04.04.2019  2. Handball-Bundesliga

Paul Kaletsch (HSG Konstanz) im 2 HBL-Interview der Woche: "Das werden mit die geilsten Spiele der Karriere"

In der vergangenen Saison wurde Paul Kaletsch mit 251 Treffern viertbester Torschütze der 2. Handball-Bundesliga. Trotz des Abstiegs und zahlreicher Angebote blieb der Rückraum-Shooter der HSG Konstanz treu und ging mit ihr in die dritte Liga. Im 2 HBL-Interview der Woche spricht Kaletsch mit uns über die Anpassungsprobleme in Liga Drei und über den großen Traum vom Wiederaufstieg.

Hallo Paul, Glückwunsch zur Meisterschaft in der 3. Liga Süd. Habt ihr gut gefeiert?

Paul Kaletsch: (Lacht) Das haben wir, absolut! Nach dem Spiel haben wir relativ spontan mit den Fans in der Halle gefeiert. Das ging schon sehr lange. Danach haben wir gar nicht wirklich geschlafen und sind morgens um sechs Uhr zusammen frühstücken gegangen, bis unser Trainer uns zu sich in seinen Garten eingeladen hat. So ging das dann bis Sonntagabend. Das war schon super. Das Schöne daran ist, dass wir ja vielleicht noch mal so eine Feier vor uns haben (lacht wieder).

Ihr seid mit gerade einmal acht Minuspunkten Meister geworden. Davon sind vier Minuspunkte aus den ersten vier Spielen der Saison. Beschreibe uns doch mal diese unglaubliche Saison von euch.

Paul Kaletsch: Nach den zwei Niederlagen in den ersten vier Saisonspielen waren wir uns überhaupt nicht sicher, in welche Richtung das geht. Dann haben wir uns aber in einen Rausch gespielt und ein Spiel nach dem anderen gewonnen. Das Selbstbewusstsein kam zurück, wurde mit jedem Sieg größer und so haben wir auch knappe Spiele für uns entscheiden können. Das hat denke ich auch noch mal dem ein oder anderen gezeigt, dass wir in dieser Liga nach ganz oben gehören. Aufgrund unserer Serie hatten wir uns dann einen Vorsprung aufgebaut, der am Ende doch relativ beruhigend war.

Nach der zweiten Saisonniederlage am vierten Spieltag gegen Pfullingen habt ihr eine Serie von 15 siegreichen Spielen gehabt. Gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Paul Kaletsch: Das Spiel in Kornwestheim war schon ein Schlüsselmoment. Wenn du knapp mit einem Tor beim amtierenden Meister gewinnst, dann gibt dir das immer einen Push. Bei diesem Spiel war auch zum ersten Mal ein kompletter Fanbus von uns dabei. Seitdem sind uns die Fans zu jedem Auswärtsspiel gefolgt, auch wenn die Anreise länger war und der Gegner unattraktiver. Die Mannschaft und Fans sind nach dem Spiel in Kornwestheim eine noch engere Einheit geworden.

Du bist mit aktuell 202 Toren bester Werfer der Liga.

Paul Kaletsch: Das stimmt. Bei unserem ersten Aufstieg 2016 bin ich damals Zweiter in der Torjägerliste geworden. Damals musste ich mir von meinen Kumpels den ein oder anderen Spruch anhören, dass es „nur“ Platz Zwei geworden ist. Mein Ziel war es, dieses Jahr der Liga und unserem Spiel meinen Stempel aufzudrücken. Da hatte ich Bock drauf. Ich wusste, ich gehe als viertbester Torschütze der letzten Zweitligasaison in die dritte Liga. Da wollte ich unbedingt den Grundstein für unser großes Ziel legen.

Vor ein paar Wochen hast du dein 1000. Tor für die HSG Konstanz geworfen. Eine beeindruckende Statistik.

Paul Kaletsch: Das ist eine sehr schöne Erinnerung, die ich immer in meinem Kopf behalten werde. Das war ein besonderer Moment. Ich hatte nach dem Tor echt kurz Gänsehaut, als die ganze Halle für mich applaudiert hat. Da bin ich sehr stolz darauf. Mehr aber auch nicht.

Du hast letztes Jahr trotz Abstieg deinen Vertrag bis 2020 verlängert. Gab es keine höherklassigen Angebote?

Paul Kaletsch: Doch, die Angebote gab es. Auch aus der Schweiz gab es Angebote. Aus rein sportlichen Gründen wäre ich nicht in Konstanz geblieben. Das kann ich so sagen. Bei mir haben private Gründe den Ausschlag für Konstanz gegeben. Meine Eltern wohnen direkt über der Grenze in der Schweiz, meine Freundin ist 2013 mit mir nach Konstanz gekommen und wir fühlen uns hier in der Region einfach sehr wohl. Ich kann mir gut vorstellen, hier auch über die Karriere hinaus sehr lange zu bleiben oder auch einmal hierher zurückzukehren.

