30.12.2017  DKB Handball-Bundesliga

Spieler des Monats Dezember: Die Kandidaten - presented by LeoVegas Sport

Besinnliche Adventszeit? Nicht in der DKB Handball-Bundesliga. In der stärksten Liga der Welt ging es zum Ende der Hinrunde mit Vollgas zur Sache - und vier Stars schossen geradezu durch die Decke. Das sind die Kandidaten bei der Wahl zum "Spieler des Monats Dezember".

Patrick Wiencek (THW Kiel)

Keine Frage: Die erste Saisonhälfte lief überhaupt nicht nach dem Geschmack des THW Kiel. Schon früh gingen unerwartet viele Punkte verloren, die Mannschaft wackelte bedenklich - bis der Fels in der Brandung endlich zu seiner Form fand. Und nach fünf Siegen aus fünf Spielen im Dezember ist der Anschluss an die Spitze auf einmal wieder hergestellt.

Nationalspieler Patrick Wiencek ist die Lebensversicherung des THW, der Turm in der Schlacht. Der Kreisläufer langt in der Deckung kompromisslos zu und wird im Saisonverlauf auch im Angriff immer effektiver. Der 2,01-Meter-Koloss kehrte nach seinem Kreuzbandriss aus dem Herbst 2015 noch stärker zurück als je zuvor und befindet sich derzeit wohl in der besten Form seines Lebens. Jeder, der sich Wiencek in den Weg stellt, weiß: Das wird weh tun.

Das sagt der Experte:

Henning Fritz: "Mit dem THW Kiel ist, zumindest im Kampf um die Champions-League-Plätze, auf jeden Fall wieder zu rechnen. Sie wirken wieder gefestigter. Daran hat Wiencek einen großen Anteil. Er verleiht der Abwehr Stabilität, reißt seine Mitspieler mit. Hoffentlich kann er diese Qualitäten nicht nur weiter beim THW einbringen, sondern auch bei der EM für die Nationalmannschaft."

Wienceks Monat in Zahlen:

Spiele: 5
Tore: 22
Tore pro Spiel: 4,4
Blocks: 7
Wurfquote: 93,8 %

Die Statistiken belegen es eindeutig: "Bam Bam" kommt in Fahrt - und damit auch der THW. Im Dezember blieb der Rekordmeister in fünf Spielen ungeschlagen, gewann dazu nicht nur das Nord-Derby gegen Flensburg in der Liga, sondern zuvor auch in der Champions League. Der Lohn zum Jahresende: Platz 5 und nur noch fünf Punkte Rückstand auf die Spitze. Wiencek ist die Schlüsselfigur der Zebras: Endlich schafft er es, die Deckung zusammenzuhalten - kein Gegner erzielte im Dezember mehr als 30 Tore gegen den THW. Und auch im Angriff agiert der Nationalspieler eiskalt. Bei 22 Toren leistete sich der Kreisläufer über den gesamten Monat gerade einmal zwei (!!!) Fehlwürfe. Pure Effizienz.

Wienceks Sternstunde:

Spätestens im Derby gegen Flensburg platzte Wienceks Knoten endgültig: sechs Würfe, sechs Tore, ein Block und nur eine Zeitstrafe. So liest sich ein perfektes Spiel für einen Kreisläufer. Die SG konnte dank des Zerstörers Wiencek die Schlagzahl der Zebras einfach nicht mitgehen - und das in eigener Halle. Am Ende stand ein 35:27 (19:16)-Auswärtssieg, der für den THW eine klare Initialzündung für den Rest der Saison war.

Casper Mortensen (TSV Hannover-Burgdorf)

Casper Mortensen wird zum Stammgast bei der Wahl zum "Spieler des Monats" in der DKB Handball-Bundesliga. Und mit was? Mit Recht! Schon im Oktober und November zählte der dänische Olympiasieger zu den Kandidaten, landete einmal auf Platz drei und einmal auf Platz zwei. Am Hannoveraner Linksaußen führt aber auch einfach kein Weg vorbei: Er trifft und trifft und trifft - und die Recken siegen und siegen und siegen. Im Dezember blieb das Überraschungsteam der Liga gänzlich ungeschlagen. Und Mortensen baute mit nun mehr 133 Toren seine Führung in der Torjägerliste weiter aus.

