11.10.2018  DKB Handball-Bundesliga

Bleibt Wetzlar der Angstgegner des THW?

Heimspiel in Kiel - und ein wichtiges dazu: Nach dem knappen Auswärtserfolg in Leipzig wollen die "Zebras" am Donnerstag in eigener Halle nachlegen. Zu Gast ist mit der HSG Wetzlar jene unbequeme Mannschaft, die den THW Kiel in der vergangenen Saison gleich zweimal besiegen konnte. "Mit Wetzlar haben wir noch einige Rechnungen offen", sagt Patrick Wiencek. "Mit unserer 'weißen Wand' im Rücken wollen wir unsere Serie von vier gewonnenen Spielen in Folge ausbauen!"

Geduld ist gefragt

Mit dem 25:24-Sieg in Leipzig und der Erkenntnis, auch in brenzligen Situationen die Nerven zu behalten und dem Druck zu trotzen, im Rücken gehen die Zebras am Donnerstag ins Spiel gegen die HSG Wetzlar. "Gegen Leipzig hat unser Tempospiel in der ersten Halbzeit sehr gut geklappt, das müssen wir weiter verbessern", sagt Hendrik Pekeler. "Die HSG spielt eine sehr defensive 6-0-Abwehr, deshalb wird das - neben dem Druck aus dem Rückraum - entscheidend werden. Wir dürfen gegen diesen Gegner aber auch nicht die Geduld verlieren", mahnt der THW-Kreisläufer. Denn wie zuletzt der HC Erlangen bevorzugten auch die Hessen ein eher langsames Spiel. "Das hat man bei der knappen Niederlage gegen die Löwen gesehen, als Wetzlar vor allem in der zweiten Hälfte minutenlange Angriffe spielte." Deshalb sei die HSG auch ein sehr unangenehmer Gegner, so Pekeler, der sich auf die Unterstützung der "weißen Wand" auf den Rängen freut: "Unsere Fans sind gegen jeden Gegner enorm wichtig, sie können Druck auf den Gegner ausüben, wenn wir in der Abwehr stehen, und uns auch im Angriff helfen."

Links zum Spiel

Ziel: Zwei Punkte

Mit dem aktuellen Tabellen-13., der als Saisonziel den frühzeitigen Klassenerhalt ausgegeben hat, haben die "Zebras" noch einige Rechnungen offen. Denn drei der bisher sechs Niederlagen kassierten die "Zebras" in den letzten vier Spielen, im vergangenen Jahr tappten sie gleich doppelt in die Fallen mit bedächtigem Spielaufbau, die HSG-Trainer Kai Wandschneider ausgelegt hatte: Sowohl auswärts (22:30) als auch zu Hause in der Sparkassen-Arena gab es für den THW Kiel schmerzhafte Pleiten. Das 25:26 vor den eigenen Fans war sogar die erste Heim-Niederlage gegen die Hessen überhaupt. "Das soll sich nicht wiederholen", gibt sich Kapitän Patrick Wiencek gewohnt kämpferisch. "Mit unseren Fans im Rücken wollen wir alle Heimspiele gewinnen. Deshalb haben wir für Donnerstag nur ein Ziel: die zwei Punkte!"

An der Seitenlinie: "Mister Umbruch"

Dabei treffen sie auf "Mister Umbruch": Kai Wandschneider. Der gebürtige Hamburger, der ein ausgesprochen gutes Händchen in der Ausbildung junger Handballer hat, ist inzwischen Rekord-Trainer der HSG. Seit März 2012 trainiert er Wetzlar. Bemerkenswert in der HSG-Vita des Trainers: Aus seiner ersten Spielzeit trug bis vor Kurzem kein Spieler mehr das Trikot der HSG. Zusammen mit seinem Assistenten Jasmin Camdzic muss er jedes Jahr eine neue Mannschaft aufbauen. Nach dieser Saison wird Wandschneider allein bei der HSG 56 Spieler unter seinen Fittichen gehabt haben und hat im Schnitt pro Spielzeit sieben Abgänge verkraften müssen. In diesem Jahr war es vor allem der Wechsel von Kreisläufer Jannik Kohlbacher zu den Rhein-Neckar Löwen, der die Fans der HSG Wetzlar und auch Wandschneider traurig stimmte. Trotz allem gelang dem Verein immer wieder, erfolgreich zu sein. In der DKB Handball-Bundesliga wechselten in steter Folge zwei- und einstellige Tabellenplätze. Dazu kam im Frühjahr die erstmalige Teilnahme am REWE Final Four in Hamburg.

Emil Frend Öfors kehrt zurück

Bei seiner Arbeit, so wird berichtet, soll Wandschneider auf Zitate von Wissenschaftlern, Forschern, Häuptlingen, Generälen, Basketball-Legenden, Literaten und Philosophen zurückgreifen. "Ich beziehe mich auf historische Persönlichkeiten, weil ich an vieles glaube und danach lebe, was sie gesagt haben, es aber nicht besser formulieren kann als sie", erklärte der Coach ganz pragmatisch seinen Motivations-Ansatz. Dieser scheint auch bei Emil Frend Öfors zu fruchten: Der schwedische Linksaußen, vor der Saison aus Kiel nach Wetzlar gekommen, steht vor seinem ersten Spiel als Gegner in der Sparkassen-Arena. Und bestreitet dieses mit dem Wissen, aktuell mit 20 Treffern auf Platz vier der vereinsinternen Torschützenliste zu stehen. Vor ihm platziert sind Linkshänder Stefan Cavor (36), Positionskollege Maximilan Holst (29) und Bundesliga-Routinier Alexander Hermann (22). Allerdings trübt Verletzungspech die Bilanz der Hessen ein, die bisher gegen Bietigheim und in Leipzig punkten konnten, zuletzt sowohl gegen die Löwen (25:26) als auch den bärenstarker Aufsteiger Bergischer HC (25:27) aber knapp den Kürzeren zogen.

Marinovic kurzfristig verpflichtet

Jüngstes Opfer der Verletzungsmisere ist der norwegische Nationalspieler Kristian Björnsen. Bei einer Abwehraktion, als ihm ein Angreifer ins linke Knie fiel, zog sich der Rechtsaußen einen Teilriss des Innenbandes zu. Außerdem laboriert Rückraumspieler Lenny Rubin, Neuzugang von Wacker Thun, an einem doppelten Bänderriss im Sprunggelenk. Schlussmann Tibor Ivanisevic (Außenbandriss im Knie), vor der Saison von Skjern Handbold als Ersatz für den zur SG Flensburg-Handewitt abgewanderten Benjamin Buric gekommen, wird wahrscheinlich erst zum Ende der Hinrunde wieder ins Geschehen eingreifen können. Dafür lieh sich die HSG Nikola Marinovic bis Jahresende vom Schweizer Erstligisten GC Amicitia Zürich aus. Der 165-malige österreichische Nationalspieler ist inzwischen 42 Jahre alt und hütete von 2011 bis 2013 bereits schon einmal das Tor der Grün-Weißen. "Wir sind sehr froh, dass Nikola keine Sekunde gezögert und sofort volle Bereitschaft gezeigt hat, uns helfen zu wollen", war HSG-Geschäftsführer Björn Seipp nach seinem "Notruf" froh über die Reaktion von Marinovic, der gleich Feuer und Flamme für die Hilfs-Idee seines ehemaligen Clubs war: "Noch einmal Bundesliga spielen zu können und das auch noch für die HSG Wetzlar, hat eine ganz besondere Bedeutung für mich!“

Quelle: THW Kiel

Foto: Jürgensen

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