07.03.2019  2. Handball-Bundesliga

Valentin Schmidt im 2 HBL-Interview der Woche: "Wir sind besser als der aktuelle Tabellenstand."

Valentin Schmidt war vor rund drei Wochen ein Teil des spektakulärsten Transferpakets der jüngeren Handball-Geschichte. Im 2 HBL-Interview der Woche spricht der Rückraumspieler über seine Vergangenheit bei der SG BBM Bietigheim, seine neue Aufgabe beim VfL Eintracht Hagen und Spieleabende mit Joscha Ritterbach.

Hallo Valle, was war denn das letzte Gesellschaftsspiel, das du gespielt hast?

Valentin Schmidt: Das letzte Gesellschaftsspiel war Monopoly.

Und hast du gewonnen?

Valentin Schmidt: (lacht) Monopoly spielen gehört zu einer meiner Stärken.

Joscha Ritterbach hat uns verraten, …

Valentin Schmidt: (lacht) Was auch immer er gesagt hat, es ist gelogen. 

Er hat gesagt, dass man mit dir keinen Spieleabend machen kann, weil du der schlimmste Mensch bei Gesellschaftsspielen bist.

Valentin Schmidt: (lacht) Da hat er tatsächlich nicht ganz Unrecht. Da kenne ich keine Freunde (lacht wieder). Da geht es um‘s Gewinnnen. Der letzte Spieleabend war tatsächlich mit Joscha und meinem Bruder. Die hatten keine Chance (lacht wieder).

Wie du siehst, hat uns Joscha ein paar Dinge über dich erzählt. Was gibt es denn Interessantes über ihn?

Valentin Schmidt: (lacht) Er ist der schlechteste PlayStation-Spieler der ganzen Welt. Vor allem bei FIFA, das kann er gar nicht. Joscha ist sehr ungeduldig, deshalb sind Brettspiele und Strategiespiele auch nicht so sein Ding. Aber ich möchte hier mal nicht so ins Detail gehen wie er (lacht).

Ihr kennt euch seit der B-Jugend und habt zusammen die ersten Schritte im Profi-Handball gemacht. Woher kommt die tiefe Freundschaft? 

Valentin Schmidt: Wir haben zusammen im Internat des TSV Bayer Dormagen gelebt und da macht man zusammen einfach viele Ups and Downs durch. Dabei haben wir uns am Anfang eigentlich gar nicht gut verstanden.

Warum habt ihr euch am Anfang nicht gut verstanden?

Valentin Schmidt: (lacht) Das frägst du Joscha lieber. Unser Verhältnis wurde aber nach und nach besser. Nach dem Internat haben wir zusammen in Lemgo gespielt und dann auch noch kurz beim ASV Hamm-Westfalen. Seitdem sind wir beste Freunde.

Mit wem verstehst du dich beim VfL Eintracht Hagen am besten?

Valentin Schmidt: Das kann ich nach drei Wochen schwer beurteilen. Daniel Mestrum kenne ich noch aus meiner Dormagener Zeit ganz gut. Aber die Jungs haben mich alle so gut aufgenommen. Da gibt es keinen Spieler, den ich jetzt besonders hervorheben könnte.

Auf dem Feld scheint Dragan Tubic dein bester Freund zu sein.

Valentin Schmidt: Mit Tuber verstehe ich mich super auf dem Feld. Wir sind handballerisch auf einer Wellenlänge. Das macht wirklich Spaß mit ihm zusammen zu spielen. Aber auch außerhalb der Halle ist er echt ein lustiger Typ.

Du warst Teil eines der spektakulärsten Transfer-Deals der jüngeren Handball-Geschichte. Beschreibe uns doch mal deine Sichtweise. 

Valentin Schmidt: Wahrscheinlich ist die echte Version sehr unglaubwürdig und langweilig, aber es ist wirklich so abgelaufen (lacht). Ich habe drei Tage vor Wechselfrist den Anruf von Pfanne (Nils Pfannenschmidt, Anm. d. Redaktion) bekommen und er hat mich gefragt, ob ich mir einen früheren Wechsel vorstellen könnte. Da musste ich nicht lange überlegen aber musste es noch mit Bietigheim abklären. Bastian Spahlinger (Geschäftsführer, SG BBM Bietigheim) war am Anfang natürlich nicht so begeistert, wollte mir aber auch keine Steine in den Weg legen und hat deshalb nach einem Nachfolger gesucht. Das war die Bedingung, dass der Wechsel zu Stande kommt. Zu dem Zeitpunkt hat aber niemand damit gerechnet, Mimi Kraus verpflichten zu können. Am Donnerstagabend kam er dann vor dem Training zu mir und hat mir gesagt, dass sie die mündliche Zusage von einem Spieler hätten und wir den Aufhebevertrag unterschreiben können. Da ist Bietigheim enorm ins Risiko gegangen, weil mit Mimi schriftlich noch nichts sicher war. Da bin ich Bastian und dem Verein sehr dankbar. Nach dem Training habe ich dann meine Tasche gepackt und bin dann Freitagmorgen um halb sieben ins Auto gestiegen und zum Auswärtsspiel nach Lübbecke gefahren.

