08.03.2018  2. Handball-Bundesliga

Hartmut Mayerhoffer: "Der Aufstieg wäre eine faustdicke Überraschung"

In der Saison 2013/14, der ersten Spielzeit unter Trainer Hartmut Mayerhoffer, schaffte die SG BBM Bietigheim erstmals den Sprung in die DKB Handball-Bundesliga. Das Abenteuer in der stärksten Liga der Welt dauerte zwar nur ein Jahr, doch nun klopfen die Schwaben wieder lautstark an der Tür zur DKB HBL an.

Mit drei Punkten Vorsprung steht die SG BBM aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz, in die Rückrunde startete das Team von Mayerhoffer, der Bietigheim im Sommer verlassen wird, mit fünf Siegen aus sechs Spielen.

Im Interview schätzt der 48-Jährige das enge Aufstiegsrennen in der 2. Handball-Bundesliga ein und zieht ein erstes kleines Fazit seiner fünfjährigen Amtszeit an der Enz.

Mit welcher sportlichen Devise gehen Sie in Ihre letzten Wochen als Trainer in Bietigheim? Soll der Aufstieg zu Ihrem Abschiedsgeschenk werden?

Hartmut Mayerhoffer: Da muss ich etwas weiter ausholen: Man muss sagen, dass wir momentan weitaus besser da stehen als wir uns das zu Saisonbeginn vorgestellt haben. Mit einem so positiven Saisonverlauf haben selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Einige wichtige Spieler aus der Stammformation haben den Verein im Sommer verlassen. Wir hatten uns vor der Saison eigentlich das Ziel gesetzt, am Ende auf einem einstelligen Tabellenplatz zu landen. Aber jetzt spielt die Mannschaft eine hervorragende Runde und wir liegen deutlich über dem Soll. Sollten wir unsere jetzige Position tatsächlich bis zum Ende halten können, wäre das schon eine faustdicke Überraschung. Wir sind in den letzten Jahren aber immer gut damit gefahren, sehr pragmatisch Schritt für Schritt zu denken und uns auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. Das werden wir auch jetzt nicht ändern. Es macht einfach keinen Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, was in drei Monaten sein könnte.

Wie würden Sie das Aufstiegsrennen in der 2. Handball-Bundesliga grundsätzlich bewerten?

Mayerhoffer: Zuallererst muss man sagen, dass der BHC allein und einsam seine Kreise in der Liga zieht und wirklich die überragende Mannschaft ist. Das muss man so absolut anerkennen. Dahinter ist es auch nach wie vor noch ein breites Feld, das um den zweiten Platz kämpft. Auch wenn immer mal wieder die eine oder andere Mannschaft Punkte liegen lässt und wir in der Tabelle einen kleinen Vorsprung haben, ist noch alles offen. Bis zu Tabellenplatz neun haben die Vereine noch reelle Chancen. Die Saison dauert noch sehr lang, es sind noch viele Punkte zu vergeben. Man hat allein am Doppelspieltag gesehen, wie schnell das Feld durchgewirbelt werden kann. Am Ende wird sich die Mannschaft durchsetzen, die die größte Konstanz hinlegt.

Hätten Sie es vor der Saison erwartet, dass so viele Mannschaften bis zu dieser späten Phase ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden?

Mayerhoffer: Ja, davon war auszugehen, weil die Leistungsdichte in dieser 2. Liga wirklich enorm ist. Man muss sich nur mal ansehen, welche Mannschaften abgestiegen sind. Das waren mit dem Bergischen HC und mit dem HBW Balingen-Weilstetten zwei Teams, die eigentlich zum Inventar der DKB Handball-Bundesliga gehören, für die der Abstieg quasi ein Betriebsunfall war. Deren klare Zielsetzung war der Wiederaufstieg. Mit Coburg ist eine Mannschaft dabei, die sich in den letzten Jahren im Profi-Handball etabliert und unbedingt zurück in die erste Liga will. Und dann gibt es in der 2. Liga selbst natürlich Mannschaften, die sich stark weiterentwickelt haben, wie Hamm, Lübeck, Rimpar oder Nordhorn. Auch deren Fokus liegt daran, wieder an die Tür zur ersten Liga anzuklopfen.

Wie erleben Sie den Saison-Schlussspurt emotional? Ihre letzten Wochen als Trainer in Bietigheim stehen bevor.

Mayerhoffer: Da der Abschied für mich noch wirklich weit weg ist, beschäftige ich mich damit auch noch nicht. Mein Fokus liegt so sehr auf der Arbeit mit der Mannschaft, darauf, die letzten drei Monate so positiv wie möglich zu gestalten, dass alles, was danach kommt, für mich momentan noch gar kein Thema ist.

Nichtsdestotrotz haben Sie den Verein fünf Jahre lang hautnah miterlebt, selbst geprägt. Was zeichnet die SG BBM Bietigheim Ihrer Meinung nach aus?

Mayerhoffer: Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Die SG ist ein Verein, in dem man sich sehr wohl fühlen kann, wo die Wege kurz sind und dessen Strukturen immer professioneller werden. Auch das Miteinander, die Chemie in der Mannschaft stimmt. Jeder weiß, dass bei uns der Teamgedanke im Vordergrund steht und dieser Faktor bei der SG der Schlüssel zum Erfolg ist.

Auch wenn es für ein Fazit vielleicht noch etwas früh ist: Wie würden Sie Ihre Amtszeit in Bietigheim beurteilen?

Mayerhoffer: Es waren fünf sehr ereignis- und auch erfahrungsreiche Jahre, in denen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten fast immer erfolgreich auf konstant hohem Niveau gespielt haben. Diese Erfahrung möchte ich auf keinen Fall missen.

Gab es einen Moment, der besonders im Gedächtnis bleiben wird?

Mayerhoffer: Das war wahrscheinlich der Aufstieg in die DKB Handball-Bundesliga gleich nach meiner ersten Saison. Das war einfach ein herausragender Moment. Die Saison in der DKB HBL selbst war dann eine sehr gute Erfahrung. Wir hatten viele junge Spieler im Kader, die von ihren Einsätzen in der stärksten Liga der Welt in ihrer Entwicklung profitiert haben.

Hilft diese Erfahrung jetzt auch im Aufstiegsrennen in dieser Saison?

Mayerhoffer: So viele Spieler aus dem damaligen Kader sind jetzt ja gar nicht mehr da. Die Struktur in der Mannschaft hat sich seitdem durchaus verändert, es sind viele junge Spieler auch aus unteren Ligen dazu gekommen. Aber der ein oder andere Erfahrene ist natürlich noch im Team, der die Mannschaft mit seiner Erfahrung hervorragend führen kann.

Foto: Wolf

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