Das sagt der Experte:

Henning Fritz: "Hannover hat sich so richtig in der Spitzengruppe der DKB HBL festgesetzt. Dafür braucht man Tore - und das übernimmt Mortensen bravourös. Er führt nach der Hinrunde die Torschützenliste der stärksten Liga der Welt an. Wer das schafft, ist Weltklasse."

Mortensens Monat in Zahlen:

Spiele: 5
Tore: 43
Tore pro Spiel: 8,6
Steals: 3
Wurfquote: 79,8 %

8,6 Tore pro Spiel in einem Monat? Das ist der absolute Topwert bei der Wahl zum "Spieler des Monats" in der DKB Handball-Bundesliga. Hannovers Tormaschine glüht. Dank Mortensen warfen die Recken in keinem Spiel im Dezember weniger als 27 Tore - auch nicht beim 27:27 zum Jahresabschluss gegen die knüppelharte Deckung der SG Flensburg-Handewitt. Doch der Däne trifft nicht so häufig, weil er sich einfach jeden Wurf nimmt. Seine Abschlussquote ist auch einfach sagenhaft. 79,8 Prozent im Dezember und 76,4 Prozent über die gesamte Saison hinweg. Da kann in der stärksten Liga der Welt nur noch Gudjon Valur Sigurdsson von den Rhein-Neckar Löwen mithalten.

Mortensens Sternstunde:

Wenn man ehrlich ist, ist jedes Spiel des dänischen Goalgetters ein Genuss. Da wäre zum Beispiel die 13-Tore-Gala gegen Hüttenberg zu nennen. Gegen den TBV Lemgo lieferte Mortensen aber sein Meisterstück ab. Der Meister von 1997 und 2003 verlangte den Recken alles ab, lag zur Halbzeit sogar mit 13:11 in Führung. Doch dann kam der eiskalte Däne: sechs verwandelte Strafwürfe, drei Tore aus dem Feld, zwei Steals und kein einziger Fehlwurf. Mortensen drehte auf - und Hannover das Spiel (27:25).

Christoffer Rambo (GWD Minden)

Abstiegskampf? Für GWD Minden in dieser Saison ein Fremdwort. Der Traditionsverein sammelt Punkt um Punkt - und Rückraum-Shooter Christoffer Rambo Tor um Tor. Vielleicht fliegt der 1,98-Meter-Schlacks bei manchem Handball-Fan etwas unter dem Radar. Dann sollte er sich die Spiele von GWD Minden aber noch einmal genauer ansehen. Der Norweger gehört zu den gefährlichsten Linkshändern der Liga, seine Wurfkraft ist angsteinflößend. Tore aus zehn oder elf Metern Torentfernung gehören für Rambo zu den einfacheren Übungen. Fast selbstverständlich, dass er mit 76 Saisontoren Mindens bislang gefährlichster Goalgetter ist.

Das sagt der Experte:

Henning Fritz: "Rambo hat, wie eigentlich die gesamte Mannschaft in Minden, riesiges Potenzial. Er ist auf jeden Fall ein Faktor dafür, dass sich GWD von Abstiegsplätzen entfernt hat. Wenn er mit Dampf aus dem Rückraum in Wurfposition kommt, ist er eine echte Waffe. Jetzt muss er nur noch konstanter in seinen Leistungen werden, seine Fehler minimieren."