Nach dem Abstieg aus der 2. Handball-Bundesliga in letztem Jahr habt ihr direkt den Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben.  

Paul Kaletsch: Haben wir. Und da haben wir uns wohl selbst etwas überschätzt. Viele haben vielleicht gedacht, die dritte Liga wird ein Selbstläufer, das wird schon von alleine laufen. Aber das war eben nicht der Fall. Mit den zwei Niederlagen am Anfang der Saison haben wir das zu spüren bekommen und mussten dieses Selbstverständnis schnell abschütteln, sonst wäre es eng geworden. 

Wie schwer war fiel es, sich nach dem Abstieg für so eine Aufgabe zu motivieren?

Paul Kaletsch: Um ehrlich zu sein, war das für mich sehr schwer. Ich habe wirklich eine Weile gebraucht, um das zu verarbeiten. Das hat sich bis in die ersten Spiele von der neuen Saison gezogen. Das hätte ich nicht gedacht.

Du bist 2013 zur HSG Konstanz gekommen. Wie hat sich der Verein seitdem entwickelt? 

Paul Kaletsch: Der Verein ist heute deutlich breiter aufgestellt als noch in meiner Anfangszeit. Zudem ist der Zuschauerzuspruch immer mehr gestiegen. Wir sind ein Verein, dessen Stärke die Kontinuität ist. Es war gut, dass wir nach dem Abstieg nicht in Aktionismus verfallen sind. Auch wenn der nächste Schritt jetzt sein muss, dass wir uns in der 2. Handball-Bundesliga dauerhaft etablieren.

Du bist damals als Landesligaspieler aus Hüttenberg gekommen, der ab und zu bei der ersten Mannschaft in der ersten und zweiten Liga mittrainiert hat. Wie siehst du deine Entwicklung?

Paul Kaletsch: Auf dem Papier ist die Entwicklung ein riesen Schritt. Allerdings war die dritte Liga bereits zu Landesligazeiten mein Ziel. Das war das Minimum, das später hätte rausspringen sollen. Dass sich das jetzt alles so entwickelt hat, ist natürlich ein Traum. Besser hätte es nicht laufen können.

2016 wurdet ihr bereits Meister und seid in die 2. Liga aufgestiegen. Gibt es Parallelen zu diesem Jahr?

Paul Kaletsch: Eher nicht. Das waren zwei unterschiedliche Saison. Damals hatten wir mit Leutershausen einen direkten Konkurrenten, der uns das Leben sehr lange schwer gemacht hat. Der fehlt uns in diesem Jahr. Auch mannschaftlich waren wir deutlich anders strukturiert. Wir waren nicht so breit aufgestellt wie dieses Jahr. Die einzige Parallele ist, dass wir in beiden Jahren eine sehr lange Siegesserie hatten und lange auf Platz Eins waren.

Dieses Jahr steigt ihr nicht direkt auf, sondern habt euch mit der Meisterschaft lediglich für die Aufstiegsspiele am 11. und 18. Mai qualifiziert. Wie schafft ihr es, die Konzentration jetzt noch sechs Wochen hochzuhalten?

Paul Kaletsch: Das ist eine spannende Frage. Ich glaube, wir können diese Wochejetzt erst einmal genießen und den Erfolg sacken lassen, nichtsdestotrotz wollen wirdie Konzentration wieder hochfahren und möglichst viele Spiele bis zu den Entscheidungsspielen gewinnen. Sich heute hinzustellen und zu sagen, ab jetzt liegt der volle Fokus auf Eisenach ist auch schwer und nicht machbar. Wir müssen einfach schauen, dass wir den Spaß hochhalten, ordentlich trainieren und vielleicht mal aus der Halle rauskommen. Das wird jetzt auch emotional eine krasse Zeit. Das werden für jeden einzelnen von uns mit die geilsten Spiele der Karriere.

Für euch geht es gegen den ThSV Eisenach, der seine Staffel ebenfalls extrem dominiert hat und mit euch letztes Jahr abgestiegen ist. Was stimmt euch zuversichtlich?

Paul Kaletsch: Der Glaube an uns selbst. Wir sind deutlich stabiler als zu Saisonbeginn und haben nur ganz selten diese klassischen zehn Minuten, in denen nichts zusammenläuft. Eisenach wird als Favorit in die Partien gehen. Das heißt, wir können befreit aufspielen. Mit dem Rückspiel bei uns in der Schänzle-Halle haben wir noch einen ganz großen Trumpf in der Hinterhand. Gemeinsam mit unserem Publikum können wir Eisenach knacken.

Vielen Dank für das Gespräch.

Foto: Pisa

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