22.01.2017  Handball Weltmeisterschaft

Deutscher WM-Traum platzt gegen Katar

Schock für die deutsche Nationalmannschaft: Schon nach dem Achtelfinale ist die Handball-WM für die Bad Boys beendet. Angstgegner Katar ringt das DHB-Team 20:22 nieder und revanchiert sich für das Viertelfinal-Aus bei Olympia im Sommer.

Das Spiel in Kürze 

 

Die Anfangsminuten gehörten der deutschen Mannschaft. Kai Häfner eröffnete den Torreigen für das DHB-Team gleich im ersten Angriff, Patrick Groetzki legte wenig später per Gegenstoß zum 2:0 nach.

Aus einer stabilen und aggressiven Abwehr heraus zogen die Bad Boys von Beginn an ein konzentriertes Spiel auf. Andreas Wolff zeigte sich im Tor ein ums andere Mal hellwach, die Gegenstöße saßen und auch aus dem laufenden Spiel kam das DHB-Team zu seinen Chancen. Glanzpunkt der ersten zehn Minuten: Wolff entschärfte gleich den zweiten Strafwurf der Kataris sehenswert.

Nach 15 Minuten sah sich Bundestrainer Dagur Sigurdsson allerdings gezwungen, die erste Auszeit im Spiel zu nehmen. Der deutsche Angriff war zwischenzeitlich ins Stocken geraten, es hatten sich einige Abspielfehler eingeschlichen und der Vize-Weltmeister war wieder bis auf 6:5 dran. Doch der Europameister konnte vorerst keinen Gang mehr zulegen, ganz im Gegenteil: Nach 20 Minuten glich Katar beim 7:7 sogar aus.

Es entwickelte sich ein Schlagabtausch auf Augenhöhe, geführt mit jeder Menge Härte und gekürt von überragenden Torhüterleistungen auf beiden Seiten. Katars Danijel Saric brachte es nach 30 Minuten auf 44 Prozent gehaltene Bälle, Wolff hielt mit einer atemberaubenden Quote von 60 Prozent dagegen und entschärfte dabei sogar noch zwei Strafwürfe.

Und Katar kam mit noch mehr Durchschlagskraft aus der Kabine: Wolff entschärfte zwar noch den ersten Strafwurf nach Wiederanpfiff, doch bei den nächsten beiden Abschlüssen hatte auch der überragende deutsche Schlussmann keine Chance und der Vize-Weltmeister schloss zum 11:11 auf, auch begünstigt von zunehmend vielen Abspielfehlern im deutschen Angriffsspiel.

Beim Kampf zurück ins Spiel wurde das deutsche Team dann vor allem von einem bärenstarken Andreas Wolff im Tor angetrieben. Der Kieler vernagelte seinen Kasten und in der Offensive stachen Paul Drux und Rückkehrer Holger Glandorf.

Doch eine 20:18-Führung nach 57 Minuten sollte nicht fürs Weiterkommen reichen. In der Schlussphase gab Katars Rückraum-Shooter Capote den Bad Boys den Rest: Drei Treffer in Folge des gebürtigen Kubaners zum 20:21 entschieden die Partie zu Gunsten des Vize-Weltmeisters.

 

 

Die Highlights

 

1. Minute: Häfner eröffnet den Torreigen
Wie schon im letzten Gruppenspiel gegen Kroatien verschwendet Kai Häfner keine Sekunde und erzielt den ersten deutschen Treffer zum 1:0.


6. Minute: Deutsches Abwehrbollwerk ist nicht zu knacken
Das DHB-Team mischt in der Deckung den schon aus den Vorrundenspielen bekannten Beton an: Katars gefährlichsten Schützen Rafael Capote nehmen Kai Häfner und Patrick Wiencek ganz früh aus dem Spiel und im Kasten ist Andreas Wolff in Topform, 6:2.


15. Minute: Katar schließt auf
Nach einer Viertelstunde leisten sich die Bad Boys die erste Schwächephase im Spiel, die Katar umgehend bestraft. Der Vize-Weltmeister schließt auf 6:5 auf, Sigurdsson nimmt die erste Auszeit.


20. Minute: Sigurdsson schickt seine Joker ins Rennen
Mit einem Doppelwechsel bringt der Bundestrainer die Nachnominierten Hendrik Pekeler und Holger Glandorf ins Spiel. Der Rhein-Neckar Löwen startet im Mittelblock gleich mit einem Block, der deutsche Gegenstoß bringt aber nichts ein.