Rambos Monat in Zahlen:

Spiele: 5
Tore: 32
Tore pro Spiel: 6,4
Assists: 15
Wurfquote: 48,2 %

Rambo ist der klassische Shooter. Bringen ihn seine Kollegen, vor allem Mindens genialer Spielmacher Dalibor Doder, mit Geschwindigkeit in die richtige Wurfposition, wächst kein Gras mehr. Allerdings hat der Norweger auch ein Auge für seine Mitspieler. Durchschnittlich drei Assists pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Allein die Wurfauswahl könnte der Linkshänder noch etwas verbessern. Nur gut jeder zweite Abschluss ist erfolgreich. Mindens Angriff lebt aber auch davon, dass Rambo die gegnerische Deckung ständig in Alarmbereitschaft hält. Trainer Frank Carstens will also, dass er sich viele Würfe nimmt.

Rambos Sternstunde:

Wie auch immer Rambo Weihnachten verbracht hat, die Festtage scheinen ihm Superkräfte verliehen zu haben. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen Wetzlar zeigte der Norweger seine beste Leistung im GWD-Trikot: Zwölf Tore, drei Assists, drei Steals - und gerade einmal fünf Fahrtkarten. Rambo nahm das Spiel von Beginn an in die eigene Hand und gab es nicht mehr her. Auf seine Geschosse fanden die Hessen keine Antwort, Minden tütete zum Jahresabschluss mit 26:24 die nächsten zwei Punkte ein.

Gudjon Valur Sigurdsson (Rhein-Neckar Löwen)

38 Jahre und kein bisschen müde. Gudjon Valur Sigurdsson ist der Dauerläufer der Rhein-Neckar Löwen auf dem linken Flügel. Kein anderer kombiniert Athletik und Erfahrung so wie der Isländer. Seit seiner Rückkehr zu den Löwen 2016 ist er der absolute Erfolgsgarant. Auch dank seiner Verlässlichkeit verteidigten die Mannheimer ihren Titel in der stärksten Liga der Welt im Vorjahr unangefochten - und liegen auch in dieser Saison schon wieder auf Kurs. Durch sechs Siege in Folge zum Jahresendspurt sicherten sich die Löwen schon wieder die Herbstmeisterschaft.

Das sagt der Experte:

Andreas Thiel: "Sigurdsson ist unverwüstlich. Er ordnet dem Erfolg der Mannschaft alles unter, ist ein Vorbild für ganze Handballer-Generationen - und natürlich auch für seine jungen Mitspieler bei den Rhein-Neckar Löwen. Für mich ist er eine ganz wichtige Schlüsselfigur für den aktuellen Erfolg der Löwen."

Sigurdssons Monat in Zahlen:

Spiele: 4
Tore: 33
Tore pro Spiel: 8,25
Assists: 4
Wurfquote: 77,44 %

Der Linksaußen ist auch im gehobenen Handballer-Alter eine unaufhaltsame Tormaschine. 8,25 Tore pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Bei seinen Abschlüssen legt der Isländer seine ganze Erfahrung von 22 Profijahren in die Waagschale: Kein Linksaußen in der DKB Handball-Bundesliga hat eine bessere Trefferquote als Sigurdsson. Auf seinen Routinier auf der Außenbahn kann sich Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen blind verlassen.

Sigurdssons Sternstunde:

Wenn man ehrlich ist, hatte der Skandinavier im Dezember zwei Sternstunden, und zwar in den beiden Spitzenspielen der Löwen gegen die Füchse Berlin und die SG Flensburg-Handewitt. Beim 37:23-Kantersieg über die Füchse war Sigurdsson mit zehn Toren Topscorer traf sieben Mal aus dem Feld und drei Strafwürfe. Ungemein wichtiger waren seine Qualitäten aber im Krimi gegen Flensburg. Im nächsten direkten Duell um die Tabellenführung legte der Isländer neun (6/3) Tore nach, leistete sich aber anders als gegen Berlin nur eine einzige Fahrkarte. Dass er auch im Duell mit der SG bester Torschütze des Tages war, ist schon fast selbstverständlich.

Fotos: Metge, Klahn, Binder

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