22.11.2017  2. Handball-Bundesliga

Schäfer: "Wir haben überhaupt keinen Druck"

Im Interview spricht SG-BBM-Urgestein Christian Schäfer über das Topspiel gegen den BHC am Wochenende, das Bietigheimer "Projekt 2021", den in dieser Woche bekannt gewordenen Trainerwechsel zum Saisonende und seinen ungewöhnlichen Nebenjob.

Trotz der 30:37-Niederlage am vorigen Wochenende beim Wilhelmshavener HV: Die SG BBM Bietigheim bleibt als Tabellenzweiter der ärgste Verfolger des Zweitliga-Dominators Bergischer HC – und empfängt den Spitzenreiter am Freitag auch noch zum absoluten Gigantentreffen in der 2. Handball-Bundesliga.

Christian Schäfer kennt dieses Duell bereits aus der DKB Handball-Bundesliga. Der Rechtsaußen trägt seit 2007 das Trikot der SG und gehört damit zu den dienstältesten Bietigheimern. Er war einer der Aufstiegshelden aus dem Jahr 2014, als die SG BBM erstmals den Sprung in die stärkste Liga der Welt schaffte, erlebte aber auch den Abstieg in der darauf folgenden Saison mit. Im Interview spricht der Zweitliga-Torschützenkönig der Saison 2015/16 über das Topspiel am Wochenende, das Bietigheimer "Projekt 2021", den in dieser Woche bekannt gewordenen Trainerwechsel zum Saisonende und seinen ungewöhnlichen Nebenjob.

Herr Schäfer, die Generalprobe in Wilhelmshaven ging daneben. Fühlen Sie sich trotzdem gewappnet für das absolute Spitzenspiel in der 2. Handball-Bundesliga gegen den Bergischen HC?

Christian Schäfer: Ich denke, wir sind gut gerüstet. Ganz unabhängig von dem Ausrutscher in Wilhelmshaven haben wir in den letzten Wochen und Monaten fast durchgängig gute Leistungen gezeigt. Wir stehen nicht zu Unrecht so weit oben in der Tabelle. Und außerdem sind wir zu Hause noch ungeschlagen, mussten bisher nur beim Unentschieden gegen Rimpar einen Punkt abgeben. Diese Serie wollen wir natürlich fortsetzen und wir lassen uns dabei auch gern von unseren heimischen Fans nach vorne pushen.

Dem BHC scheint es dagegen egal zu sein, ob er vor heimischen Publikum die Punkte einfährt oder in der Ferne. Beeindruckt Sie die inzwischen 14 Spiele andauernde Siegesserie der Löwen?

Schäfer: Der BHC hat auf jeden Fall einen furiosen Start in die Saison hingelegt, wobei das aber auch fast zu erwarten war. Der Kader ist definitiv erstligatauglich. Deswegen ging der BHC ja auch von Anfang an als Aufstiegskandidat Nummer eins ins Rennen.

Ergibt sich die Konkurrenz dem BHC also schon nach 14 Spieltagen im Aufstiegsrennen?

Schäfer: Es scheint zumindest so, dass der BHC am Ende einen der beiden Aufstiegsplätze belegen wird. Das haben viele Experten, Trainer und Spieler auch nicht umsonst schon vor Saisonbeginn vorhergesagt. Wir haben dagegen immer gesagt, dass wir einen Platz im oberen Tabellendrittel anpeilen. Mit den drei starken Absteigern, die in dieser Saison neu in die 2. Liga dazugekommen sind und nur noch zwei Aufstiegsplätzen war von vornherein klar, dass die Konkurrenz an der Tabellenspitze riesig wird. Wir sind ganz gut in die Saison rein gekommen und sind auf einem guten Weg. Den gehen wir nun am besten dadurch weiter, dass wir von Spiel zu Spiel denken und in jedes Spiel rein gehen, um es zu gewinnen. Um Tabellenplätze machen wir uns erst einmal gar keine großen Gedanken.

19.11.2017 - 2. Handball-Bundesliga

Fulminante zweite Halbzeit sorgt für Kantersieg

Der Wilhelmshavener HV ist in der 2. Handball-Bundesliga immer für eine Überraschung gut: Trotz großer Personalsorgen spielten sich die Schützlinge im Heimspiele gegen den Ligazweiten SG BBM Bietigheim nach dem Seitenwechsel in einen wahren Rausch und gewannen am Ende vor rund 1100 Zuschauern in der Nordfrost-Arena noch mit 37:30 (16:18) Toren.

