25.10.2018  2. Handball-Bundesliga

Eric Meinhardt (EHV Aue): "Der EHV Aue besteht nicht nur aus Eric Meinhardt"

76 Tore, 28 Assists - Eric Meinhardt spielt bislang eine überragende Saison in der 2. Handball-Bundesliga und ist nach zehn Spieltagen Top-Torjäger und Top-Scorer der gesamten Liga. Vier Mal stand Meinhardt bereits in der Mannschaft des Spieltags und wurde im September auch zum Spieler des Monats gewählt. Im Interview verrät er uns, dass er nach dieser Saison dem Leistungs-Handball seinen Rücken kehren wird.

Hallo Eric! Kann es sein, dass du gerade der Lieblingsteamkollege deiner Mitspieler bist?

Eric Meinhardt: (lacht) Das ist definitiv so, ja.

Mit deinen zahlreichen Nominierungen für die Mannschaft des Spieltags und Spieler des Monats musstest du doch bestimmt schon einige Kaltgetränke in die Kabine stellen.

Eric Meinhardt: (lacht) Das stimmt. Da haben sich die Jungs schon das ein oder andere Mal gefreut. Für den Spieler des Monats wollen sie aber auch etwas zum Essen sehen. 

Mal im Ernst: Was ist gerade mit dir los?

Eric Meinhardt: Wenn ich das wüsste. Zurzeit sind einfach alle Würfe von mir drin. Das ist wie verhext (lacht). Sogar meine Mitspieler wundern sich bereits. Aber ich nehme das natürlich gerne mit.

Du bist 33 Jahre alt, hattest letztes Jahr eine schwere Verletzung, die fast dein Karriereende bedeutete und führst jetzt nach zehn Spieltagen die Torschützenliste an. Kannst du das Ganze begreifen?

Eric Meinhardt: Nein. Da muss ich mich manchmal echt selber zwicken. Letztes Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich überhaupt noch einmal Handball spielen kann. Die Ärzte haben mir dann gesagt, dass alles gut verheilt ist und es kein Risiko darstellen sollte. Dann habe ich es wieder langsam probiert. Das lief gut und ich habe meinen Vertrag noch um ein Jahr verlängert. Seitdem läuft es bei mir. (lacht) Das ist manchmal schon ein bisschen unheimlich.

Du warst vier Mal in der Mannschaft des Spieltags und bist zum Spieler des Monats September gewählt worden. Was bedeutet dir das alles?

Eric Meinhardt: Das ist natürlich eine tolle Auszeichnung. Nicht nur für mich, sondern für die gesamte Mannschaft. Der EHV Aue besteht nicht nur aus Eric Meinhardt. Sonst würden wir nicht dastehen, wo wir jetzt stehen. Natürlich freue ich mich, dass es bei mir so gut läuft. Wichtiger ist aber, dass das Team am Ende ein Tor mehr geworfen hat als der Gegner.

Bist du in der Form deines Lebens?

Eric Meinhardt: (lacht) Die Frage habe ich in letzter Zeit oft gehört. Das muss ich ja fast bestätigen.

Du kannst auch sagen, dass du vor zehn Jahren besser drauf warst…

Eric Meinhardt: (lacht) Das kann sein, da war ich ja auch noch jung. Aber das weiß ich nicht mehr. Im Moment läuft es einfach gut und darüber freue ich mich.

In deiner bisher besten Saison hast du 166 Saisontore in 35 Spielen geworfen. Jetzt stehst du nach zehn Spielen schon bei 76 Treffern. Hat sich der Spielertyp Eric Meinhardt in den letzten Jahren verändert? Hast du eine neue Rolle?

Eric Meinhardt: Vom Spielertyp her habe ich mich denke ich nicht verändert. Was sich geändert hat, ist die Erfahrung. Da habe ich inzwischen einfach ein paar Jahre auf dem Buckel und kann gewisse Spielsituationen oder Torabschlüsse besser bewerten. Positiv kommt aber auch hinzu, dass ich inzwischen ein paar mehr Siebenmeter werfen darf als das früher der Fall war.

