19.05.2019  2. Handball-Bundesliga

Großwallstadt und Lübeck-Schwartau trennen sich unentschieden

Einen wahren Krimi erlebten die Zuschauer in der Untermainhalle in Elsenfeld, als der TVG alles in die Waagschale warf, um dem Favoriten VfL Lübeck-Schwartau einen Punkt abzuluchsen. Nach einer 15:12 Halbzeitführung des Heimteams kam Schwartau in Hälfte zwei stärker auf, der Punktgewinn für den abstiegsbedrohten TVG war aber völlig verdient.

Der TV Großwallstadt kämpft gegen den Abstieg, der VfL wurde in der Anmoderation als die „Mannschaft der Stunde“ angekündigt. Das Spiel des Tabellen-17. (Großwallstadt) gegen den Tabellen-5. (Lübeck-Schwartau) war vom Papier her eine klare Angelegenheit, aber nur dort – In der Untermainhalle war alle Theorie grau. Gerrit Claasen zur Ausgangssituation: „Für Großwallstadt war das ein überlebensnotwendiges Spiel. Das haben wir auch von Anfang an gemerkt.“ Dabei war der Druck nicht nur aufgrund der Tabellensituation so groß. Nach der Entlassung von Trainer Florian Bauer unter der Woche war der Mannschaft von Neu-Trainer und TVG-Urgestein Manfred Hofmann der unbedingte Siegeswille anzumerken. Auf der anderen Seite wollte der VfL Lübeck-Schwartau seine Siegesserie weiter ausbauen, war angetreten, um den sechsten Sieg in Folge zu holen.

Der bessere Start gelang der Heimmannschaft. Bis auf das 3:2 durch Antonio Metzner (8.) führte der TVG während der gesamten ersten Halbzeit. Claasen zum Spielbeginn: „Wir haben uns den Einstieg in die Partie anders vorgestellt. Wir haben deutlich zu viele Fehler gemacht. Insbesondere in der Defensive haben wir nicht den gewohnten Zugriff bekommen, haben viel zu offensiv gedeckt. So konnten wir den Innenblock nicht abriegeln und haben Gegentore aus den Halbpositionen und über den Kreis bekommen.“

Der Spielplan der Großwallstädter hingegen ging auf: Aus einer robusten Abwehr sollten schnelle Gegenangriff gestartet werden. Das gelang der Mannschaft von Manfred Hofmann über weite Teile des Spiels durchaus eindrucksvoll, allerdings ohne sich deutlich absetzen zu können. Einen großen Anteil daran hatte auch der Torhüter des TVG, Jan Redwitz. Er entschärfte bis zur Halbzeit neun Würfe der Lübecker, erreichte so eine Quote von 43%. Der VfL blieb allerdings immer in Reichweite. Und das war der Mannschaft von Gerrit Claasen und Jörg Engelhardt gar nicht hoch genug anzurechnen, denn nach den Ausfällen von Pawel Genda, Toni Podpolinski, Martin Waschul und Dennis Klockmann musste auch noch Markus Hansen wegen einer Bänderverletzung kurzfristig absagen.

Bis zur Halbzeit blieb das Spiel sehr ausgeglichen, wenn auch immer mit einem leichten Vorteil für den TVG. Top-Torjäger Michael Spatz war dabei zusammen mit Linksaußen Florian Eisenträger der bestimmende Akteur, beide trafen bis zum Seitenwechsel fünfmal und nährten so die Hoffnung, an diesem 35. Spieltag etwas Zählbares zu holen. Auf der anderen Seite suchte der VfL Lübeck-Schwartau den Erfolg aus dem Rückraum oder über den Kreis, musste sich dabei aber gegen eine sehr aufmerksame Abwehr behaupten. Somit war jeder Torerfolg Ergebnis von Schwerstarbeit. Großwallstadts Halbzeitführung von 15:12 war durchaus verdient.

Die zweite Halbzeit begann wie der erste Durchgang: Großwallstadt stellte eine leidenschaftliche Abwehr und versuchte, mit schnellen Gegenstößen zum Erfolg zu kommen. Allerdings hatte sich der VfL auf diese Taktik jetzt besser eingestellt und war konsequenter im Rückzugsverhalten. Der Ausgleich in der 48. Minute war der verdiente Erfolg und Ergebnis eines 3:0 Laufes (21:21 – Antonio Metzner). Die Hände der Großwallstädter schienen von Minute zu Minute schwitziger zu werden, die Last des Gewinnenmüssens war sichtbar. Gerrit Claasen zum zweiten Durchgang: „Wir waren in den ersten 30 Minuten nicht präsent genug. Das konnten wir glücklicherweise korrigieren. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr haben wir uns ins Spiel gearbeitet. Ab der 40. Minute konnten wir unsere gute Kondition und unser Selbstvertrauen in die Waagschale werfen. Und beim TVG zitterten plötzlich die Wurfhände.“

Wer jetzt allerdings geglaubt hatte, dass der VfL das Spiel vollends drehen konnte, sah sich getäuscht. Noch einmal kam Großwallstadt zurück und schnupperte in der 57. Minute am Sieg (25:23), der jetzt, getragen von den 1.099 Zuschauern, zum Greifen nah war. Aber Antonio Metzner und Jan Schult waren damit, stellvertretend für den VfL, nicht einverstanden. Ihre Treffer beendeten nicht nur die Hoffnung des TVG auf einen doppelten Punkt-Erfolg, sondern auch das Spiel mit 25:25.

Gerrit Claasen resümiert: „Das war ein harter Fight. Ich freue mich, dass unsere taktischen Maßnahmen zur Halbzeit gegriffen haben und wir ab der 40. Minute unseren Teamgeist wiederentdeckt haben. Mit dem einen Punkt können wir gut leben.“ Und Jörg Engelhardt ergänzt: „Unser Anspruch ist nach den letzten Erfolgen deutlich gestiegen. Darum war die Truppe nach dem Abpfiff auch etwas enttäuscht. Zum einen zeichnet sie das aus, zum anderen aber sollten wir auch mal den einen Punkt feiern. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Mannschaften mit geringerem Teamgeist hätten heute wahrscheinlich verloren. Unter dem Strich bin ich sehr zufrieden.“

TV Großwallstadt - VfL Lübeck-Schwartau 25:25 (15:12)

TV Großwallstadt: Spatz (8/3), Engels (3), Eisenträger (6), Corak (2), Spieß, T. (1), Winkler (1), Spieß, L. (4)

VfL Lübeck-Schwartau: Glabisch (1), Ottsen (4), Schult (3), Damm (2/2), Köhler (2), Kretschmer (1), Claasen (1), Runarsson (3), Möller (1), Metzner (7)

Quelle: VfL Lübeck-Schwartau

Foto: Ohlig

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