14.09.2018  DKB Handball-Bundesliga

35:30 - Magdeburg mit Traumstart, Kiel mit nächstem Rückschlag

Der THW Kiel hat beim SC Magdeburg seine zweite Saison-Niederlage in der DKB Handball-Bundesliga kassiert. In der ausverkauften Getec-Arena spielten sich die Gastgeber nach dem Wechsel, begünstigt durch zahlreiche Zeitstrafen für die Zebras, phasenweise in einen Rausch. Die Kieler indes verpassten es, aus einer starken ersten Halbzeit mehr Kapital zu schlagen. Am Ende gewannen die nunmehr seit elf Monaten in der Liga zu Hause unbesiegten Magdeburger auch in der Höhe verdient mit 35:30 (18:16).

In der von Beginn an hitzigen Atmosphäre der Getec-Arena behielten die Zebras anfangs den kühlen Kopf. Domagoj Duvnjak brachte die abgeklärt startenden Kieler mit 1:0 in Führung, nach Matthias Musches Ausgleich trafen Lukas Nilsson und Duvnjak, der in Unterzahl eine wahre Fackel in den Winkel schweißte, zum 3:1. Die Zwei-Tore-Führung hatte bis zur zwölften Minute Bestand, weil der THW immer die richtigen Antworten auf die blitzschnell vorgetragenen Magdeburger Angriffe hatte und mit einem taktischen Mittel seinerseits bei der Schnellen Mitte und in der zweiten Welle überraschte: Andi Wolff, der anfangs wegen eines Augentreffers im Training mit einer Schutzbrille spielte, lief zur Bank, um so eine Überzahlsituation zu schaffen. Nach zwölf Minuten aber drehte sich das Blatt: O'Sullivan traf nach Weinholds Traumtor in den Winkel nach Schneller Mitte, dann leisteten sich die Zebras bei angedrohtem Zeitspiel einen Ballverlust, den Pettersson zum Ausgleich für den SCM verwertete.

Mit zunehmender Spieldauer taten sich die Kieler allerdings immer schwerer gegen eine bewegliche SCM-Defensive. Der THW Kiel wechselte früh, und Nikola Bilyks Einwechslung stach: Nachdem die Gastgeber mit drei Gegenstößen nach Zebra-Fehlern auf 11:8 davongezogen waren, hielt der österreichische Rückraumspieler Schwarz-Weiß in der Partie: Erst bediente er Hendrik Pekeler zum 9:11, dann tanzte er kurz darauf die SCM-Abwehr aus und netzte zum 10:11 ein. Allerdings: Das Rückzugsverhalten der Kieler Defensive reichte einmal mehr nicht aus, um das schnelle Spiel der Grün-Roten zu unterbinden. So blieben die Magdeburger vorn, auch wenn Bilyk bis zum 12:13 bereits vier Tore in neun Minuten erzielen konnte. Mit einem Traum-Bodenpass von Duvnjak auf Pekeler ging es in die Schlussphase der ersten Hälfte, in der die Bördestädter durch eine Quenstedt-Parade gegen Duvnjaks Konter und dem folgenden Gegenstoß von Musche beim 16:13 wieder die Nase deutlicher vorn hatten.

Doch die Zebras ließen sich nicht abschütteln: Duvnjak bediente Pekeler nach einer Schnellen Mitte mit einem No-Look-Pass, und der Kreisläufer traf zum 15:17. Wolff schnappte sich einen Wurf von Pettersson, was Patrick Wiencek energisch zum 16:17-Anschluss nutzte. Die am Ende wohl spielentscheidenden Szenen spielten sich dann in den letzten 60 Sekunden der ersten Hälfte ab: Zunächst unterlief dem SCM ein Stürmerfoul, urplötzlich hatten die Zebras die Chance auf den Ausgleich. Doch in Wienceks Pass auf Rune Dahmke spritzte Chrapkowski, der mit einem direkten Pass auf Musche den bereits siebten Treffer des derzeit besten Liga-Torschützen auflegte. Und dann griffen die beiden Unparteiischen Blümel / Loppaschewski, die sich erst vor Wochenfrist bei der Leitung des THW-Heimspiels gegen Lemgo den Unmut von vielen Beteiligten zugezogen hatten, hart durch: Beim Kampf um den Ball drei Sekunden vor der Sirene sahen sie ein angebliches Foul von Hendrik Pekeler, was sie mit einer Zwei-Minuten-Strafe belegten. Das wiederum stieß bei Pekeler und allen Schwarz-Weißen auf wenig Verständnis, für die anschließenden Proteste gab es von den beiden Referees noch einmal zwei Minuten für Pekeler obendrauf.

