27.12.2017  2. Handball-Bundesliga

Überragender Jan Kulhanek sichert Coburgs Sieg

24:21 hieß es am Ende beim Spiel HSC Coburg gegen den VfL Lübeck-Schwartau. Dabei brachte der herausragend aufgelegte Torhüter Jan Kulhanek die Lübecker Angreifer zur Verzweiflung und war mit seinen 22 Paraden der Garant für den Coburger Sieg am 2. Weihnachtstag.

Zum Glück ist der ICE aus Berlin am gestrigen Nachmittag nicht, wie an den ersten Tagen nach Streckenfreigabe Mitte Dezember, an Coburg vorbeigerauscht. Denn an Bord war die komplette Mannschaft des VfL Lübeck-Schwartau auf dem Weg zu Gastspiel nach Coburg. Abfahrt Lübeck Hauptbahnhof um 9.08 Uhr, weiter ab Hamburg nach Berlin um 10.36 Uhr und von dort nach Coburg um 12.30 Uhr, Ankunft in der Vestestadt um 15.02 Uhr. Die seit zwei Wochen bestehende Verbindung macht es möglich. „Wir haben mit Vortagesanreisen zuletzt keine guten Erfahrungen gemacht und im Zug kann man sich viel besser die Beine vertreten als im Bus“, begründete VfL-Coach Torge Greve diese Entscheidung. “Außerdem kam es den Spielern entgegen, dass sie Weihnachten einen Tag länger zu Hause waren.“ Coburg blieben diesmal Auswärtsfahrten an den Festtagen erspart.

Mit einem sehenswerten Kracher von Kelm am Kreis eröffnete Coburg die Partie. Dem folgten zwei Kontertore und VfL-Trainer Torge Greve nahm schon die Auszeitkarte in die Hand. Einen weiteren Treffer schaute er sich noch an, dann nahm er nach gespielten dreieinhalb Minuten das nötige Time-Out. Der Blitzstart der Coburger lag vor allem an der aufmerksamen Abwehr und daran, dass Lübeck selbst beste, freie Chancen nicht im Tor unterbringen konnte. Doch nach dem furiosen Start blieb Coburg fast sechs Minuten ohne eigenen Treffer und konnte sich bei TW Jan Kulhanek bedanken.

Doch der VfL kam insgesamt besser ins Spiel. Schult, Podpolinski und Hansen suchten jetzt Eins-gegen-Eins-Situationen, anstatt riskante Pässe an den Kreis durchzustecken. Da machte es ihnen die Coburger Abwehr manchmal zu leicht. Doch das Pass-Spiel der Gäste blieb manchmal zu ungenau, genau wie die Würfe der Coburger, die auch nach 20 Minuten von dem Start zehrten. Beide Teams legten ein recht hohes Tempo und hohe Intensität auf die Platte. Schwachpunkt bei den Gästen war das Spiel auf den Außenpositionen, da wurden einige gute Optionen liegen gelassen. Aber deren Abwehr stand jetzt recht sicher, der HSC-Rückraum hatte Probleme zum Wurf oder an den Kreis durchzukommen. Beide Teams übertrafen sich dann in der Phase im Auslassen guter Einwurfmöglichkeiten und in einer zweiten Auszeit forderte Greve wohl mehr Konzentration. Wenn den HSClern etwas angekreidet werden musste, dann dass sie nach Torwürfen zu schnell nach vorne orientiert waren und sie es zu oft mit Trickwürfen versuchten anstatt mit Power abzuschließen. Vier Abpraller landeten allein im ersten Durchgang bei den Lübeckern und erst scheiterte Neloski, dann Hagelin mit Hebern. Wobei Jan Gorr mit Benedikt Kellner auf der halblinken Rückraumposition und Marko Neloski auf Linksaußen mit einer neuen taktischen Variante aufwartete. Aus Coburger Sicht wäre leicht ein größerer Vorsprung zum Wechsel möglich gewesen und vielleicht erinnerte sich so mancher an das Hinspiel. Auch da führte der HSC zu Beginn der zweiten Halbzeit mit vier Toren, verspielte diesen Vorsprung insbesondere durch eine taktische Maßnahme des Gegners – den siebten Feldspieler.

