01.03.2018  2. Handball-Bundesliga

Nils Kretschmer: Handball-Profi und Instagrammer

Im Interview schätzt HC-Elbflorenz-Profi Nils Kretschmer die bisherige Saison in Dresden ein und gibt Einblick in seine Social-Media-Welt.

Nils Kretschmer ärgert mit Aufsteiger HC Elbflorenz regelmäßig die Großen der 2. Handball-Bundesliga. Zuletzt rangen die Dresdner in der 2017 fertig gestellten Ballsport Arena Absteiger HBW Balingen-Weilstetten nieder.

Der Rückraumspieler, der aus einer Handballer-Familie stammt – auch Vater Holger war Handball-Profi, Bruder Finn spielt mit TVB Stuttgart in der DKB Handball-Bundesliga – steht aber nicht nur aufgrund der Erfolge mit dem HC Elbflorenz in der Öffentlichkeit, er ist auch ein erfolgreicher Instagram-Blogger. 44.000 User folgen dem 25-Jährigen auf seinem Kanal, auf dem Handball überhaupt keine Rolle spielt.

Im Interview schätzt der Rechtshänder dementsprechend nicht nur die bisherige Saison in Dresden ein, sondern gibt auch Einblick in seine Social-Media-Welt.

Herr Kretschmer, Sie tragen seit 2015 das Trikot des HC Elbflorenz, verließen den TVB Stuttgart ausgerechnet nach der Aufstiegssaison. Warum?

Nils Kretschmer: In Bittenfeld hatte ich nicht mehr die nötigen Spielanteile, um mich weiterzuentwickeln. Das Projekt in Dresden war dagegen sehr interessant: Neue Spieler, neue Halle, neue Strukturen. Der Verein wollte noch professioneller werden. Viele andere Neuverpflichtungen kannte ich schon aus früheren Stationen.  Natürlich habe ich überlegt, ob der Schritt zurück in die 3. Liga wirklich das Richtige ist, aber das Gesamtbild stimmte für mich. Dass dann in der Saison 2015/16 der Aufstieg knapp verpasst wurde, war für alle ein kleiner Dämpfer. Aber gleich im Jahr darauf haben wir es ja besser gemacht, spielen jetzt eine gute Rolle in der 2. Liga. Deshalb bin ich sehr glücklich darüber, dass ich im letzten Jahr meinen Vertrag in Dresden verlängert habe.

Ist die 2. Liga für Dresden immer noch ein großes Abenteuer?

Nils Kretschmer: Die 2. Liga war auf jeden Fall für alle neu: Für den Trainer, für die meisten Spieler, für den gesamten Verein. Das merkt man bestimmt in manchen Situationen. Wir mussten uns im Ganzen erst an das Niveau in der 2. Handball-Bundesliga gewöhnen. Wir haben im letzten Jahr in der 3. Liga 20 Spiele in Folge gewonnen. Jetzt weht ein anderer Wind. Aber ich denke wir schlagen uns als Aufsteiger ordentlich. Es wäre in der Hinrunde auch noch mehr drin gewesen. Gerade gegen die direkten Konkurrenten haben wir ein oder zwei Spiele unnötig abgegeben. Das wollen wir in der Rückrunde unbedingt ändern. Und das Sahnehäubchen ist es dann natürlich, auch einmal Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte zu ärgern. Das ist uns zuletzt gegen Balingen und Lübeck-Schwartau ja schon ganz gut gelungen.

17.02.2018 -

Der HC Elbflorenz und der VfL Lübeck-Schwartau trennen sich unentschieden

Die starke Anfangsphase machte für Fans des HC Hoffnung auf einen Überraschungssieg. Doch die Lübecker bewiesen Kampfgeist und präsentierten sich in der Endphase der zweiten Halbzeit deutlich besser in der Defensive. Nach einem spannenden Fight trennten sich die Teams schließlich mit 25:25-Unentschieden.

In der neu geschaffenen Ballsport Arena ist der HC Elbflorenz eine Macht, auswärts tut sich Ihre Mannschaft dagegen noch sehr schwer. Warum?

Nils Kretschmer: Das stimmt, drei Punkte auswärts sind zu wenig. Irgendwie haben wir in dieser Hinsicht zwei Gesichter, ich weiß auch nicht genau, woran das liegt. Wir gehen die Auswärtsspiele auf keinen Fall anders an, sind weniger motiviert oder konzentriert. Aber zu Hause vor den eigenen Fans tun wir uns offensichtlich leichter. Die Auswärtsschwäche wollen wir für den Rest der Saison unbedingt ablegen, zumal einige Auswärtsspiele bei direkten Konkurrenten auf uns warten, bei denen wir auf jeden Fall punkten wollen.

