24.01.2017  Handball Weltmeisterschaft

Dominiks WM-Tagebuch (7): Der Weg der Bad Boys ist noch nicht zu Ende

Unser WM-Experte Dominik Klein kommentiert das Geschehen bei der Handball-Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich. In dieser Ausgabe spricht er über das bittere Ausscheiden der Bad Boys, blickt aber positiv in die Zukunft.

Liebe Handball-Fans,

 

über das Achtelfinal-Aus der deutschen Mannschaft wurde in den letzten Stunden schon unglaublich viel gesprochen, alle möglichen Kleinigkeiten analysiert. Man könnte natürlich noch viel über die entscheidenden Szenen diskutieren, aber ich möchte lieber ein anderes Thema hervorheben: Gegen Katar hat man gemerkt, dass sich die Bad Boys im mentalen Bereich noch weiterentwickeln können – im absoluten Spitzensport spielt der Kopf am Ende eben oft die ausschlaggebende Rolle.

In solchen K.o.-Spielen muss man im Kopf voll auf der Höhe sein. Vielleicht wäre es ratsam, einen externen Spezialisten dafür ins Team zu holen, der die Spieler mental unterstützt und auch dem Trainerteam Feedback geben kann. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hilfreich so ein persönlicher Coach sein kann, der dich auf bestimmte schwierige Situationen vorbereitet und mit dem du schon im Vorfeld mögliche Fallstricke besprechen kannst.

Die Ausgangslage vor dem Achtelfinale war für die Spieler sicher keine einfache: Die Bad Boys waren der klare Favorit. Doch mit dieser Rolle muss man umgehen können, man muss sie aktiv annehmen wollen. Natürlich sind Handballspieler keine Maschinen, aber ich glaube, eine solche umfassende Vorbereitung ist schon ein Zeichen von höchster Professionalität.

Eine Bilanz zum deutschen Abschneiden bei dieser WM zu ziehen, fällt mir ehrlich gesagt schwer. Ich hatte mich so darauf gefreut, die Jungs in Paris anzufeuern, mit ihnen mit zu fiebern und die WM-Stimmung in Paris aufzusaugen. Doch das ganze Spiel lief nie wirklich so, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Natürlich ist das frühe Ausscheiden nun für alle eine große Enttäuschung, die sich nicht weg diskutieren lässt. Auch ich persönlich war nach dem Spiel richtig geknickt.

Am gemeinsamen Weg hat dieser Rückschlag in Frankreich aber nichts geändert: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird ihre Weltklasse bei den kommenden Turnieren sicher wieder unter Beweis stellen und dem EM-Gold und Olympia-Bronze weiteres Edelmetall folgen lassen – ob das unter dem neuen Bundestrainer dann weiter unter dem Motto der „Bad Boys“ passiert oder er eine neue Philosophie einbringen wird, wird sich zeigen. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Viele Grüße aus Nantes,

Euer „Mini“

 

Dominik Klein, 33, ist der WM-Experte der DKB Handball-Bundesliga. Seit dem Sommer 2016 spielt der Linksaußen für den französischen Spitzenklub HBC Nantes und kennt sich damit im Land des Gastgebers bestens aus. Zuvor war Klein für den TV Großwallstadt (2002-03, 2005-06), die SG Wallau-Massenheim (2003-2005) und den THW Kiel (2006-16) in der DKB Handball-Bundesliga aktiv und  avancierte zum absoluten Publikumsliebling. Seine Trophäensammlung ist rekordverdächtig: Mit den Zebras aus Kiel wurde Klein acht Mal Deutscher Meister, sechs Mal DHB-Pokalsieger und gewann drei Mal die EHF Champions League. Dazu kommen fünf Erfolge im Super Cup ein Titel bei der Klub-WM. Nicht minder beeindruckend ist Kleins Nationalmannschaftskarriere: In 187 Länderspielen erzielte der Rechtshänder 370 Treffer und holte den WM-Titel 2007 im eigenen Land.

Dominik Klein ist mit Isabell, der Spielführerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, verheiratet. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn. Aus seiner neuen Heimat Nantes wird „Mini“ regelmäßig in Kolumnen für die DKB Handball-Bundesliga über das WM-Geschehen berichten und als „Außenreporter“ interessante Einblicke ins Land des Gastgebers geben.

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