09.01.2019  Handball Weltmeisterschaft

Henning Fritz - Die WM-Kolumne: "Das Vorgeplänkel hat ein Ende"

In seiner WM-Kolumne für die DKB Handball-Bundesliga erörtert Welthandballer Henning Fritz das Geschehen rund um die Heim-Weltmeisterschaft - natürlich mit besonderem Augenmerk auf die deutsche Mannschaft. In der ersten Ausgabe gewährt die Torhüter-Legende Einblicke in die Gedankenwelt eines Nationalspielers vor dem Auftaktspiel und schätzt die Topfavoriten auf den WM-Titel ein.

Liebe Handballfans,

am Donnerstag beginnt für die deutsche Mannschaft endlich die Heim-WM mit dem Auftaktspiel gegen Korea. Ich glaube, dass die Vorfreude im Team extrem groß ist.

Es sind genug Spieler in der Mannschaft, die schon einige große Turniere gespielt haben. Aber so ein großes Interesse der Medien und der Fans hat sicher noch keiner von ihnen erlebt. Alleine das öffentliche Training vor 2000 Fans in Berlin am Dienstag - einfach unglaublich. Auch aus den Kommentaren der Spieler hört man heraus, mit wie viel Begeisterung und Optimismus, aber auch dem richtigen Maß an Demut sie in das Turnier gehen.

Das Vorgeplänkel, die Gedankenspiele haben nun ein Ende. Darüber sind die Spieler sicher froh. Sie wollen jetzt endlich loslegen. Die Jungs ersehnen das erste Spiel, wollen den Druck, der sich unweigerlich aufbaut, raus lassen und zeigen, was in ihnen steckt. Gegen Korea wird das ein klarer Erfolg sein, davon gehe ich fest aus. Darauf kann dann eine echte Euphorie aufbauen, auch wenn man den darauf folgenden Gegner Brasilien auf keinen Fall unterschätzen darf.

Frankreich als Gradmesser

Der große Gradmesser in der Vorrundengruppe wird freilich Frankreich werden. Ich glaube nämlich nicht, dass der Verlust von Nikola Karabatic für den Titelverteidiger wirklich eine große Schwächung ist. Bisher war es immer so, dass der Fokus der Gegner ganz klar auf Karabatic lag, der in den entscheidenden Phasen das Spiel ja auch häufig an sich gerissen hat. Die Franzosen haben aber auch ohne ihn viele sehr gut ausgebildete Spieler, auf deren Schultern Trainer Guillaume Gille die Verantwortung nun verteilen wird.

Das macht es für die Gegner nicht unbedingt einfacher. Im Gegenteil: Die Equipe Tricolore ist deutlich schwerer auszurechnen. Frankreich bleibt einer der Top-Favoriten auf den Titel.

Auch mit den Spaniern ist immer zu rechnen. Sie sind so erfahren, spielen nahezu alle bei internationalen Spitzenklubs und kommen mit dem Selbstvertrauen des EM-Titels nach Deutschland. Und über die Dänen brauchen wir fast gar nicht sprechen: Sie haben die Möglichkeit im eigenen Land Weltmeister zu werden. Denn das Turnier findet zwar in zwei Ländern statt, das Finale aber auf dänischem Boden in Herning. Die Motivation ist also riesig.

Zukunftsweisendes WM-Modell

Die Qualität der Mannschaft ist unbestritten: Die Dänen verfügen über ein sehr flüssiges und schön anzusehendes Angriffspiel, haben dazu ein überragendes Torhüter-Duo, das wir aus der DKB Handball-Bundesliga kennen. Das macht sie zu einem der ersten Aspiranten auf den Titel, solange sie die große Erwartungshaltung im eigenen Land nicht lähmt.

Zum Schluss möchte ich noch einen Satz zur deutsch-dänischen Doppelbewerbung für die WM sagen: In meinen Augen ist ein WM-Turnier in zwei Ländern wirklich zukunftsweisend. Die Organisation über Ländergrenzen hinweg steht für Zusammenhalt und Teamgeist. Meiner Meinung nach sollte dieses Modell auch zukünftig beibehalten werden.

Ich wünsche euch viel Spaß beim WM-Start,

Euer Henning

 

 

Über Henning Fritz

Henning Fritz (44) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Handball-Torhütern aller Zeiten. Seine ruhmreiche Karriere begann der 235-malige Nationalspieler bei seinem Heimatverein SC Magdeburg. Mit den Bördeländern wurde Fritz Deutscher Meister und DHB-Pokalsieger. Anschließend gewann der Welthandballer des Jahres 2004 mit dem THW Kiel alle Titel, die es auf der Vereinsebene zu gewinnen gibt. 2012 beendete Fritz seine aktive Karriere bei den Rhein-Neckar Löwen. Auch in der Nationalmannschaft zählte der Schlussmann in den 90er und 00er Jahren zu den unumstrittenen Säulen. Fritz gehörte zur "goldenen Generation", die 2004 erst Europameister wurde und später bei den Olympischen Spielen in Athen Silber gewann. Bei der Heim-WM 2007 krönte der Magdeburger seine Karriere mit dem Titel im "Wintermärchen". Mittlerweile ist Fritz als Experte für das Medienunternehmen Sky und für Neuronavi, einen Hersteller mobiler Regenerationsgeräte, tätig.

Foto: Klahn

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