09.06.2019  DKB Handball-Bundesliga

Flensburg wieder Deutscher Meister - Machulla überglücklich: "Der gesamte Verein hat es verdient, denn es steckt sehr viel Arbeit dahinter"

Die SG Flensburg-Handewitt und ihr Trainer Maik Machulla haben es vollbracht. Durch einen 24:27-Auswärtssieg beim Bergischen HC sichern sich die Norddeutschen die zweite Meisterschaft in Folge und die dritte in der Vereinsgeschichte. Trauer und Frust beschreiben die Gefühle aller Beteiligten in Bietigheim. Die Stimmen zum wahnsinnigen Saisonfinale:

Maik Machulla (Trainer SG Flensburg-Handewitt) ...
… über die Meisterschaft: „Wie wir alles hier in Flensburg vor zwei Jahren in die Hand genommen und alles riskiert haben – das wurde jetzt durch unseren Mut belohnt. Den Mut, den ich gehabt habe, an den die gesamte Mannschaft auch geglaubt hat, das war nicht immer nur ein Weg nach oben. Es sieht zwar jetzt so aus, aber es war verdammt harte Arbeit. Ich freue mich einfach für Karlsson und Lauge, dass sie sich so verabschieden. Es ist nicht so, dass wir hier alles im Griff gehabt haben. Dass zwei Mannschaften mit vier und sechs Minuspunkten um die Meisterschaft kämpfen, zeigt einfach auch, dass der THW einen überragenden Job gemacht hat. Normalerweise feiert man schon drei Wochen vorher die Meisterschaft, bei nur vier Minuspunkten. Es ist schön, dass ich nun in den Geschichtsbüchern stehe. Zweimal hintereinander Meister zu werden, löst in mir unheimlich viel aus. Der gesamte Verein hat es verdient, denn es steckt sehr viel Arbeit dahinter.“
… zum Spiel (vor dem Spiel): „Die größte Herausforderung war es, meine Truppe auf den Bergischen HC vorzubereiten. Wir haben bereits letzte Saison gesehen, was Mannschaften leisten können, die angeschlagen sind. Sie haben auch ohne ihre besten Spieler eine enorme Qualität und wir nehmen die Begegnung sehr ernst. Heute entscheidet sich alles und es ist eine Situation, bei der es bei jedem von uns noch ein wenig mehr kribbelt. Ich bin seit zwei Jahren Trainer und habe vor jedem Spiel das Gefühl, dass ich ein Examen schreiben muss. Aber so ist es im Leistungssport. Die Anspannung und das Kribbeln müssen da sein, um eine konzentrierte Leistung bringen zu können.“

Dierk Schmäschke (Geschäftsführer SG Flensburg-Handewitt) ...
… zum Spiel und zum THW Kiel (in der Halbzeitpause): „Komplett entspannt bin ich erst, wenn die 60 Minuten gespielt sind. Unsere Mannschaft zeigt, dass sie fokussiert ist. Zur Halbzeit sind wir schon deutscher Meister und ich hoffe es geht in der zweiten Hälfte genau so weiter. Die Rivalität zum THW Kiel bleibt auf ewig bestehen – es ist auch wichtig, dass es so bleibt. Diese Rivalität und die Derbys, sind einfach die besten Derbys in Europa und da darf auch Rivalität vorhanden sein. Es bringt uns gegenseitig weiter nach vorne, aber mit viel Respekt. Das ist mir wichtig.“
… über die Meisterfeier (in der Halbzeitpause): „Wir entscheiden spontan, wie wir feiern, denn wir planen erst nach dem Spiel. Da spielt ein gewisser Aberglaube mit und wir haben in den vergangenen Jahren auch bewiesen, wenn es etwas zu feiern gibt, dann können wir das. Wir müssen jetzt noch 30 Minuten absolvieren und dann reißen wir in Flensburg alle Dächer ab.“

Tobias Karlsson (SG Flensburg-Handewitt) ...
… zur Meisterschaft und zum Spiel: „Es ist einfach nur unbeschreiblich. Ich kann nicht ausdrücken, wie froh und stolz ich bin. Es waren so viele Jahre, und es steckt so viel harte Arbeit dahinter. Wir haben über die gesamte Saison als Team überragend gespielt. In der zweiten Halbzeit hatte ich wahnsinnige Schmerzen, aber das war es nun alles wert. Ich bin dem Verein für die ganzen Jahre unglaublich dankbar. Aber besonders diese Saison bleibt für mich immer im Gedächtnis - mit welcher Herausforderung durch unserem Umbruch wir in die Saison gegangen sind.“

