06.12.2018  2. Handball-Bundesliga

Sebastian Damm (VfL Lübeck-Schwartau): "Ich habe echt Glück gehabt."

Letzte Woche wurde das Leben von Sebastian Damm auf den Kopf gestellt. Der Linksaußen des VfL Lübeck-Schwartau war auf dem Weg ins Training, als er in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt wurde. Seitdem liegt Damm im Krankenhaus und sehnt sich zurück auf das Spielfeld. Wir haben uns mit dem Gute-Laune-Mensch unterhalten.

Hallo Basti, die wichtigste Frage vorneweg: wie geht’s dir?

Sebastian Damm: Mir geht’s von Tag zu Tag besser, danke der Nachfrage. Natürlich ist das eine ungewohnte Situation, wenn der Körper nicht das macht, was der Kopf will. Ich bin aber auf einem guten Weg.

Das war eine richtige Schocknachricht letzte Woche. Kannst du das schon alles einordnen?

Sebastian Damm: Nein. Ich kann noch nicht einmal realisieren, dass mir das passiert ist. Ich habe unglaublich viele Nachrichten bekommen von Clubs und Spielern aus der DKB Handball-Bundesliga und der 2. Handball-Bundesliga, von Freunden, von ehemaligen Freunden, mit denen ich lange keinen Kontakt mehr hatte. Ich kann den Unfall absolut gar nicht einordnen, weil ich einfach nicht realisieren kann, dass mir das passiert ist.

Was ist genau passiert?

Sebastian Damm: Ich war auf dem Weg zum Training. Auf der Autobahn gab es eine Baustellenausfahrt. Vor mir ist ein Sprinter gefahren, der gebremst hat. Also habe ich auch gebremst, bis wir beide standen. Dann habe ich nur noch Lichter in der Rückscheibe gesehen, die immer heller wurden. Danach war Feierabend.

Das Auto ist in dich hinten reingeknallt.

Sebastian Damm: Genau. Das hintere Auto hat mein Auto unter den Sprinter gequetscht. Ich wurde bewusstlos und habe nur noch mitbekommen, dass Passanten herkamen und gerufen haben, dass sie mich rausholen müssen, weil mein Auto in Flammen steht.

Wie gehst du damit um?

Sebastian Damm: Ich gehe die Sache positiv an und nehme es mit Humor. So dumm das jetzt auch klingen mag (lacht). Das liegt mir im Blut. So wie es jetzt ist, ist es eben. Daran ändern kann ich eh nichts. 

Bis auf ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Knieverletzung bist du weitestgehend unversehrt geblieben. Deine Schutzengel haben ganze Arbeit geleistet. 

Sebastian Damm: Ich habe echt Glück gehabt. Das waren 101 Schutzengel, die auf mich aufgepasst haben.

Die Knieverletzung zwingt dich noch in den Rollstuhl. Wann kannst du denn wieder laufen?

Sebastian Damm: Das ist absehbar. An Weihnachten würde ich meine Geschenke gerne selber holen, die unter dem Baum liegen (lacht). Das ist mein großes Ziel. Ich habe jetzt bereits Krankengymnastik und kann schon drei bis vier Meter gehen. In den nächsten 14 Tagen sollte ich dann so weit sein, dass ich wieder flüssig gehen kann.

In deinem normalen Berufsalltag als DRK-Fahrer rettest du normal Leben. Jetzt wurde es dir gerettet. Denkst du manchmal: das hätte auch schlimmer ausgehen können?

Sebastian Damm: Auf jeden Fall. Ich habe als DRK-Fahrer auch schon den einen oder anderen Verkehrsunfall betreut. Ich wusste immer was passiert, was der nächste Schritt war und habe dem Rettungsdienst voll und ganz vertraut.

Hilft dir dein Beruf und dein angehendes Medizinstudium dabei, mit der Sache besser umzugehen?

Sebastian Damm: Das glaube ich schon, ja. Ich setze mich seit drei, vier Jahren mit dem Thema auseinander und bin allein schon deshalb auf solche Sachen besser vorbereitet als andere Menschen. Ich kann damit ganz anders umgehen als Patienten, die nicht aus dem Bereich kommen und ich kann mit den Ärzten ganz anders sprechen. Das hilft mir.