Die vierminütige Unterzahl gleich nach Wiederanpfiff war letztlich eine zu große Hypothek: Magdeburg zog nach zwei Green-Paraden auf 22:17 davon, fortan liefen die Kieler diesem Rückstand hinterher. Nach Bilyks fünftem Treffer ließ die Kieler Abwehr Musa unbewacht vom Kreis zum 23:18 treffen, dann gab es eine angebliche falsche Sperre im THW-Angriff: Für den Pfiff bedankte sich Chrapkowski mit dem 24:18, und nachdem der sich nun steigernde Green auch einen Zarabec-Wurf an die Latte gelenkt hatte, sorgte der überragende Bezjak mit vielen raumgreifenden Schritten und dem 25:18 für die Vorentscheidung (40.). Die Kieler reagierten, stellten ihre Abwehr auf die Offensiv-Formation, kassierten dann in der 43. und 46. weitere zwei ihrer insgesamt sieben Zeitstrafen. Magdeburg zog auf 28:20 davon, spielte phasenweise wie im Rausch. Und trotzdem blieb ein Funken Hoffnung, weil Zarabec und Magnus Landin zwölf Minuten vor dem Ende den Rückstand auf sechs Tore verkürzen konnten. Doch ein Fehlpass und ein Bilyk-Wurf an den Pfosten besiegelten die zweite THW-Niederlage in Folge: Bei Bezjaks achtem Tor zum 33:26 (54.) war die Getec-Arena längst zu einer ohrenbetäubenden Party-Arena geworden. Das schönste Tor des Tages erzielte dann doch noch ein Zebra: Niclas Ekberg traf per Kempa zum 30:35-Endstand.

THW-Trainer Alfred Gislason: "Beide Torhüter waren heute angeschlagen. Niklas Landin hat sich in Flensburg einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen, sich heute aber in den Dienst der Mannschaft gestellt. Und Andreas Wolff hat vorgestern im Training einen Ball auf das Auge bekommen und deshalb heute zunächst mit einer Schutzbrille gespielt. Entscheidend heute waren die Szenen vor der Pause: Wir können ausgleichen, machen dann aber einen Fehlpass und kassieren sofort das 16:18. Dann müssen wir vier Minuten in Unterzahl anfangen, danach hatten wir einen schweren Stand. Wir waren heute nicht gut genug, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben jetzt mit Flensburg und Magdeburg die vielleicht schwersten Auswärtsspiele der Saison hinter uns. Es ist mehr als schade, dass wir in beiden Spielen leer ausgegangen sind. Aber wir werden weiter hart an uns arbeiten und nach und nach die Dinge korrigieren."

SCM-Mittelmann Marko Bezjak: "Heute haben wir unser bestes Spiel der Saison gezeigt, haben mit einer super Abwehr, einem schnellen Gegenstoß und mit der Schnellen Mitte eine der besten Mannschaften der Welt besiegt. Unsere Fans können nun träumen, aber wir als Mannschaft bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden und konzentrieren uns einfach auf das nächste Spiel."

SC Magdeburg: Green (1.-21., 31.-60., 10 Paraden), Quenstedt (21.-30., 1 Parade); Musa (2), Chrapkowski (4), Musche (9/2), Kluge, Pettersson (3), de la Pena, Plaza, Molina, Christiansen (1), Lagergren (4), O'Sullivan (2), Bezjak (8), Weber, Damgaard (2); Trainer: Wiegert

THW Kiel: N. Landin (19.-28., keine Parade), Wolff (1.-18., 28.-60., 9 Paraden); Duvnjak (2), Reinkind, M. Landin (3), Weinhold (4), Dissinger (n.e.), Wiencek (1), Ekberg (6/3), Rahmel, Dahmke, Zarabec (1), Vujin (n.e.), Bilyk (5), Pekeler (5), Nilsson (3); Trainer: Gislason

Bild: Popova

 

 

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