27.11.2018  DHB-Pokal

Viertelfinale im DHB-Pokal: MT zu Gast bei den Zebras

Alles oder nichts, "Rewe Final Four" oder K.o.: Wenn der THW Kiel am Dienstag im DHB-Pokal auf die MT Melsungen trifft, werden beide Mannschaften sich über mindestens 60 Minuten einen erbitterten Kampf liefern. Denn es geht im Viertelfinale um nichts weniger als die Teilnahme am Finalturnier in der Hansestadt. "Das ist das größte Event im deutschen Handball", sagt Patrick Wiencek, "wir wollen unbedingt mit unseren Fans nach Hamburg. Dafür werden wir alles geben."

Emotionen und Leidenschaft werden dabei nicht nur auf dem Feld gefragt sein, denn die "Zebras" brauchen im dritten Spiel innerhalb von sechs Tagen die Kraft von den Rängen: "Wir und die Fans müssen Melsungen vom Eintreffen in der Arena bis zum Schlusspfiff zeigen, dass wir es sind, die nach Hamburg wollen. Die 'weiße Wand' kann uns helfen - und sie muss Druck auf den Gegner machen", fordert Kapitän Domagoj Duvnjak die Anhänger des Rekord-Pokalsiegers auf. Anwurf in der Sparkassen-Arena ist um 19 Uhr. 

 

Für die "Zebras" ist die Unterstützung von den Tribünen auch deshalb wichtig, weil die Vorbereitung auf den Pokal-Kracher, der nicht im Fernsehen und auch nicht im Online-Stream zu sehen sein wird, eher kurz ausfiel: Am Montagnachmittag kehrten die Kieler vom EHF-Cup-Auswärtstrip aus Drammen zurück, aus dem Mannschaftsbus ging es direkt in die Halle zum Abschlusstraining. "Das Viertelfinale wird ein richtiges Saison-Highlight", freut sich Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter des THW Kiel, trotzdem auf die Begegnung: "Es ist für uns das dritte Spiel in sechs Tagen, und wir alle wollen nach Hamburg zum ,REWE Final Four'. Unsere Mannschaft braucht am Dienstag jeden einzelnen THW-Fan und eine fantastische Kulisse, die uns in jeder Situation des Spiels hilft." Patrick Wiencek, der nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Leipzig wie viele andere Zebras und Trainer Alfred Gislason auch die 6.033 Kieler Fans für ihre "überragende Stimmung" gelobt hatte, macht klar: „Gemeinsam mit unseren Fans müssen wir die MT schlagen!" Wiencek erwartet ein enges, hitziges und spannendes Spiel. "Auch Melsungen weiß, was das ‚REWE Final Four‘ für ein geiles Handball-Fest ist.“ Das Heimspiel in der Bundesliga entschieden die Kieler im September mit 37:20 zwar deutlich für sich, doch das sei kein Gradmesser für das Pokal-Viertelfinale, so Gislason: Gislason warnt: „Die MT hat trotz der jüngsten Verletzungen eine starke Mannschaft, die wie wir alles dafür geben wird, um in Hamburg dabei zu sein.“

Melsungens Trainer Heiko Grimm kündigte den Schwarz-Weißen einen heißen Tanz an: "Wir wollen ins Final Four, und in Kiel bekommen wir jetzt die Chance, uns für unseren kollektiven Blackout im Bundesliga-Spiel zu rehabilitieren." Die Nordhessen sind nach einem holprigen Saisonstart im Aufwind: Melsungen gewann - inklusive eines 28:20 im DHB-Pokal in Wetzlar - zuletzt sechs Spiele in Folge. Zuletzt besiegte die MT am vergangenen Donnerstag den HC Erlangen mit 27:26. "Wir haben im Moment sehr großes Vertrauen ineinander. Dazu haben wir eine solide 6:0-Abwehr gespielt, haben bei den Rückständen Ruhe bewahrt", lobte Grimm seine Mannschaft nach dem erkämpften Erfolg, der die MT auf Platz vier der Liga vorrücken ließ. Die Erfolge der vergangenen Wochen - unter anderem gewann Melsungen 36:29 in Hannover und 26:24 bei den Füchsen Berlin - waren so nicht vorhersehbar, denn mit Julius Kühn (Kreuzbandriss im EM-Quali-Spiel im Kosovo) und Michael Müller (Fußbruch im Training) fehlten zuletzt zwei wichtige Akteure. "Ich finde es natürlich gut, dass wir jetzt unsere Punkte gewinnen", lobte auch MT-Geschäftsführer Axel Geerken. "Nach den vielen Verletzungen sind die Verantwortungen nun auf andere Spieler übergegangen, was mittlerweile gut klappt."

Dass Melsungen in dieser Spielzeit Verletzungen so gut kompensieren kann, liegt auch an den Verstärkungen: Im Rückraum hat sich die MT mit dem Kroaten Domagoj Pavlovic sowie dem Dänen Simon Birkefeldt deutlich besser aufgestellt. Pavlovic muss nun - gemeinsam mit Abwehr-Ass Finn Lemke, der zuletzt immer wieder auch seine Angriffsqualitäten unter Beweis gestellt hat, die Verantwortung von Kühn im Rückraum übernehmen. Müller, der in diesen Tagen aber auf das Spielfeld zurückkehren könnte, wird von Birkefeldt exzellent vertreten. Birkefeldt und Pavlovic werden am Dienstag eine wichtige Rolle im Gefüge der Rot-Weißen spielen, wenn diese erstmals überhaupt zu einem K.o.-Spiel nach Kiel reisen. Denn erst einmal trafen beide Teams im DHB-Pokal aufeinander: Dieses Pokal-Duell beider Mannschaften endete 2013 im Halbfinale mit einem 35:23-Erfolg für den THW Kiel, der sich tags darauf gegen Flensburg den neunten Pokalsieg holte. Insgesamt spielten beide Mannschaften 28 Mal gegeneinander, 24 Mal gingen die Zebras als Sieger vom Feld.

Bester Torschütze der Melsunger, die den drittbesten Angriff der Liga stellen, ist derzeit Rechtsaußen Tobias Reichmann. "Das Spiel wird für uns ein Kraftakt", weiß Domagoj Duvnjak. "Aber mit der 'weißen Wand' im Rücken und einem echten Heim-Hexenkessel wollen wir nach Hamburg, dafür werden wir alles geben!“

Quelle: THW Kiel

Foto: Klahn

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