Warum hast du dich entschieden, bereits im Winter zum VfL zu wechseln?

Valentin Schmidt: Ich hatte bereits einen Vertrag für die neue Saison unterschrieben. Es liegt mir viel daran, dass der VfL Eintracht Hagen auch nächstes Jahr in der 2. Handball-Bundesliga spielt. In Bietigheim hat Jonas Link eine überragende Hinrunde gespielt und meine Einsatzzeiten waren begrenzt. Als dann der Anruf aus Hagen kam, ob ich mir auch einen früheren Wechsel vorstellen könnte, war für mich klar, dass ich dort mehr gebraucht werde und dieser Verantwortung möchte ich mich stellen.

Ist ein Rückschritt für dich, jetzt wieder in der 2. Handball-Bundesliga zu spielen?

Valentin Schmidt: Das Wort Rückschritt ist für mich zu negativ behaftet. In der 2. Handball-Bundesliga wird auch ein super Handball gespielt. In der DKB Handball-Bundesliga ist der Handball ein bisschen schöner. Aber was die kämpferische Komponente angeht, geht es in der 2 HBL härter zu. Da gibt es viele Auswärtsfahrten, bei denen du einfach weißt: ‚Okay, da gibt’s jetzt Haue. Das wird weh tun.‘ Das wird in der DKB HBL mehr spielerisch gelöst.

In Bietigheim hast du dir den Traum als Leistungsträger in der DKB Handball-Bundesliga noch erfüllt. Wie behältst du die Zeit bei der SG BBM in Erinnerung?

Valentin Schmidt: Nur in sehr guter Erinnerung. Der Verein, das Umfeld, die Menschen werden mir sehr lange und sehr positiv in Erinnerung bleiben. Das war eine Wahnsinns-Zeit, die wir mit dem Aufstieg krönen konnten. Ich habe viele Freunde und auch sehr, sehr gute Freunde gefunden. Das war eine sehr schöne Zeit.

Durch deine Zeit in Bietigheim kennst du die 2. Handball-Bundesliga. Wie stark ist diese Liga?

Valentin Schmidt: Diese Liga ist brutal. Es gibt viele Mannschaften, die oben mitspielen können. Die einzige herausragende Mannschaft war bis zur Verletzung von Martin Strobel der HBW Balingen-Weilstetten. Jetzt haben die am letzten Spieltag aber auch nur glücklich einen Punkt in Ferndorf geholt. Nordhorn spielt auch einen verdammt guten Handball. Das mussten wir am eigenen Leib erfahren. Ich glaube, dass die HSG Nordhorn-Lingen den Aufstieg noch schaffen kann. Aber auch im Tabellenkeller ist es einfach nur brutal. Ich weiß gar nicht genau, wie viele Mannschaften im Abstiegskampf stecken, aber es sind einige. Bei fünf Absteigern in diesem Jahr ist das schon eine Nummer.

Nach drei Spielen in Hagen, wie fällt dein erstes Fazit aus?

Valentin Schmidt: Jeder weiß, dass die Mannschaft besser ist als der aktuelle Tabellenstand. Jeder weiß aber auch, dass wir in diesem Jahr noch keine Punkte holen konnten. Da haben wir uns alle mehr ausgerechnet. Gerade das Spiel gegen Rimpar war sehr frustierend. Wir haben das aber analysiert und abgehakt. Jetzt liegt der volle Fokus auf Wilhelmshaven.

In Bietigheim hast du immer um den Aufstieg gekämpft. Auf was kommt es nun im Abstiegskampf mit Hagen an?

Valentin Schmidt: Der wichtigste Faktor wird sein, dass wir auch in schlechten Phasen die Ruhe bewahren. Das klingt merkwürdig, aber wir dürfen uns von Niederlagen nicht nervös machen lassen. Um erfolgreich arbeiten zu können, brauchen wir Ruhe. Wir sind voll im Rennen und müssen einfach zusehen, dass wir die Punkte holen. 

Am Wochenende kommt es zum Kellerduell gegen den Wilhelmshavener HV. Pflichtsieg?

Valentin Schmidt: Klar! Das kann man auch nicht schönreden. Da geht es um alles! Das muss auch allen bewusst sein. Aber das darf uns keine Angst machen. Wir müssen voll fokussiert und mit Spaß an die Sache rangehen. Das sind die Spiele, in denen es um etwas geht und für die wir trainieren. Deshalb sind wir Sportler!

Was macht dich so zuversichtlich, dass ihr den Abstiegskampf meistert?          

Valentin Schmidt: Wir haben ein gutes Gesamtpaket und einen guten Trainer. Die Stimmung ist trotz der Tabellensituation nicht schlecht. Wir waren letzte Woche zusammen kegeln. Uns bedrückt die Situation nicht, denn wir wissen, dass wir nur an kleinen Stellschrauben drehen müssen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bild: Becker

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