Das Saisonziel lautet nach wie vor: Klassenerhalt – und zwar so früh wie möglich?

Nils Kretschmer: Genau. Wir wollen erst gar nicht unter den Strich rutschen. Die letzten drei Spiele gegen Lübeck-Schwartau, Bietigheim und Balingen waren heftig, da hätten wir durchgereicht werden können, aber das haben wir mit drei Punkten ganz gut gemeistert. Jetzt gilt es, gegen die direkten Konkurrenten gute Auftritte abzuliefern, um Idealfall so schnell wie möglich frei von Abstiegssorgen zu sein.

Themawechsel: Sie sind sehr aktiv auf Instagram, 44.000 User haben Ihren Kanal abboniert. Wie haben Sie das soziale Medium für sich entdeckt?

Nils Kretschmer: Ich habe Instagram ehrlichgesagt über meine Ex-Freundin kennengelernt. Sie war dort schon immer ein bisschen aktiver. Und irgendwann ist es ein Hobby von uns beiden geworden. Eigentlich hatte ich nie vor, das Bloggen professioneller zu betreiben. Ich hatte ursprünglich nur einen privaten Account, auf dem ich Fotos von allem Möglichen hochgeladen habe: Handball, Privates, Freunde, Urlaub. Vor zwei Jahren habe ich mir dann aber doch ein Business-Profil erstellt. Und seitdem wächst die Abonenntenzahl (lacht).

Handball findet auf Ihrem Kanal inzwischen gar nicht mehr statt.

Nils Kretschmer: Nein, es geht vor allem um Mode. Es ist eben ein Hobby von mir, mich mit den neuesten Mode-Trends zu beschäftigen. Und diese Trends zeige ich auf meinem Profil, probiere damit vielleicht auch anderen zu helfen, wenn sie noch nicht den richtigen Style für sich gefunden haben. Mein Fokus liegt klar auf Street-Style, man wird mich auf Instagram nie in einem Anzug sehen, auch wenn ein entsprechendes Mode-Label vielleicht einmal auf mich zukommt. Das passt aber einfach nicht zu mir und ich möchte meinen Kanal so authentisch wie möglich halten. Mein Markenzeichen, wenn man so will, sind eher zerrissene Hosen. Ich trage im realen Leben zwar auch komplette Hosen (lacht), aber ich finde diesen Style einfach cool. Das gibt dem ganzen Outfit ein kleines Highlight.

Wie professionell betreiben Sie das Bloggen? Sehen Sie Instagram als zweites Standbein neben dem Handball?

Nils Kretschmer: Natürlich steckt hinter meinem Instagram-Profil ein wenig Arbeit: Outfit zusammenstellen, Location finden und vor allem die Bilder bearbeiten. Ich setze mich auch grundsätzlich mit den sozialen Medien auseinander, versuche den besten Zeitpunkt für einen Post herauszufinden. Ich beschäftige mich aber bei Weitem nicht genug mit der Thematik, dass das Bloggen ein zweites Standbein für mich werden könnte, und ich weiß auch gar nicht, ob ich das will. Der Spaß steht noch klar im Vordergrund. Die Fotos machen Freunde, die Foto-Ideen entstehen meistens sehr spontan. Denn auch wenn Social-Media-Marketing ein interessantes Thema ist, das für viele Unternehmen immer attraktiver wird, und sich meine Aktivität auf Instagram inzwischen auch ein wenig finanziell auszahlt, liegt meine Priorität noch immer ganz klar auf dem Handball und auf meinem Studium.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Mode-Labels aus, die gerne auf Ihrem Instagram-Account auftauchen würden?

Nils Kretschmer: Ich plane und manage meinen Kanal komplett eigenständig und habe auch keine dauerhaften Partner. Die Anfragen kommen immer flexibel, mal mehr, mal weniger. Die Unternehmen kontaktieren mich einfach und vereinbaren ein gewisses Paket an Postings mit mir, weil sie sich davon erhoffen, direkt ihre Zielgruppe anzusprechen. Mir folgen nur Menschen, die sich auch wirklich für Street-Style und Mode interessieren. Bei einer TV-Werbung wären die Streuverluste für die Marken viel größer.

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