17.10.2018  DHB-Pokal

Titelverteidiger zittert sich ins Viertelfinale

Im Achtelfinale des DHB-Pokals muss sich der Bergische HC knapp den Rhein-Neckar Löwen geschlagen geben. 24:24 hatte es nach regulärer Spielzeit im Löwenduell gestanden. In der Verlängerung behielt der Titelverteidiger und Favorit die Nerven und rang den BHC vor ausverkaufter Kulisse in der Solinger Klingenhalle mit 32:29 nieder.

Die Chance auf die Sensation war da. Die Rhein-Neckar Löwen wirkten beeindruckt von der Klasse des Bergischen HC, von der Stimmung der 2.487 Fans, und von Christopher Rudeck zwischen den Pfosten. Der Torhüter lieferte seine zweite Glanzleistung in Folge ab und stand kurz davor, ein Pokalheld zu werden. Der 24-Jährige hielt und hielt und wird den Bergischen auch in den kommenden zwei Spielzeiten als starker Rückhalt erhalten bleiben, denn Rudeck verlängerte unter der Woche seinen im Sommer auslaufenden Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021. 

Es blieb eine Randnotiz eines dramatischen Handballabends, der aus BHC-Sicht schon sehr vielversprechend begann. Das Abwehr-Torhüter-Paket funktionierte hervorragend, doch es dauerte eine Weile, bis es auch im Abschluss gut lief. Gerade in den ersten Minuten verloren die Gastgeber den Ball oft ohne große Bedrängnis. Nach zehn Minuten stabilisierte sich die Mannschaft und arbeitete einen 11:8-Vorsprung heraus. Linus Arnesson, Maciej Majdzinski und Tomas Babak lieferten die entscheidenden Treffer.

Doch die Rhein-Neckar Löwen stellten um. Sie setzten auf den siebten Feldspieler und brachten Andreas Palicka zwischen die Pfosten. Der hielt mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr, und die neue taktische Marschroute zündete insbesondere kurz vor und nach der Pause. Einen 8:11-Rückstand drehte der Titelverteidiger zu einem 17:13-Vorsprung. Die Weichen schienen damit gestellt zu sein.

Angetrieben von einem unbändigen Siegeswillen und einer famosen Stimmung holten die Gastgeber dieses Defizit sogar gegen die Weltklasse-Mannschaft noch mal auf. Tomas Babak traf zum 16:18, Rudeck hielt, Jeffrey Boomhouwer brachte die Hausherren auf 17:18 per Gegenstoß heran. Es war wieder alles drin. Rafael Baena und zwei Mal Arnor Gunnarsson brachten ihre Farben wieder 20:19 in Front.

Die Partie stand nun auf Messers Schneide. Gleich vier Mal gelang dem Außenseiter wieder der Führungstreffer – durch Baena, Majdzinski, Arnesson und Gunnarsson per Siebenmeter. Einen erlösenden Zwei-Tore-Vorsprung schaffte der BHC aber nicht. Gunnarsson warf einmal über das gesamte Feld knapp neben das leere Tor. Genauso ärgerlich war die vergebene Chance von Boomhouwer, der frei vom Kreis an Palicka scheiterte. Auch Arnessons letzter Versuch landete in den Armen des gegnerischen Torhüters.

Weil Rudeck den finalen Wurf von Andy Schmid hielt, ging die Partie beim Stand von 24:24 in die Verlängerung. In der hatten die Bergischen schließlich das Nachsehen. Sie nutzten zu wenige ihrer Gelegenheiten, während der abgebrühte Favorit seine hereinmachte. Die vermeintlich kleinen Löwen hatten den großen einen überragenden Kampf geboten, wurden dafür aber nicht belohnt. Der Abend endete enttäuschend, allerdings hat der Bergische HC bewiesen, dass er sogar gegen eine Weltklasse-Mannschaft mithalten kann.

Stimmen zum Spiel

Nikolaj Jacobsen: „Es war wie erwartet ein harter Kampf. Sebastian und der BHC haben einen hervorragenden Job gemacht in der Liga und auch heute. Das ist ein hervorragender Aufsteiger mit einer kleinen, intimen Halle. Sie haben clever gespielt. Wir haben uns gut zurückgekämpft am Ende der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit hatten wir größere Probleme. Wir hatten erst das Gefühl, das Spiel im Griff zu haben. Bei 4:6 kommt Unruhe rein. Wir haben einige neue Spieler, die das so nicht kennen. Der BHC ist zurück. Zum Schluss entscheiden Kleinigkeiten, um das Spiel zum Glück für uns zu entscheiden. Es war eine sehr, sehr harte Arbeit. Und eine gute Moral.“

Sebastian Hinze: „Glückwunsch zum verdienten Sieg. Defensiv standen wir gut, aber am Anfang hat man gemerkt, dass was Besonderes in der Luft lag. Wir waren nervös, haben uns aber stabilisiert. Die Gegenstöße haben wir verworfen. Die Rhein-Neckar Löwen haben dann umgestellt, das haben wir nicht gelöst bekommen und den Rhythmus verloren. Wir kommen wieder rein und brechen es wieder auf. Es wird mega eng, das kann in beide Richtungen gehen. In der Verlängerung spielen wir gute Chancen raus, aber Palicka hält überragend. Ich kann den Jungs bis auf den Abschluss keinen Vorwurf machen.“

Jörg Föste: „Es ist ein glückliches Weiterkommen mit einem glücklichen Sieger, ob verdient oder nicht. Wir sind wahnsinnig enttäuscht. Wir haben alles in die Waagschale geworfen. Wir sind aber stolz, so einer Mannschaft Paroli geboten zu haben. Das Publikum war super.“

Statistiken zum Spiel

BERGISCHER HC  – RHEIN-NECKAR LÖWEN 29:32 (11:13, 24:24, 26:27)

BERGISCHER HC: Rudeck (1), Rutschmann – Boomhouwer (2), Kotrc, Bettin, Stutzke, Arnesson (7), Babak (4), Szücs, Darj (1), Baena (2), Nippes, Criciotoiu, Majdzinski (6), Gunnarsson (6/3), Fraatz. Trainer: Sebastian Hinze

RHEIN-NECKAR LÖWEN: Appelgren, Palicka (1) – Schmid (11/4), Lipovina, Sigurdsson, Radivojevic, Tollbring (3/1), Abutovic, Mensah Larsen (8), Fäth (1), Groetzki (2), Taleski, Guardiola, Petersson (3), Nielsen, Kohlbacher (3). Trainer: Nikolaj Jacobsen

SCHIEDSRICHTER: Ramesh und Suresh Thiyagarajah

SIEBENMETER: 3/3 – 5/6

ZEITSTRAFEN: 3 - 2 (Szücs (2), Darj – Mensah Larsen, Nielsen)

SPIELVERLAUF: 1:0 (5.), 3:4 (10.), 5:6 (15.), 7:6 (20.), 11:8 (25.), 11:13 (30.), 13:15 (35.), 15:18 (40.), 15:18 (45.), 21:21 (50.), 22:22 (55.), 24:24 (60.), 26:27 (65.), 29:32 (70.)

Quelle: Bergischer HC 06

Foto: Binder

Socialstream