. Doch es schlichen sich wieder Fehler und Fehlwürfe in das Angriffsspiel der Zebras ein. Die Folge: Nach Ekbergs 16:12, der Schwede verwandelte den Nachwurf nach einem von Rebmann gehaltenen Siebenmeter, kassierte der THW zwei Gegentore durch Schiller-Strafwürfe und das 16:15 durch Kozina (37.). Jetzt forderte Patrick Wiencek noch mehr Unterstützung von den Rängen ein - und bekam sie: Die Fans pushten ihre Mannschaft nach vorn, Wiencek ließ sie mit dem 17:15 durchatmen, Nilsson mit seinem 107-km/h-Geschoss unter die Latte, dem bisher härtesten Torwurf der Spielzeit, jubelnd aufspringen. Doch richtig abschütteln lassen wollten sich die Göppinger nicht - und brachten sich doch selbst um ihre gute Ausgangsposition. Sesum erwischte Nilsson vor dessen erfolglosen Wurf neben das Tor im Gesicht. Allerdings sah das Unparteiischen-Gespann in Jacob Bagersted den Übeltäter und verbannte diesen für zwei Minuten auf die Bank. Der FAG-Neuzugang kommentierte dies mit einer abfälligen Handbewegung und einem breiten Grinsen. Die Folge: Es gab noch einmal zwei Minuten Nachschlag.

 

Und dieses Mal sollten die "Zebras" aus der Überzahl Kapital schlagen - wenn auch mit Zeitverzögerung. Wolff, inzwischen für Landin zwischen den Kieler Pfosten, parierte einen Schiller-Siebenmeter, vorne machte der immer immer stärker auftrumpfende Vujin das 20:17. Wolff schnappte sich einen Pfahl-Wurf, Vujin bediente Rene Toft Hansen, der spektakulär im Flug zum 21:17 einnetzte. Und als der serbische Linkshänder beim nächsten Angriff auch Wiencek mustergültig anspielte, war mit dem 22:17 eine Vorentscheidung gefallen. Denn fortan sollte auch der Kieler Angriff den Gegner in Schach halten - und das in Person von Vujin. Der jagte eine Unterarm-Fackel mit 103 km/h ins Netz, agierte sicher vom Siebenmeterstrich und glänzte weiter als Anspieler. Fünf Minuten vor dem Ende traf Zarabec zum 25:20 - und wäre da nicht die "Leeres-Tor-Allergie" der Kieler gewesen, die im Pfostentreffer von Rahmel und in Wolffs völlig verunglücktem Wurf Meter neben das Tor gipfelte, der Vorsprung hätte zu diesem Zeitpunkt noch höher ausfallen können. So aber blieb es beim Fünf-Tore-Abstand, den Rune Dahmke mit seinem Treffer zum 28:23 finalisierte. Zwei wichtige Punkte in der DKB Handball-Bundesliga waren unter Dach und Fach.

 

Für die "Zebras" geht es direkt am Sonntag weiter - mit nichts weniger als dem 94. Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt! Das erste Landes-Duell der Spielzeit wird um 18:30 Uhr in der Sparkassen-Arena angepfiffen, noch gibt es einige Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Online-Ticketshop des THW Kiel. THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg wünscht sich für das prickelnde Derby in der VELUX EHF Champions League wieder den Dresscode "Weiß": "Wir spielen in Weiß, wenn unsere Fans auch in Weiß kommen, bilden wir eine starke Einheit. Wir wollen das Derby zusammen mit unseren Fans, unserer 'weißen Wand' gewinnen - wir sehen uns in der Arena!" Weiter geht's, Kiel!

 

THW-Trainer Alfred Gislason: Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. Unsere Abwehr stand heute sehr gut gegen lange Angriffe von Frisch Auf Göppingen, die von ihr viel Geduld erforderten. Die Torhüterleistung hat uns auch sehr geholfen. Im Angriff hatten wir in den ersten 20 Minuten und nach der Pause zu viel Unsicherheit drin. Man konnte bemerken, dass Steffen Weinhold nach seinem fantastischen Spiel in Veszprem ein wenig müde war. Ich freue mich besonders über die Leistung von Marko Vujin, der heute torgefährlich war und sehr gut mit den Kreisläufern zusammenspielte. Wir haben verdient gewonnen.

FAG-Trainer Dr. Rolf Brack: Wir hatten vor der Halbzeit eine schwache Phase. Hinzu kam dann beim Stand von 19:17 die Zeitstrafe gegen Bagersted, der dann wegen eines Grinsens noch einmal zwei Minuten obendrauf bekam. In dieser Phase wurde das Spiel entschieden. Insgesamt neun Zweiminuten-Strafen waren zu viel, um gegen Kiel dranbleiben zu können. Hinzu kam unser Rückraum, der zu wenig Torgefahr ausgestrahlt hat und dem mit Jens Schöngarth heute auch eine Alternative fehlte. Es ging heute um die Weiterentwicklung: Wir hatten eine ordentlich bis gute Torwartleistung, die Achse Richtung Kreis hat funktioniert. Ich habe hier schon ganz andere Ergebnisse kassiert, deshalb kann ich mit dem heutigen Resultat leben. Wir haben einen Schritt weiter gemacht.

THW Kiel: Landin (1.-43., 7 Paraden), Wolff (43.-60., 6/1 Paraden); Firnhaber (n.e.), Toft Hansen (1), Weinhold (2), Dissinger, Wiencek (3), Ekberg (2/1), Zeitz (n.e.), Frend Öfors (n.e.), Rahmel, Dahmke (3), Zarabec (3), Vujin (5/1), Bilyk (4), Nilsson (5); Trainer: Gislason

Frisch Auf Göppingen: Rebmann (1.-60., 11/1 Paraden), Prost (n.e.); Kneule (2), Ritterbach, Damgaard (2), Bagersted (2), Sesum (2), Fontaine, Urban (3), Schiller (6/4), Pfahl, Kozina (5); Trainer: Dr. Brack

 

Text: THW Kiel

Bild: Klahn

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