Rasmus Lauge (SG Flensburg-Handewitt) ...
… über die Meisterschaft: „Ich bin sehr zufrieden. Diese Saison war einfach unglaublich. Für mich persönlich, nicht nur mit dem Verein sondern auch der Nationalmannschaft. Ich bin einfach nur glücklich und sehr stolz. Hinter einer Meisterschaft steckt immer harte Arbeit und hinterher kommt auch die Erleichterung. Der BHC kam am Ende noch einmal sehr nah heran, denn sie haben auf einmal deutlich stärker gespielt und auch eine gute Abwehr gestellt. Aber am Ende ist alles egal, denn wir sind deutscher Meister.“

Marius Steinhauser (SG Flensburg-Handewitt) ...
… über die Meisterschaft: „Jede Meisterschaft hat etwas ganz Besonderes. Egal ob es mit den Löwen war oder jetzt mit Flensburg. Es ist alles einmalig und diese Kulisse war einfach der Wahnsinn. Wir machen heute die Nacht zum Tag und reißen Flensburg ab.“

Benjamin Buric (Torhüter SG Flensburg-Handewitt) ...
… zum Spiel: „Ich danke meiner gesamten Mannschaft für dieses unglaublich gute Gefühl. Wir sind deutscher Meister. In der zweiten Hälfte hat der Bergische HC richtig gut gespielt, aber am Ende ist unser Sieg schon verdient. Ich bin einfach nur vollkommen zufrieden und überglücklich.“

Christopher Rudeck (Torhüter Bergischer HC) ...
… zur aktuellen Situation und zum Spiel (vor dem Spiel): „Der EHF-Cup ist für uns sehr wichtig. Unsere Aufgabe gegen Flensburg ist sehr schwer, aber wenn es klappt, schauen wir auch auf die anderen Partien. Wir hoffen natürlich darauf, dass Berlin und Melsungen Punkte liegen lassen, aber wir müssen erst einmal unsere eigenen Aufgaben lösen. Wir haben die vergangenen Spiele auch schon mit dezimiertem Kader bestreiten müssen, deswegen hoffe ich darauf, dass wir es gegen Flensburg lösen und ihnen einen heißen Kampf bieten können.“

Sky Experte Heiner Brand ...
… zum Spiel: „Glückwunsch von meiner Seite. Flensburg ist verdient deutscher Meister geworden, auch wenn sie in der zweiten Halbzeit Probleme hatten. Es war am Ende ein wenig glücklich und der BHC hatte bei einigen Schiedsrichterentscheidungen Pech. Flensburg hat den Umbruch perfekt gemeistert und ist insgesamt gesehen eine tolle Truppe. Sie passen alle einfach zusammen und haben eine sehr gute Saison gespielt. Aber dem BHC muss man hoch anrechnen, dass sie trotz der Verletzungen dem alten und neuen deutschen Meister Paroli bieten konnten. Flensburg hat einfach einen Fehler weniger gemacht.“
… über den Abstieg von Gummersbach: „Das Ende war noch einmal hoch dramatisch. Aber es ist das eingetreten, was alle befürchtet haben. Man darf es aber nicht am letzten Spieltag festmachen, denn sie haben die gesamte Saison über nicht gut genug gespielt. Mit dieser Mannschaft hätte man nicht absteigen müssen.“

Uwe Schwenker (HBL Präsident) ...
… zum Spiel (in der Halbzeitpause): „Die SG Flensburg-Handewitt spielt souverän, wie man es schon die gesamte Saison über gesehen hat. Sie führen hier folgerichtig auch mit einem guten Abstand. Zu Beginn dieser Saison wusste man noch nicht, wo sie stehen, da sie einige Abgänge verzeichnet haben. Aber das hat der Verein souverän gelöst und man kann der Mannschaft und dem Umfeld nur ein großes Kompliment machen. Sie haben es auch in diesem Jahr verdient, deutscher Meister zu werden. Die Neutralität als Ex-Kieler fällt mir durchaus leicht, denn beide Mannschaften haben eine unglaubliche Leistung gezeigt. Sie haben den Anspruch, in der nationalen Spitze zu sein und das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben. Die Liga wird auch in den nächsten Jahren sehr eng und sehr spannend sein.“

Hannes Jon Jonsson (Trainer SG BBM Bietigheim) ...
… über den Abstieg und den letzten Fehlwurf von Kraus: „Am Ende hat uns einfach die Kraft gefehlt und mehr habe ich gerade nicht im Kopf. Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben und ich finde, wir sind trotzdem auf einem guten Weg. Natürlich sind wir die nächsten Tage sehr traurig und enttäuscht. Aber wir müssen wieder auf die Beine kommen und nach vorne schauen. Ich mache Michael Kraus auch keine Vorwürfe, denn er ist ein Spieler, der Verantwortung übernimmt. Hätte er getroffen, hätte jeder gesagt, dass es die richtige Entscheidung war.“

