22.02.2018  2. Handball-Bundesliga

Hagen-Coach Pfannenschmidt: "Der Verein hat die Ruhe bewahrt"

Hagens Trainer Niels Pfannenschmidt spricht im Interview über den sportlichen Aufwärtstrend, die Perspektive beim VfL und seine Ex-Klubs.

Wer hätte das nach dem verheerenden Saisonstart mit sieben Niederlagen in Folge gedacht: 15 Spieltage später ist der VfL Eintracht Hagen der beste Aufsteiger in der 2. Handball-Bundesliga, liegt nach drei Siegen in Serie sogar auf dem zweiten Platz in der Rückrundentabelle.

Einer der aktuellen Erfolgsgaranten ist zweifellos Trainer Niels Pfannenschmidt, der das Team vor einem Jahr in der 3. Liga übernahm und direkt in die 2. Handball-Bundesliga führte. Im Interview spricht der 43-Jährige über die Gründe für den sportlichen Aufschwung, zeigt die Perspektive in Hagen auf und nimmt seine Ex-Klubs TBV Lemgo und ASV Hamm-Westfalen unter die Lupe.

Herr Pfannenschmidt, der VfL Eintracht Hagen gehört aktuell zu den formstärksten Teams der 2. Handball-Bundesliga, liegt in der Rückrunden-Tabelle auf dem zweiten Platz. Wie lässt sich dieser Aufwärtstrend erklären?

Niels Pfannenschmidt: Dazu muss ich ein bisschen weiter ausholen: Wir haben die Mannschaft in der Sommerpause verändert, verjüngt. Bis in dieser neuen Konstellation alles zusammenpasst, bedarf es einer gewissen Zeit. Dann spielte uns zum Saisonauftakt auch der Spielplan nicht gerade in die Karten. Wir sind gleich zu Beginn auf die Top 7 der Liga getroffen. Es war uns im Vorfeld durchaus klar, dass man diese Spiele auch verlieren kann. Und so ist es tatsächlich gekommen. Wir sind mit 0:14 Punkten gestartet. Das war schon ein Dämpfer. Aber es war gut, dass der Verein die Ruhe bewahrt hat. Denn dann kamen die Gegner, die schlagbar waren. Wir haben durchgängig gut trainiert, die Stimmung in der Mannschaft war immer gut – und dann hat ein Entwicklungsprozess eingesetzt. Die Abläufe wurden immer gefestigter. In der Winterpause konnten wir auch noch einmal Kleinigkeiten verändern. Als Konsequenz springen am Ende eben solche  Ergebnisse wie in den drei Rückrundenspielen gegen Gegner wie Emsdetten, Balingen und Nordhorn heraus, gegen die wir in der Hinserie zum Teil sogar recht deutlich verloren haben.

Noch einmal zurück zum holprigen Auftakt: Wie hart waren diese ersten Wochen in der neuen Liga? Haben Sie zu zweifeln begonnen?

Pfannenschmidt: Das war schon eine schwierige Zeit. Aber man muss sehen, dass man die Stimmung weiter hoch hält. In der Mannschaft gab es eigentlich nie Probleme. Das Miteinander war immer gut, dieser Zusammenhalt zeichnet uns auch aus. Aber das Umfeld kann in so einer Negativ-Phase ja durchaus einmal dazu neigen, jeden Stein umzudrehen und letztlich den Trainer in Frage zu stellen. Das war in Hagen nicht so. Es herrschte immer Verständnis dafür, dass wir uns in einem Prozess befinden. Es blieb ruhig. Das ist das Wichtigste, um aus so einer Negativ-Spirale wieder heraus zu kommen. Natürlich wussten wir, dass wir nach sieben Niederlagen in Folge gegen die Mannschaften auf Augenhöhe endlich punkten müssen. Und das haben wir geschafft. Vor allem zu Hause haben wir immer wieder gute Spiele abgeliefert und gegen direkte Konkurrenten gewonnen. Und spätestens mit dem Sieg zum Jahresabschluss gegen Emsdetten hat man gemerkt, dass wir in der Entwicklung wirklich einen Schritt nach vorne gemacht haben und auch Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte schlagen können. Das tut dem Selbstvertrauen natürlich gut.

17.02.2018 -

Dem VfL Eintracht Hagen gelang der Überraschungssieg

Sie waren nicht mit der Favoritenrolle in diese Partie gestartet und doch feierte der VfL schließlich vor heimischen Publikum den Sieg. Die Gäste der HSG Nordhorn-Lingen waren auf dem Papier klar Favorit, doch die Mannschaft um Heiner Bültmann kam weniger gut ins Spiel, zeigte Lücken in der Offensive und ließ die Punkte deshalb liegen.

Gab es ein Schlüssel-Erlebnis, in dem es den viel besagten „Klick“ gemacht hat, und Sie das Gefühl hatten: Jetzt ist die Mannschaft in der neuen Liga angekommen?

Pfannenschmidt: Wenn, dann war das gleich das erste Spiel, das wir gewonnen haben, gegen Neuss. Das ist ja schon eine Art Derby für uns. Wir sind zusammen aufgestiegen, konnten die Vikings in der 3. Liga aber nie schlagen. Das war schon ein sehr wichtiges Spiel für uns. Wir standen unter Druck, mussten gewinnen, und haben das durch einen Kraftakt zu Hause auch geschafft. Das war durchaus ein Fingerzeig dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Seitdem steht unsere Bilanz bei 18:12 Punkten. Das ist für uns als Aufsteiger schon beachtlich.