Bei unserem letzten Gespräch hast du die Beziehung zwischen dir und dem EHV Aue mit einer Ehe verglichen. Euer Ehevertrag läuft nach dieser Saison aus…

Eric Meinhardt: Der wird auch definitiv auslaufen. Das ist meine letzte Saison hier in Aue.

Du bist jetzt schon 17 Jahre in Aue. Kannst du dir überhaupt vorstellen, ein anderes Trikot überzuziehen?

Eric Meinhardt: Im Leistungssport-Handball sicherlich nicht. Aber dieses Kapitel ist für mich nach der Saison auch beendet.

Was machst du dann?

Eric Meinhardt: Ich habe diesen Sommer mein erstes Staatsexamen gemacht und beginne nächstes Jahr mein Referendariat in den Fächern Sport und Biologie.

Dann hörst du quasi auf dem Höhepunkt deiner Karriere auf?

Eric Meinhardt: (lacht) Wenn das so weiter läuft…

Kommen wir zurück zur Gegenwart: Der EHV Aue spielt seine 27. Saison in der 2. Handball-Bundesliga. Seit dem Wiederaufstieg vor sieben Jahren standet ihr nach zehn Spieltagen nur zwei Mal besser da.

Eric Meinhardt: Letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt hatten wir fünf Punkte weniger auf dem Konto. Das war schon ein Brett. Von dem guten Start in dieser Saison können wir uns aber recht wenig kaufen, wenn wir bis Weihnachten nichts mehr gewinnen. Wir sind froh, dass wir die Punkte haben. Die kann uns keiner mehr nehmen. Deshalb müssen wir das jetzt bis Weihnachten auch so durchziehen.

Es sind noch zehn Spieltage in diesem Kalenderjahr. Was ist euer Ziel?

Eric Meinhardt: Ein konkretes Ziel haben wir uns nicht gestellt. Wir sind in der Vergangenheit immer gut damit gefahren, wenn wir von Spiel zu Spiel geschaut haben. Das hört sich langweilig an, aber es steckt einfach viel Wahrheit drin. Gegen die Mannschaften, die sich in der gleichen Tabellenregion wie wir befinden, müssen wir aber punkten. Das ist klar.

Ihr seid gut gestartet und auch das Unentschieden gegen den ASV Hamm-Westfalen war so nicht zu erwarten. Kommt die Länderspielpause für euch zur Unzeit?

Eric Meinhardt: Das kann sein, muss aber nicht sein. Wir haben zwei Nationalspieler, die weg sind und wichtige Spiele mit ihren Nationalmannschaften bestreiten. Da müssen wir hoffen, dass die Zwei verletzungsfrei zurückkommen. Für den Rest der Mannschaft heißt es weiterzuarbeiten. Die bisherigen Gegner haben uns genug Baustellen in unserem Spiel aufgezeigt, die es zu beheben gilt.

Wie wichtig sind solche Pausen während der Saison? 

Eric Meinhardt: (lacht) Gerade für ältere Spieler wie mich zum Beispiel tut so eine Pause schon ganz gut.

Nach der Länderspielpause müsst ihr zum HBW Balingen-Weilstetten, die seit zwölf Heimspielen ohne Niederlage sind. Wie könnt ihr diese Serie reißen?

Eric Meinhardt: Dieser Schlachtplan wird noch ausgetüftelt. Wir sollten uns auf unsere Stärken besinnen: Wir haben ein gutes Umschaltspiel mit einem variablen Angriff. Wenn wir es hinbekommen auch eine kompakte Abwehr zu stellen, dann haben wir in Balingen ein richtiges Handballspiel vor uns.

Wo sehen wir den EHV Aue nach der Saison?

Eric Meinhardt: Hoffentlich weiterhin in der 2. Handball-Bundesliga.

Danke für das Gespräch.

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