21. Minute: Bad Boys verzweifeln an Saric
Die Abschlussquote der Bad Boys sinkt jetzt rapide in den Keller. Immer wieder finden die Deutschen ihren Meister in Katars Saric.


23. Minute: Wolff hält zweiten Strafwurf
Aber auch der deutsche Keeper sorgt für Highlights: Lemke kann den katarischen Mittelmann nicht stoppen und verursacht einen Strafwurf. Doch Wolff bügelt den Fehler wieder aus und hält seinen zweiten Siebenmeter.


30. Minute: Glandorfs erster Turniertreffer
In der engen Schlussphase der ersten Hälfte schlägt Holger Glandorf zum ersten Mal im Turnierverlauf zu und trifft zum 10:9-Halbzeitstand.


31. Minute: Siebenmeter-Killer Wolff
Nach dem Wiederanpfiff macht Wolff im deutschen Tor genau da weiter, wo er mit phänomenalen 60 Prozent gehaltener Bälle in der ersten Hälfte aufgehört hat, und entschäft seinen dritten von vier Strafwürfen.

40. Minute: Drux übernimmt Verantwortung
Kein Team kann sich absetzen, es entscheiden Kleinigkeiten - und in dieser Phase übernimmt der 21 Jahre alte Paul Drux die Verantwortung und steuert zwei Treffer in Folge zum 13:11 bei. 

44. Minute: DHB-Team in doppelter Unterzahl
Die nächste ganz schwierige Phase für die Bad Boys: Nach zwei Zeitstrafen müssen sie in Unterzahl agieren. Saric zielt aufs leere Tor, das Wolff für einen zusätzlichen Feldspieler geräumt hatte, doch der überragende Keeper kommt aus dem Nichts angeflogen und entschärft. 

55. Minute: Glandorf dreht auf
Routinier Glandorf wird jetzt ganz wichtig. Wie man es von ihm kennt, tankt er sich kraftvoll durch die Abwehr und trifft zum 20:18.

58. Minute: Capote nicht zu stoppen
Katars Capote stemmt sich gegen die drohende Niederlage - und wie: Der gebürtige Kubaner legt drei Treffer in Folge hin. Die deutsche Mannschaft kommt im Angriff nicht mehr zum Zug. Nicht zu fassen, der WM-Schock ist perfekt.

Spieler der Partie

 

Dieses WM-Achtelfinale von Andreas Wolff war außerirdisch. Der deutsche Keeper hatte für beinahe jede Aufgabe, die ihm die katarischen Angreifer stellten, eine Lösung. Am Ende hielt der Kieler 48 Prozent der Würfe auf sein Tor und entschärfte dabei drei Strafwürfe. Doch diese Weltklasse-Leistung sollte nicht ausreichen, um die zahlreichen technischen Fehler im deutschen Spiel zu kompensieren.

  

Zahlen, Daten, Fakten

 

Deutschland – Katar 20:22 (10:9)
Heinevetter, Wolff – Gensheimer, Lemke, Wiencek (2), Glandorf (4), Reichmann, Fäth (3), Pekeler, Groetzki (4), Häfner (3), Kühn (1), Ernst, Pieczkowski, Kohlbacher (1), Drux (2) für Deutschland // Saric (1), Al-Abdulla – Mabrouk, Alsaltikalkrad, Roine (4), Capote (9), Al-Karbi, Murad, Abdelhak, Alrayes (1), Alsafadi, Sinen, Mallash (2), Madadi (1), Ali (3), Hassaballa (1) für Katar
Zuschauer: 10.209 (AccorHotels Arena, Paris)
Schiedsrichter: Gatelis/Mazeika (Litauen)

Finn Lemke und Steffen Fäth absolvierten im WM-Achtelfinale ihr 50. Länderspiel im DHB-Trikot. Andreas Wolff überragte mit einer Quote von 48 Prozent gehaltener Würfe. Patrick Groetzki war mit vier Treffern erfolgreichster Torschütze der deutschen Mannschaft.

 

So geht es für die Teams weiter

 

Das DHB-Team muss völlig überraschend seine Koffer packen, der WM-Traum ist in nur einem Spiel zerplatzt. Für Katar geht es weiter ins Viertelfinale, wo die starken Slowenen warten. 

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