29.03.2018  2. Handball-Bundesliga

Ferndorfs Aufstiegstrainer Michael Lerscht im Interview

Im Interview erklärt Ferndorfs Trainer Michael Lerscht, wie sein Klub in der kommenden Saison in der neuen Liga bestehen will, schätzt das Niveau der 2. Liga ein und verrät, wie der vorzeitige Meistertitel gefeiert wurde.

Der TuS Ferndorf steht als erster Aufsteiger in die 2. Handball-Bundesliga fest. Schon fünf Spieltage vor Saisonende sicherten sich die Kreuztaler die Meisterschaft in der West-Staffel der 3. Liga – und das ungeschlagen.

Für Ferndorf ist die 2. Liga keineswegs unbekanntes Terrain. Bereits in der Saison 2012/13 und von 2015 bis 2017 war der TuS vertreten, allerdings gelang nur 2015/16 der Klassenerhalt. Im Interview erklärt Ferndorfs Trainer Michael Lerscht, wie sein Klub in der kommenden Saison in der neuen Liga bestehen will, schätzt das Niveau der 2. Liga ein und verrät, wie der vorzeitige Meistertitel gefeiert wurde.

Herr Lerscht, das war ein Durchmarsch zurück in die 2.Liga! Wie haben Sie die Saison erlebt?

Michael Lerscht: Nach dem Abstieg haben wir einen Umbruch in der Mannschaft eingeleitet, wussten nicht genau, wo wir stehen. Allerdings haben wir sehr schnell ein positives Gefühl dafür entwickelt, dass die Mannschaft gut zusammengestellt ist und als Kollektiv gut funktioniert. Wir haben den direkten Wiederaufstieg aber nie direkt als Saisonziel ausgegeben, wollten einfach vorne in der Liga mitspielen. Dass es dann gleich so gut läuft, damit hätten wir nie gerechnet. Aber wir sind in einen richtigen Flow gekommen, an dessen Ende das herausgekommen, worüber wir jetzt sprechen.

25 Spiele, 25 Siege: Sie haben die 3. Liga nach Belieben dominiert.

Lerscht: Ich tue mich ein bisschen schwer damit, von Dominanz zu sprechen. Das klingt so nach Selbstverständlichkeit. Aber wir haben viel gearbeitet für diesen Erfolg, hatten mit den Neuverpflichtungen offenbar ein glückliches Händchen. Dormagen hat uns sehr lange extrem gefordert, hat dann aber an einigen Stellen Punkte liegen lassen, an denen wir eben konstanter waren. Aber natürlich: eine Meisterschaft ist März ist wirklich einzigartig. Ich durfte ja schon einige Meisterschaften auch mit dem TuS Ferndorf feiern, aber noch nie so früh.

27.03.2018 - 2. Handball-Bundesliga

Aufstiegscheck: Wer folgt Ferndorf in die 2. Liga?

Der TuS Ferndorf ist wieder da! Die Siegerländer stürmen ungeschlagen zum Wiederaufstieg in die 2. Liga. Aber wer schnappt sich die übrigen drei Aufstiegsplätze? Das Aufstiegsrennen der 3. Liga im Check.

Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Lerscht: Mir gefällt der Spirit, den wir im Team haben. Man kann immer sagen: Wenn man erfolgreich ist, geht vieles einfacher. Aber ganz unabhängig vom sportlichen Erfolg arbeiten die Jungs sehr gut miteinander, sie verbringen nicht nur die Trainingszeit miteinander, sondern unternehmen auch außerhalb des Handballfeldes viel miteinander, unterstützen sich gegenseitig, wenn jemand Hilfe braucht. Dieser Charakter im Team ist ein großer Vorteil. Den wollen wir für die neue Saison auch unbedingt beibehalten.

Und worauf kann sich die 2. Liga mit dem TuS Ferndorf sportlich gefasst machen?

Lerscht: Unser Schlüssel zum Erfolg war in diesem Jahr definitiv die Defensivleistung inklusive der Torhüter. Wir haben im Schnitt gerade einmal 20 Tore kassiert, die Abwehr hat auch schon am ersten Pokalwochenende gegen GWD Minden und den TV Emsdetten sehr gut funktioniert. Das ist schon außergewöhnlich. Darauf konnten wir uns verlassen. Im Umschalt- und Angriffsspiel haben wir aber sicher noch Verbesserungspotenzial.