Man durfte also gespannt sein, ob Greve abermals darauf zurückgreifen würde. Zufrieden schien er mit dem Spiel seiner Mannschaft nicht zu sein. Umso zufriedener durften die Coburger mit TW Jan Kulhanek sein, der kurz nach Wiederanpfiff seine 14 Parade bei neun Gegentreffern zu verzeichnen hatte. Einzig Podpolinski gelang es den Abwehrriegel des HSC zu knacken. Überhaupt waren im Spiel der Lübecker viele kleine Fehler und Nachlässigkeiten, die aber wohl auch der aufmerksamen Deckung des Gegners geschuldet waren. Immer wieder waren sie dadurch gezwungen, ihre Spielzüge neu aufzubauen. Beim Sechs-Tore-Rückstand nach 42 Minuten nahm Greve bereits seine letzte Auszeit, zückte die Taktiktafel und er kam – der siebte Feldspieler des VfL. Gleich im ersten Angriff war das Überzahlspiel von Erfolg gekrönt. Zudem sahen sich die Coburger nun einer offensiv ausgerichteten 5:1-Abwehr gegenüber. Deswegen rief jetzt Gorr seine Spieler zur Auszeit um die auf diese neue Situation taktisch einzustellen und eine mögliche Aufholjagd der Gäste im Keim zu ersticken.

Die setzten weiter auf den siebten Feldspieler, hatten binnen vier Minuten den Rückstand halbiert. Vor allem für Oliver Milde im VfL-Rückraum entstanden kurioserweise durch das Überzahlspiel seiner Mannschaft Freiräume. Eine gleiche Situation hatte es schon im Hinspiel gegeben. Doch nach und nach stach diese taktische Variante auch auf den Kreis- und Außenpositionen, Coburg hatte Probleme mit der offensiven Deckung. Doch immer wieder schafften sie es, dass auch spielerisch zu lösen, wie beim 24:21 als Linhardt sich an den Kreis abgesetzt hatte und mustergültig von Billek bedient wurde. Und für einen gab es vier Minuten vor dem Abpfiff verdientermaßen Szenenapplaus – TW Jan Kulhanek. Innerhalb von fünf Sekunden parierte er zwei freie Bälle, vernagelte in den letzten sechs Minuten sein Tor. Für das vielfache Scheitern seiner Spieler am Coburger Torwart hatte VfL-Coach Torge Greve nur ein Kopfschütteln übrig. Zurück ging es für die Lübecker dann aber mit dem Bus und aber ohne Punkte im Gepäck. Im Anschluss an die Partie wurde der langjährige HSC-Geschäftsführer, der von Anfang an als HSC-Trommler seit 2000 dabei war, verabschiedet.

Stimmen zum Spiel

Jan Gorr (Trainer HSC Coburg): 

 „Wir wollten heute unbedingt dieses Erfolgserlebnis. Dazu war die Anfangsphase ein Türöffner. Außerdem haben wir heute aus dem Spiel heraus viele Ideen entwickelt. Als Torge dann wie schon im Hinspiel den siebten Feldspieler gebracht hat und die Abwehr auf 5:1- umgestellt hat, hat uns das schon ganz schön gestresst. Dass wir da schadlos herausgekommen sind, war in erster Linie Jan Kulhanek zu verdanken, der seinen Kasten nicht nur in den letzten Minuten vernagelt hat.“

Torge Greve (Trainer VfL Lübeck-Schwartau):

„Coburg hat diese Partie von der ersten Minute an ergebnistechnisch dominiert, war sehr präsent, dynamisch und zielstrebig. Uns ist es nicht gelungen eine stabile Abwehr hinzustellen. In den ersten dreieinhalb Minuten wurden wir förmlich überfahren. Meiner Mannschaft muss ich trotzdem ein Kompliment machen, dass sie sich bis zum Ende nicht geschlagen gegeben hat, trotz der harten Hinrunde und den beiden Auswärtsspielen jetzt über Weihnachten. Durch den siebten Feldspieler und die 5:1-Deckung sind wir sogar noch einmal richtig zurückgekommen, aber der Sieg für Coburg ist hochverdient.“

Quelle: HSC 2000 Coburg

Foto: Rosenbusch

Socialstream

Fanshop