Bis zu deinem Unfall hast du in der 2. Handball-Bundesliga in dieser Saison bisher 31 Tore erzielt. Wie zufrieden bist du mit der Saison bisher?

Sebastian Damm: Die letzten beiden Spiele waren persönlich richtig stark. Da hatte ich einen Aufschwung. Das ist extrem bitter, dass das jetzt so unterbrochen wurde. Aber die positiven Gedanken aus den zwei Spielen nehme ich mit und ich hoffe, dass ich daran ansetzen kann. Mir haben aber auch extrem viele Leute geschrieben, dass ich jetzt erstmal nicht an Handball denken und lieber erstmal gesund werden solle.

Klappt das denn? 

Sebastian Damm: (lacht) Nein. Ich stehe mit meiner Mannschaft die ganze Zeit im Kontakt und habe auch das Spiel gegen Großwallstadt angesehen. Da haben mir die Jungs danach geschrieben, dass sie das Spiel für mich gewonnen haben. Das ist echt cool. Da freue ich mich total drüber.

Welche Rolle nimmst du inzwischen im Team ein?

Sebastian Damm: Ich bin die Frohnatur in der Mannschaft. Ich bringe immer gute Laune mit und bin der, der für gute Stimmung sorgt. Dieses Feedback bekomme ich von Jedem. Wenn ich reinkomme, geht’s ab. Deswegen muss ich auch immer einen Witz parat haben (lacht). Aber das macht mir auch Spaß. Ich bin ein sehr humorvoller Mensch. Deswegen muss ich mich da auch nicht verstellen. Ganz nebenbei werfe ich auch noch die Siebenmeter (lacht wieder).

In der Heim-Tabelle liegt der VfL Lübeck-Schwartau auf einem Aufstiegsplatz, in der Auswärts-Tabelle hingegen auf einem Abstiegsplatz. Woher kommen die zwei Gesichter deiner Mannschaft?

Sebastian Damm: Wenn ich das wüsste, hätte ich das bereits angesprochen. Das ist echt erschreckend, was wir auswärts zum Teil abliefern. Auf der anderen Seite muss ich auch sagen, dass die Liga von Jahr zu Jahr stärker wird. Das sieht man allein schon an den Aufsteigern dieses Jahr.

Trotzdem habt ihr euch doch bestimmt mehr erhofft von dieser Saison, oder? 

Sebastian Damm: Natürlich sind wir unzufrieden. Wenn du in der letzten Saison den dritten Platz belegt hast, dann zählst du automatisch zu den Favoriten. Die Kehrseite davon ist, dass es super schwierig ist, diesen dritten Platz zu bestätigen. Mit so einer Platzierung steigen die Ansprüche. Die anderen Mannschaften sind hochmotiviert, gegen dich zu gewinnen. Das musst du auch erstmal lernen. Das sieht man zum Beispiel auch beim HBW Balingen-Weilstetten. Die haben ein ganzes Jahr gebraucht, um das zu lernen. Deswegen ziehe ich meinen Hut vor der SG BBM Bietigheim.

Wieso das?

Sebastian Damm: Die haben über Jahre hinweg gezeigt, dass sie jede Saison zu den Spitzenteams der 2. Handball-Bundesliga zählen und haben eine unglaubliche Konstanz an den Tag gelegt. Das war sehr beeindruckend. Deshalb sind sie auch verdient aufgestiegen.

Freust du dich auf dein Comeback?

Sebastian Damm: Auf jeden Fall. Nach so einer Verletzung zurückzukommen, ist mit Sicherheit ein geiles Gefühl. Darüber habe ich zum Beispiel mit Toni Podpolinski gesprochen. Toni hatte Krebs und hat einige Jahre keinen Handball spielen können. Er hat zu mir gemeint: ‚Wenn du wiederkommst, das ist geil. Das macht Spaß.‘ Da habe ich Bock drauf. Ich bin für alle Gespräche bereit. Sobald ich wieder rennen kann, gebe ich 100 Prozent (lächelt).

Danke für das Gespräch und gute Besserung.

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