Wie haben Sie den vorzeitigen Meistertitel gefeiert?

Lerscht: Wir haben das Wochenende definitiv genossen. Wir wurden wie fast schon traditionell nach Erfolgen der Mannschaft mit einem Feuerwerk von unseren Fans zu Hause empfangen. Als wir aus Burscheid mit dem Bus ankamen, war schon alles für die große Party vorbereitet. Wie lang diese dann tatsächlich ging, weiß ich gar nicht, weil ich mich dann irgendwann verabschiedet habe. Ich habe die Jungs auch erst am Mittwoch wieder gesehen (lacht). Nach dem letzten Spieltag werden wir dann noch eine Saisonabschlussfeier veranstalten. Da wird die Leistung dann auch noch einmal in einem entspannten Rahmen gewürdigt. Und dann dürfen die Spieler direkt in den Urlaub. Sie sollen vier Wochen einfach abschalten, ganz ohne Trainingspläne. Danach ist der Kopf wieder bereit und wir können wieder los legen.

Wie geht man mit der Meisterschaft und dem Aufstieg in der Tasche den Rest der Saison an?

Lerscht: Wir werden in den nächsten Wochen schon ein wenig reduzierter trainieren. Die Jungs können und sollen jetzt ein wenig abschalten, runterkommen. Wir wollen die restliche Saison aber trotzdem noch bestmöglich abschließen. Ich bin auch nicht der Typ dafür, der jetzt in den nächsten fünf Wochen im Training nur Fußball spielen lassen könnte. Ich will weiter arbeiten, weiter guten Handball spielen lassen und schon für die neue Saison die ersten richtigen Schritte einleiten.

Wie gut sehen Sie den TuS Ferndorf für die Rückkehr in die 2. Liga gerüstet?

Lerscht: Wir haben schon eine Zeit lang zweigleisig geplant, auch was die Kaderzusammenstellung für die neue Saison betrifft. Man sieht ja, dass in der 2. Liga momentan viel passiert, viele Mannschaften sind sehr umtriebig auf dem Transfermarkt. Dementsprechend haben wir auch wir versucht uns gut aufzustellen. Die Verpflichtung von Jonas Müller (vom TV Hüttenberg/HSG Rodgau Nieder-Roden, Anm. d. Red.) ist schon veröffentlicht worden. Es wird aber auch noch weitere Zugänge geben. Ich sehe uns auf einem guten Weg, einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen. Und dann müssen wir sehen, was diese Mammutsaison 2018/19 in der 2. Liga mit fünf Absteigern für uns bringt.

Wie beurteilen Sie die Qualität in der 2. Liga?

Lerscht: Das athletische Niveau ist viel höher als in der 3. Liga. Dazu ist die Liga sehr ausgeglichen – und das wird sich im nächsten Jahr noch einmal steigern. Weil die Leistungsdichte so groß ist, sind viele Spiele unglaublich eng. Ein Gegenstoß, eine dumme Zeitstrafe – und du verlierst das Spiel und du verlierst die Punkte. An wenigen Aktionen entscheidet sich, ob du einen entspannten Mittelfeldplatz belegst oder ganz tief im Abstiegskampf steckst. In dieser Saison hatten wir schon hin und wieder Spiele, in denen ich die Spieler aus der Startaufstellung irgendwann einmal schonen konnte. Das wird in der 2. Liga definitiv nicht mehr möglich sein.

Neben dem TuS Ferndorf klopfen der HSV Hamburg und der TV Großwallstadt an der Tür zur 2. Liga an. Große Namen.

Lerscht: Definitiv. Die Aufsteiger in die 2. Liga sind kein Fallobst. Das sieht man ja auch in dieser Saison bereits. Der HC Elbflorenz, die Rhein Vikings und Eintracht Hagen stehen alle vor den Abstiegsplätzen und halten wahrscheinlich auch die Klasse. Der HSV will in der 2. Liga aufgrund seiner Etatsituation und dem Background in Hamburg sicher eine andere Rolle spielen als ein klassischer Aufsteiger. Da weiß man schon, was die Stunde geschlagen hat. Das Niveau und die Leistungsdichte in der Liga werden noch einmal steigen. Bei fünf Absteigern in der kommenden Saison geht es gar nicht anders, als dass es auch etablierte Vereine treffen wird. Da steht uns eine unglaublich intensive Saison bevor.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Peter Pisa

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