05.05.2019  2. Handball-Bundesliga

Lübeck mit starker Leistung gegen Essen

Ein Spiel, das alle Zuschauer begeisterte. Der VfL Lübeck-Schwartau fuhr einen 31:26- Sieg gegen den TuSEM Essen ein und ließ die heimische „Hansehölle“ jubeln. Der VfL behauptet nach der couragierten Leistung seinen fünften Tabellenplatz, während Essen auf Rang sieben den Anschluss an die Top-Five der Liga verloren hat.

Gästetrainer Jaron Sievert war auf der Pressekonferenz anzumerken, dass er nicht zufrieden war. Sein Team war ambitioniert angereist, musste aber anerkennen, dass die Trauben für sie an diesem Tag etwas zu hoch hingen. Sein Fazit fiel entsprechend aus: „Glückwunsch an den VfL zum Sieg. Dem Spielverlauf wäre es vielleicht etwas gerechter geworden, wenn wir nur mit zwei oder drei Toren Differenz verloren hätten, aber der Sieg war total verdient. Wir waren gerade in der zweiten Halbzeit zweimal dran, aber die Schwartauer hatten eine höhere Effektivität und haben insgesamt weniger Fehler gemacht. Zudem haben sie das Torhüterduell gewonnen. Uns fehlte in diesem Spiel zweier sehr guten Mannschaften die letzte Konsequenz. Und das wurde gnadenlos bestraft. Für uns war mit dieser Leistung einfach nicht mehr drin.“ Dem mag an dieser Stelle nicht widersprochen werden.

Der VfL Lübeck-Schwartau begann das Spiel genau in der Art, in der er gegen Hagen aufgehört hatte: Aggressiv in der Deckung und variabel im Angriff. Marino Mallwitz, der den Vorzug vor Dennis Klockmann erhielt, brachte die Halle schon in den Anfangsminuten zum Brodeln: sein gehaltener 7-Meter und der entschärfter Nachwurf in der fünften Minute waren wie ein Aufputschmittel für die Ränge. Dass diese emotionale Atmosphäre eigentlich nie abbrach, war das Verdienst beider Mannschaften. Es entwickelte sich ein Spitzenduell (Fünfter gegen Siebter) auf allerhöchstem Niveau, in der Anfangsphase noch sehr ausgeglichen. In dieser ragte vor allem der Essener Lucas Firnhaber etwas heraus, der beim 6:6 (13.) bereits seinen vierten Treffer erzielte – am Ende war er mit sechs Toren erfolgreichster Werfer seiner Mannschaft.

Aber der VfL hatte in vielen Spielsituationen die etwas bessere Lösung. Die Angriffe wurden mit hohem Tempo gespielt, mal der Kreis, mal die Außen einbezogen, und wenn beides keine Option war, fand der Rückraum die Lücke in der (teilweise harten) Essener Deckung. Prädikat Spitzenklasse! Gerrit Claasen nach dem Spiel: „Das war ein Sieg, der der ganzen Mannschaft gehört. Zuvor allerdings ein Lob an Essen, das war eine tolle Leistung, die uns alles abverlangt hat. Insofern ist unsere Leistung vielleicht noch etwas höher zu bewerten, denn das war alles andere als ein Selbstgänger. Wir haben taktisch stark agiert und in den richtigen Momenten die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich kann und will hier allerdings niemanden speziell hervorheben. Wir haben als Team gut funktioniert und ich freue mich für meine Spieler.“

 

Beim Stand von 12:9 (20.) waren die Lübecker erstmals drei Tore vorn – ein Ergebnis der konsequenten Abwehr und einem starken Marino Mallwitz (am Ende acht Paraden), der neben einem weiteren 7-Meter den Essenern auch einige freie Würfe abkaufte. Diese Tordifferenz sollte bis zur Halbzeit Bestand haben (17:14). Das allerdings nur auf die Defensiv-Leistung zu schieben, wäre nur die halbe Wahrheit gewesen, denn neben der gewohnt guten Abwehr wusste der VfL auch im Positionsangriff und vor allem im Umschaltspiel zu gefallen. Und erfüllte so genau die Vorgaben des Trainergespanns: „Wir wollten uns nicht nur auf die Abwehr verlassen, sondern vor allem über schnell vorgetragene Angriffe, erster und zweiter Welle dem Gegner die Luft nehmen. Wir haben etwas offensiver gedeckt und konnten so schneller in den Gegenangriff kommen. Wir haben Essen fast mit den eigenen Waffen geschlagen.“ Höhepunkt dieser Spielweise war ein perfekt vorgetragener Tempogegenstoß, der nach dem Ballgewinn über Finn Kretschmer (mit sehenswertem Anspiel) bei Steffen Köhler landete, der wiederum nach einer gelungenen Täuschung Gästetorwart Sebastian Bliß nicht den Hauch einer Chance ließ. Das war auch etwas für Handball-Ästheten!

Essen versuchte in der zweiten Halbzeit alles, stellte die Abwehr erst auf 5:1, danach auf 3:3 um. Nichts half. Gerrit Claasen dazu: „Wir haben uns gut auf den Gegner vorbereitet, hatten auf alles eine Antwort: Als Essen offensiver gedeckt hat, haben wir beispielsweise für Antonio Metzner Janik Schrader gebracht, der den entstehenden Raum optimal genutzt hat. Ebenso hat Jonas Ottsen den bis dahin sehr guten Jan Schult ersetzt und konnte mit seiner Spielweise noch einmal ganz andere Akzente setzen.“

Am Ende nicht nur ein verdienter Sieg des Kollektivs, sondern auch wieder einmal beste Unterhaltung für die Fans. Wer dabei war, wird sicherlich wiederkommen. Vielleicht schon zum nächsten Heimspiel. Dazu muss man aber bereits im Besitz einer Eintrittskarte sein, denn: die Partie der Schwartauer gegen den HSV Handball am 24.05. in der Hansehalle (nach zwei Auswärtsspielen in Emsdetten und Großwallstadt) ist bereits ausverkauft!

Quelle: VfL Lübeck-Schwartau

Foto: Koenig

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