Michael Kraus (SG BBM Bietigheim) ...
… über den Abstieg: „Für den letzten verworfenen Wurf übernehme ich natürlich die Verantwortung. Es ist sehr schwierig, Worte zu finden. Das ist natürlich klar. Der Gang in die zweite Liga ist wahnsinnig bitter. Die Stimmung ist am absoluten Tiefpunkt. Der Matchplan war, dass wir das Spiel viel eher entscheiden. Aber dann laufen wir durch viele technische Fehler dem Rückstand wieder hinterher. Wir haben einige Fehler gemacht, sonst hätten wir das Spiel gewonnen. Aktuell bin ich zu Tode betrübt.“
… über seine Verletzung und zum Spiel (vor dem Spiel): „Wir haben alles versucht, um mich fit zu bekommen. Es hat auch alles soweit funktioniert, aber es sind jetzt alles nur Spekulationen. Wenn es auf dem Feld nicht hält, dann hat man zumindest alles riskiert und das ist wichtig. Wir besitzen eine gesunde Anspannung, die dazu gehört und den Fokus auf dieses Spiel auch garantiert. Für solche Begegnungen lebt man und ich persönlich fiebere diesem Spiel schon seit zwei Wochen entgegen. Es ist nach wie vor ein Grund, warum ich immer noch Handball spiele. Mehr Emotionen sind nicht möglich.“

Domenico Ebner (Torhüter SG BBM Bietigheim) ...
… zum Spiel: „Es ist schwer in Worte zu fassen, denn wir haben das gesamte Spiel über geführt und dann fehlt uns am Ende das entscheidende Quäntchen Glück. Ich find es einfach schade, denn das, was die Mannschaft und die Fans heute geleistet haben, war Erstligareif. Ich habe mir eigentlich gewünscht, nächstes Jahr hier mit Hannover in meine alte Heimat zurückzukehren. Leider habe ich es nicht geschafft, deswegen tut es mir enorm leid, für die Fans und für den Verein. Es hätte hier zumindest eine Mannschaft verdient gehabt, nicht abzusteigen. Es ist einfach sehr schade.“

Torge Greve (Trainer VfL Gummersbach) ...
… zum Spiel: „Es ist schwer, Worte zu finden. Man hat gemerkt, dass beide Teams hier alles gegeben haben. Jetzt schauen wir beide in die Röhre. Wir müssen fair sein und Ludwigshafen gratulieren. Natürlich ist es aktuell dieses eine Tor, das uns fehlt. Aber da gab es andere Faktoren in dieser Saison, die dazu geführt haben. Die Jungs haben alles gezeigt und nun sieht man weinende Männer. Das spricht für sich. Vielleicht war der Kampf zu spät, nicht auf das letzte Spiel gesehen - aber am Ende hat es einfach nicht gereicht. Mein Team hat heute alles rausgehauen. Jetzt geht es erst einmal darum, die Spieler wieder aufzumuntern und dann wird es wieder von vorne losgehen.“
… über die Situation vor dem Spiel (vor dem Spiel): „Wir haben uns relativ normal vorbereitet. Es ist zwar ein normales Bundesliga-Spiel, aber ein ganz besonderes. Jeder Spieler wusste von vornherein, worum es hier in Bietigheim geht. Die Emotionen kommen beim Spiel dazu und man merkt auch, was in dieser Halle los ist. Ich hoffe, dass die mitgereisten Fans unserem Team den entscheidenden Antrieb geben. Schlussendlich geht es darum, die Atmosphäre aufzusaugen und die Energie mit aufzunehmen.“

Drago Vukovic (VfL Gummersbach) ...
… zum Spiel und dem Ende seiner Karriere: „Ich kann mich aus meiner Sicht nur bei den ganzen Fans bedanken und mich entschuldigen, dass ich nicht die gesamte Saison spielen konnte. Aber durch meine Verletzung konnte ich das leider nicht. Ich habe allerdings gekämpft, zusammen mit den Jungs. Aber wir haben es leider nicht geschafft. Meine Karriere ist jetzt zu Ende. Wir haben den Abstieg nicht in Bietigheim verspielt, das haben wir in den Spielen davor schon getan. Meine Karriere mit einem Abstieg zu beenden, fühlt sich einfach total schlecht an. Ich bedanke mich bei Deutschland, bei den Fans und allen Handballern, für positive und negative Kritik.“

Foto: Nolte

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