Wäre die Rückkehr in die DKB Handball-Bundesliga mit der SG BBM Bietigheim trotzdem noch ein Traum in Ihrer Karriere?

Schäfer: Definitiv. Aber wir haben ja überhaupt keinen Druck. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2021 wieder in der DKB Handball-Bundesliga zu spielen. Wir wollen einfach eine gute Saison spielen, uns individuell und als Mannschaft weiterentwickeln und dann werden wir dieses langfristige Ziel auch erreichen.

Sie blicken inzwischen auf ein Jahrzehnt in Bietigheim zurück. Wie beurteilen Sie die Zeit?

Schäfer: Das Verhältnis zwischen dem Verein und mir war und ist einfach sehr harmonisch. Die SG weiß, was sie an mir hat, ich weiß, was ich an der SG habe. Das gegenseitige Vertrauen ist sehr groß. Das ist bei einer so langen Zusammenarbeit auch gar nicht anders möglich.

Wie sieht Ihre Rolle in der Mannschaft aus?

Schäfer: Weil ich jetzt schon so lange im Verein bin und die Strukturen gut kenne, versuche ich natürlich schon, neuen Spieler  so gut es geht zu helfen, sie ins Teamgefüge zu integrieren. Schon allein deswegen, weil ich Jugendkoordinator im männlichen Bereich im Verein bin, kümmere ich mich natürlich verstärkt um junge Spieler, die zu uns in die Mannschaft aufrücken. Aber ich verstehe mich jetzt nicht als alleinigen Ansprechpartner. Es gibt ja auch noch zwei, drei andere Spieler, die schon sehr lang dabei sind und den Verein gut kennen.

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Wie sehen Ihre Aufgaben als Jugendkoordinator aus?

Schäfer: Ich bin für die Organisation der männlichen Jugendmannschaften zuständig. Ich besetze die Trainerstellen, achte darauf, dass alles in diesem Bereich der Nachwuchsarbeit rund läuft. Da geht es um die Koordination von Zusatztraining, um Schul-Kooperationen. Das ist schon ein breites Spektrum und es gilt immer wieder, auch kurzfristig Lösungen für Probleme zu finden. Aber nur so können wir es schaffen, Spieler aus den Jugendmannschaften an die Bundesligamannschaft heranzuführen.

Dann können Sie nach dem Ende Ihrer aktiven Karriere ja direkt den Posten als Sportdirektor übernehmen.

Schäfer:  So weit würde ich noch nicht gehen. Mir macht die Arbeit auf jeden Fall Spaß, zumal ich davor auch schon als Jugendtrainer tätig war. Aber aktuell stecke ich aber schon noch voll und ganz in meiner Spieler-Karriere und will noch gar nicht so viel an die Zeit danach denken. Ich habe in Bietigheim einen Vertrag bis 2020 und auch danach könnte mir noch gut vorstellen, weiterzuspielen. Mit 32 ist man ja gerade als Außenspieler noch nicht in einem Alter, in dem man unbedingt aufhören muss, wenn man von Verletzungen verschont bleibt (lacht). Außerdem will ich auch erst einmal mein zweites Studium abschließen. Nach Public Management als dualen Studiengang an der Fachhochschule in Ludwigsburg belege ich gerade Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen. Wenn alles gut läuft, bin ich in einem Jahr damit fertig. Und dann sehen wir weiter.

Gerade in der Woche vor dem Kracher gegen den BHC wurde in Bietigheim eine wichtige Personalentscheidung publik: Trainer Hartmut Mayerhoffer wird den Verein zum Saisonende verlassen, Ralf Bader vom Drittligisten TSV Neuhausen/Filder wird nachfolgen. Beeinflusst diese Neuigkeit die Vorbereitung aufs Wochenende beziehungsweise den Rest der Saison?

Schäfer: Ich denke nicht. Wir haben ja gemeinsame Ziele für die Saison, wir wollen uns weiterentwickeln, wir wollen den maximalen Erfolg. Hartmut wollte sich nach fünf Jahren in Bietigheim einfach verändern, den nächsten Schritt gehen. Das akzeptieren und respektieren wir und wünschen ihm nach dem Saisonende für die weitere Karriere natürlich alles Gute. Über Hartmuts Nachfolge hat sich der Verein mit Sicherheit unheimlich viele Gedanken gemacht und mit Ralf Bader einen adäquaten Kandidaten gefunden.

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