18.04.2018  2. Handball-Bundesliga

Jansen und Schröder im Doppelinterview zum HSV-Aufstieg

Nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist der Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga das erste große sportliche Glanzlicht des neu formierten Handball Sport Verein Hamburg. Im Doppelinterview verraten Chef-Trainer Torsten Jansen und Kapitän Stefan Schröder, die mit dem HSV gemeinsam die deutsche Meisterschaft (2011), die Champions League (2013) und zweimal den DHB-Pokal gewannen (2006 und 2010), u.a. wie sie das Niveau der 2. Handball-Bundesliga einschätzen.

Herr Jansen, Herr Schröder, herzlichen Glückwunsch zu Meisterschaft und Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga. Wie hat es im zweiten Anlauf geklappt mit der Rückkehr in den Profi-Handball?

Torsten Jansen: Wir haben uns vor der Saison schon vorgenommen, um den Aufstieg mitzuspielen. Dass jetzt aber schon drei Spieltage vor Schluss alles klar, damit hat keiner gerechnet. Denn unser direkter Verfolger Altenholz hat ebenso eine sehr gute Mannschaft und hat uns das Leben lange schwer gemacht. Zum Schluss hat aber vielleicht unsere Konstanz den Ausschlag gegeben, so konnten wir von ein paar Ausrutschern der Konkurrenz profitieren.

Stefan Schröder: Wir hatten mannschaftsintern das eine große Ziel vor Augen. Das hat sich wie ein roter Faden durch die Saison gezogen. In jedem Training, in jedem Spiel hat man den Fokus gemerkt. Keiner hat nach links oder rechts geschaut, sondern immer nur nach vorne. Auch der ein oder andere Rückschlag, wie die Niederlage gegen Altenholz zu Saisonbeginn, hat keinen aus der Bahn geworfen. Das hat uns eher noch mehr motiviert. Dementsprechend war das Endergebnis, über das wir jetzt sprechen, auch in seiner Deutlichkeit, denke ich, verdient.

War der Aufstieg ein Muss in Hamburg?

Jansen: Wir wollten uns vor allem so schnell wie möglich in der Spitzengruppe etablieren und haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir gerne aufsteigen würden. In seiner so starken und ausgeglichenen Liga ist das aber beileibe keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht zu einem so frühen Zeitpunkt.

Schröder: Natürlich hatten wir als Mannschaft ein klar definiertes Ziel. Aber wir wollten uns nie so unter Druck setzen, dass der Aufstieg ein absolutes Muss sei. Diese Erwartungshaltung haben schon eher andere an uns herangetragen.

Jetzt heißt die nächste Station: 2. Handball-Bundesliga. Wie schätzen Sie das Niveau der Liga ein?

Jansen: Das ist noch einmal ein riesengroßer Schritt. Wenn wir in dieser Liga eine Chance haben wollen, müssen wir uns weiterentwickeln, die nächsten Prozentpunkte, auch im mentalen Bereich, drauf packen. Es geht in der 2. Liga unglaublich knapp zu, jeder kann jeden schlagen. Fast die halbe Liga spielte in dieser Saison lange Zeit gegen den Abstieg. Im vorderen Drittel rechnen sich dagegen viele starke Mannschaften Aufstiegschancen aus. Vor dieser Liga habe ich gehörigen Respekt.

Schröder: Natürlich habe ich die Saison in der 2. Liga verfolgt. Es tummeln sich dort ja noch genug alte Mannschaftskollegen. Es ist keine Frage, dass das eine ganz andere Nummer wird als die 3. Liga. Wir haben vor allem in der Vorbereitung ein paar Mal gegen Zweitligisten gespielt und haben eigentlich immer ganz gut ausgesehen. Im DHB-Pokal mussten wir uns dem ASV Hamm-Westfalen erst nach der Verlängerung beugen. Diese Ergebnisse darf man aber natürlich nicht überbewerten. Allein, wenn man sieht, welche Vereine aktuell im Abstiegskampf der 2. Liga stecken, weiß man, wie stark die Liga ist. Dazu kommen mit dem TV Großwallstadt und dem TuS Ferndorf, der in der 3. Liga keinen einzigen Punkt abgegeben hat, weitere Brocken dazu.

Welche Rolle will der Handball Sport Vereine Hamburg in der 2. Handball-Bundesliga spielen?

Schröder: Klassischerweise zählen die Aufsteiger in einer neuen Liga ja immer zu den Abstiegskandidaten. Und auch wenn sich viele Gegner vielleicht noch an die Vergangenheit in Hamburg erinnern, müssen wir uns unser Ansehen in der 2. Liga erst einmal erarbeiten. Wir sind aber schon gekommen, um zu bleiben, das steht außer Frage. Wir wollen unserer großen Fangemeinde weiter den bestmöglichen Handball anbieten.

Jansen: Wir werden in jedem Spiel Alles geben müssen, dürfen uns nie ausruhen. Wenn auch nur Kleinigkeiten nicht stimmen, gehen die Punkte mit großer Wahrscheinlichkeit an die Gegner.

Stichpunkt Fangemeinde: Durchschnittlich kommen rund 3000 Fans zu den Heimspielen – das ist außerhalb der DKB Handball-Bundesliga einzigartig. Wird die Kulisse auch in der 2. Handball-Bundesliga das große Hamburger Pfund?

Schröder: Dass so viele Fans unter der Saison in der 3. Liga in die Halle strömen, ist schon ein großartiges Gefühl. Die Rekordspiele zu Weihnachten 2016 und 2017 vor fast 9000 Zuschauern waren dann natürlich die i-Tüpfelchen. So eine Atmosphäre erlebt mancher Erstligaspieler nicht. Eine solche Kulisse ist einfach beeindruckend, pusht jeden Spieler nochmal extra - auch wenn wir in dieser Saison auswärts tatsächlich mehr Punkte geholt haben als zu Hause. Das lag aber sicher nicht an den Fans, sondern vielleicht eher daran, dass das Auswärtsspiel in Hamburg in der 3. Liga für jede Mannschaft das Spiel des Jahres war, das nochmal zusätzliche Energie frei setzte.

Jansen: Vielleicht konnten wir manchmal mit dem Druck nicht ganz umgehen oder wollten es zu gut machen und haben unser eigentliches Leistungsvermögen dann nicht ganz aufs Parkett gebracht.

Also wird die Zuschauerzahl vielleicht sogar zum Bumerang?

Schröder: Auf keinen Fall. Wir hatten zwischendurch auch schon eine Heimserie mit 25 Spielen ohne Niederlage. Eine volle Halle im Rücken zu haben, ist immer ein Vorteil. Deswegen hoffen wir, dass das Zuschauerinteresse auch in der 2. Liga wieder mindestens so hoch ist wie in den vergangenen zwei Jahren.

Jansen: Natürlich wollen wir in der 2. Liga zusehen, dass wir gerade in den Heimspielen unsere Punkte holen. Auswärts wird es immer umso schwerer. Aber ich bin da ganz zuversichtlich.

Noch ein Themawechsel zum Schluss: Am 5. und 6. Mai steht das REWE Final Four im DHB-Pokal in der Barclaycard Arena auf dem Programm. Das nächste Highlight neben dem sportlichen Erfolg des Handball Sport Vereins Hamburgs für Handball-Fans an der Elbe?

Jansen: Definitiv. Die Veranstaltung ist eine tolle Sache für die Stadt und unseren gesamten Sport. Es ist immer schön, wenn Hamburg ein Wochenende lang sportlich im Mittelpunkt steht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Handball Sport Verein Hamburg e.V.

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