Hagens sportliches Saisonziel lautet dennoch Klassenerhalt. Aber wohin soll es perspektivisch mit dem VfL gehen?

Pfannenschmidt: Ganz klar, wir wollen erst einmal die Klasse halten, und das im Idealfall möglichst früh, damit wir Planungssicherheit haben. Wir haben uns jetzt einen gewissen Abstand zu den Abstiegsplätzen erspielt, aber gesichert sind wir noch lange nicht. Wir müssen weiter punkten, um auch rechnerisch alles klar zu machen – das ist das große Ziel für diese Saison. Darüber hinaus wollen wir in den nächsten Jahren aber auch mit dem ganzen Verein einen Schritt nach vorne machen. Perspektivisch wollen wir schon weg kommen aus der Abstiegszone, in Richtung gesichertes oder oberes Mittelfeld. Wir wollen uns peu a peu etablieren. Das muss man aber immer davon abhängig machen, wie sehr sich auch der Gesamtverein und das Umfeld weiter entwickelt. Die gesamte Struktur muss dafür mit wachsen und sich an die Bundesliga gewöhnen. Wir stecken also mitten in einem Entwicklungsprozess, bei dem der sportlich gute Lauf, den wir derzeit haben, nur helfen kann. Auf diesem Weg werden auch immer wieder Unwägbarkeiten auftreten. Aber auch in Wellentälern darf man das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren. Die Befürchtung habe ich in Hagen auch nicht.

Am Wochenende steht für den VfL die wahrscheinlich schwerste Aufgabe der gesamten Saison beim Bergischen HC an. Beeindruckt sie die Performance des BHC in dieser Spielzeit?

Pfannenschmidt: Der BHC pflügt wirklich durch die Liga. Das kommt aber auch nicht ganz überraschend. Sie haben eine unglaublich gute Mannschaft in der Breite, sind aber auch individuell besser als alle anderen. Das muss man anerkennen. Sebastian Hinze macht eine hervorragende Arbeit. Diese Mannschaft hat einfach Bundesliga-Niveau, ist noch stärker als letztes Jahr. Es wurden sehr gute Neuzugänge verpflichtet. Sie stehen zurecht dort oben, weil sie besser und konstanter sind als alle anderen Aufstiegskandidaten.

Sie werden dem BHC die Punkte trotzdem nicht kampflos überlassen.

Pfannenschmidt: Auf keinen Fall. Wir haben jetzt ein gewisses Niveau erreicht, mit dem wir jeden ärgern können. Für uns geht es um jeden Punkt. Auch in Solingen geht es um zwei Punkte, die für uns am Ende sehr wichtig sein könnten. Ich gehe grundsätzlich immer in ein Spiel, um es zu gewinnen. Ich weiß, dass es am Freitag unglaublich schwierig wird. Eigentlich ist der BHC auf jeder Position besser besetzt. Aber im Sport ist immer alles möglich. Damit, dass wir in Balingen gewinnen, hat auch keiner gerechnet. Warum sollte uns nicht auch in Solingen eine Überraschung gelingen? Wir gehen also voll und ganz optimistisch in das Spiel.

Sie selbst erleben in Hagen eine komplett neue Phase in Ihrer Trainerkarriere. Nach Stationen in der DKB Handball-Bundesliga in Lemgo und in der 2. Handball-Bundesliga beim ambitionierten ASV Hamm-Westfalen sind Sie in die 3. Liga nach Hagen gegangen und führen den Verein jetzt kontinuierlich nach oben. Was hat Sie vor einem Jahr davon überzeugt, diesen Schritt zu machen?

Pfannenschmidt: Die Vision im Verein, die mir die Verantwortlichen aufgezeigt haben, dass man hier etwas aufbauen, strukturell wachsen und sich sportlich etablieren will. Mir war wichtig, dass es einen guten Unterbau gibt, weil ich grundsätzlich ein Trainer bin, der viel mit jungen Spielern arbeitet und Spieler aus dem eigenen Verein in die Profi-Mannschaft integrieren will. Dieser Unterbau ist mit der A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft, einer B-Jugend und einer C-Jugend, die jeweils in der höchsten Klasse spielen, in Hagen auf jeden Fall vorhanden. Der Aufstieg in der Vorsaison war dann für das gesamte Projekt sehr wichtig. Und jetzt sind wir auch in der 2. Handball-Bundesliga auf einem guten Weg. Seit meinem Amtsantritt geht es eigentlich immer bergauf. So darf es gerne weitergehen.

Haben Sie ihre ehemaligen Klubs noch im Blick?

Pfannenschmidt:  Absolut, der Kontakt nach Lemgo und Hamm ist nie abgerissen. Als es letztes Jahr so eng für den TBV wurde, habe ich auch sehr mitgefiebert. Aber nach einigen schwierigen Jahren ist Lemgo in der DKB Handball-Bundesliga ja jetzt wieder total etabliert. Auch Hamm hat sich stabilisiert. Das hatte ich aber schon geahnt. Beim ASV herrscht grundsätzlich ein hohes Niveau und die Mannschaft hat sich super entwickelt. Kay (Rothenpieler, Anm. d. Red.) macht wirklich gute Arbeit. Und so sind sie jetzt drauf und dran, ein Wörtchen um den Aufstieg mitzureden. Ich würde es ihnen gönnen.

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