13.04.2018  DKB Handball-Bundesliga

Freude in Stuttgart, Frust in Gummersbach

Es war das Spiel des Abends: Der VfL Gummersbach empfing den TVB 1898 Stuttgart vor heimischen Publikum. Zu dem Zeitpunkt war der Klassenerhalt für beide Mannschaften noch in der Schwebe. Den Zuschauern bot sich was sie erwarteten: Kampf, Emotionen und Leidenschaft pur. Am Ende durfte Stuttgart jubeln, in Gummersbach hingen die Köpfe.

Die Enttäuschung ist den Gummersbacher Spielern nach Ertönen der Schlusssire in der SCHWALBE arena mehr als deutlich anzusehen. Nach einer dramatischen Schlussphase muss sich der VfL vor 3.112 Zuschauern in den letzten Spielsekunden gegen den TVB 1898 Stuttgart mit 25:26 (15:14) geschlagen geben. Am 28. Spieltag der Handball Bundesliga präsentiert sich das Team von Trainer Denis Bahtijarevic am Donnerstagabend in den ersten 25 Minuten dominant und überzeugend, ehe die Gäste aus dem Süden die Spielkontrolle übernehmen und schlussendlich die Punkte einfahren. Nach einem zaghaften Beginn beider Mannschaften war es der VfL, der in Person von Spielmacher Josef Pujol in der 4. Minute den ersten Treffer der Partie zum 1:0 erzielte und damit den Startschuss für eine starke Anfangsphase der Gummersbacher gab. In der Abwehr präsentierte sich der VfL gleich hellwach, so beispielsweise in der 6. Minute, als Tobias Schröter aufmerksam einen Pass der Stuttgarter abfing und den Gegenstoß einleitete, den Stanislav Zhukov zum 3:1 einnetzte. Dank der Variabilität im Angriffsspiel und einer geringen Fehlerquote erspielten sich die Oberbergischen schnell einen komfortablen Vorsprung heraus. Beim 10:5 (16. Minute) durch Moritz Preuß nach präzisem Anspiel von Pujol ging der VfL zum ersten Mal mit fünf Toren in Front.

Insbesondere die Unberechenbarkeit im Angriff, wo die Gummersbacher aus allen Positionen ins Stuttgarter Tor trafen, erwies sich als auch in den folgenden Minuten als Schlüsselfaktor, als der VfL seinen Vorsprung bis zum 15:10 in der 25. Minute durch Florian Baumgärtner konstant hielt. Dies sollte allerdings lange Zeit der letzte Treffer der Hausherren sein. Immer besser kam der TVB in der Schlussphase der ersten Halbzeit in Schuss, während die Gummersbacher sich Nachlässigkeiten im Abwehrverbund erlaubten. Der VfL verfiel zunehmend in Hektik und brachte sich durch vier Gegentore in den letzten fünf Minuten um den verdienten Lohn, nämlich eine deutlich höhere Führung als das 15:14, das nach 30 Minuten auf der Anzeigetafel zu lesen war. In die zweite Halbzeit startete der VfL nach einem Torhüterwechsel mit Matthias Puhle, der fulminant gleich vier Stuttgarter Torwürfe hintereinander parierte (31. bis 35. Minute). Seine Vorderleute konnten allerdings selbst keinen Profit daraus schlagen, so dass der VfL in der 36. Minute doch den 15:15-Ausgleich durch Stefan Salger hinnehmen musste. Erst zwei Minuten später schloss Schröter nach halbzeitübergreifend 13 torlosen Minuten wieder erfolgreich zum 16:15 für die Gummersbacher ab, denen das kontrollierte Spiel der ersten 25 Minuten entglitten war. Von dem flüssigen Kombinationsspiel zu Beginn der Partie blieb der VfL auch in der Folge deutlich entfernt. Hinten konnte sich die Abwehr auf den sensationellen Puhle verlassen, vorne leistete sich die Offensivabteilung, insbesondere der VfL-Rückraum, zu viele Fahrkarten. In der 45. Minute verlor Pujol vorne den Ball und Sascha Pfattheicher brachte die Gummersbacher erstmalig mit drei Treffern in Rückstand (17:20, 45. Minute).

Auch wenn dem VfL die Leichtigkeit des eigenen Spiels abhanden gekommen war, versuchten sie sich in der Schlussviertelstunde noch einmal ins Spiel zurückzubeißen. Als Alexander Becker in der 50. Minute der Anschlusstreffer zum 21:22 glückte, befreiten sich die Gummersbacher endgültig aus ihrer Lethargie und heizten die Stimmung vor heimischem Publikum noch einmal ein. Trotz weiterhin unglücklicher Abschlüsse und Ballverluste erarbeiteten sich die Oberbergischen eine spannende Schlussphase. Zwei Treffer von außen durch Schröter (57. und 58. Minute), der neben Keeper Puhle der beste Mann auf Gummersbacher Seiten war, brachten den 24:24-Ausgleich und die Halle stand Kopf. Nach erneutem Einstand durch Pujol in der 59. Minute zum 25:25 hatten die Stuttgarter jedoch das bessere Ende für sich und erzielten neun Sekunden vor Schluss den Siegtreffer. Mit 25:26 endete eine verrückte Partie, in der bis zum Schluss alles möglich war.

Trotz fünf Toren Vorsprung konnte der VfL gegen den unmittelbaren Konkurrenten zu Hause nicht punkten. Nach dem Spielverlauf ist die Heimniederlage gegen den TVB 1898 Stuttgart umso brutaler einzuordnen. Die Stuttgarter brachten damit vier Punkte Abstand zwischen sich und den VfL Gummersbach, der in der Tabelle wieder den Blick nach unten richten muss. Mit vier Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz hat der VfL weiterhin ein Polster zu verbuchen, ist aber sicher in den kommenden Wochen gefordert zu punkten.

 Quelle: VfL Gummersbach

VfL Gummersbach: Lichtlein, Puhle; Schröter (4), Baumgärtner (4), Matic, Sommer (2/1), Pujol (6), Koepp (2/1), Timm, Zhukov (3), von Gruchalla, Becker (2), Preuß (2), Feuchtmann.

TVB 1898 Stuttgart: Maier, Sdunek; Schimmelbauer (1), Markotic (2), Salger (1), Weiß (8), Schagen (1), Schweikardt (3), Späth (1), Kraus (2), Baumgarten (4), Kretschmer, Orlowski, Röthlisberger, Pfattheicher (3).

Foto: Potthoff

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