28.12.2018  DKB Handball-Bundesliga

MT gewinnt Hessenderby - Simic reißt Publikum von den Sitzen

Drei Spiele, drei Siege: die MT Melsungen wies die HSG Wetzlar nach ihrem Hinspielsieg sowie dem Pokalerfolg ein weiteres Mal in die Schranken. Mit 26:24 (13:10) beschlossen die Nordhessen das Jahr vor 4.300 Zuschauern in der restlos ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle erfolgreich und festigten damit ihren sechsten Tabellenplatz vor der folgenden WM-bedingten Ligapause. In einem unterhaltsamen und kurzweiligen Hessenderby liefen die Gastgeber zunächst Rückständen hinterher und gingen erst nach einer Viertelstunde erstmals selbst in Führung. Die gaben sie danach nicht mehr her und siegten auch verdient. Lasse Mikkelsen war mit sieben Toren erfolgreichster MT-Torschütze, für die Mittelhessen trafen Alexander Hermann, Kristian Björnsen, Emil Frend-Öfors und Anton Lindskog je vier Mal. Der Liebling der Fans jedoch war einmal mehr Nebojsa Simic. Der MT-Keeper riss mit teils spektakulären Paraden die Zuschauer förmlich von den Sitzen.

Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung begann die Partie, weil die Gäste im Stau gestanden hatten. Dafür legten sie gleich mal los, als wollten sie die Zeit wieder hereinholen. Noch keine Minute war gespielt, da führte die HSG schon mit 2:0 durch Treffer von Ole Schefvert und Anton Lindskog. Seitens der Melsunger nahm Lasse Mikkelsen das Tempo auf und traf zweimal per Schlagwurf zum Ausgleich. Von nachweihnachtlicher Lethargie war nichts zu spüren, reichlich Dampf war von Beginn an drin im Hessenderby.

Nach Schefverts erneuter Führung für die Gäste war dann allerdings erstmal harte Arbeit angesagt. Melsungen behagte die Wetzlarer 5:1–Deckung nicht, in der Filip Mirkulovski wirkungsvoll die Kreise von Lasse Mikkelsen einengte, die HSG prallte auf der Gegenseite an der rot-weißen 6:0-Wand ab. Erst Finn Lemkes Sprungwurf von neun Metern zum 3:3 beendete die vierminütige Torflaute. Danach landete das Leder zwar wechselseitig wieder etwas schneller in den Maschen, doch auch Nebojsa Simic und Till Klimke hatten mehr als genug Gelegenheiten, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Es war der Spielfilm der ersten Viertelstunde: Wetzlar legte vor, Melsungen zog nach. Fast hätte es nach Tobias Reichmanns vergebenem Siebenmeter beim Stand von 5:6 sogar wieder eine Zwei-Tore-Führung für die Mittelhessen geben können. Doch Stefan Cavor verlor das Leder, Roman Sidorowicz machte den erneuten Ausgleich und nach dem nächsten Ballverlust der HSG war es Yves Kunkel, der mit seinem dritten Treffer schließlich erstmals die Gastgeber mit 7:6 in Vorlage brachte (17.).

Dass daraus vorerst noch keine komfortablere Führung wurde, lag an Till Klimpke. Dessen Quote bewegte sich konstant bei 50%, bis Tobias Reichmann schließlich doch das 9:7 gelang (22.). Auf exakt dem gleichen Level lag Nebojsa Simic, nachdem er im Anschluss an die von Kai Wandschneider genommene Auszeit glänzend gegen Hendrik Schreiber pariert und damit den Weg zum 10:7 durch Lasse Mikkelsens geebnet hatte (24.). Womit der spätere Pausenabstand bereits erreicht war, obwohl die Gäste zwischenzeitlich noch einmal auf ein Tor verkürzen konnten. Doch Yves Kunkel legte mit seinem erfolgreichen Versuch fünf Sekunden vor der Pausensirene wieder drei dazwischen.

Wenig Zurückhaltung übten die Hausherren nach Wiederbeginn. Roman Sidorowicz traf, der Innenblock organisierte den nächsten Ballgewinn und Yves Kunkel stellte im schnellen Gegenstoß auf 15:10 (32.). Wetzlar berappelte sich allerdings schnell wieder. Kristian Björnsen traf doppelt und verkürzte auf 15:13 (36.), weil die MT viel zu fahrlässig mit ihren gut herausgespielten Chancen umging. Nach Emil Frend-Öfors‘ 16:14 (37.) waren erst einmal wieder die Torhüter dran. Nebojsa Simic‘ Glanzparade gegen Joao Ferraz war ebenso spektakulär wie die auf der Gegenseite von Till Klimpke gegen Tobias Reichmann (39.).

Spätestens nach dem 16:15-Anschluss durch Emil Frend-Öfors war wieder echte Derbystimmung unter dem Dach der Rothenbach-Halle. Dass die nicht zu Gunsten der Gäste geriet, dafür sorgten Roman Sidorowicz, Simic mit der nächsten Parade gegen Lenny Rubin sowie Simon Birkefeldt mit seinem ersten Volltreffer nach zuvor sehr glücklosem Spiel. Und weil ihm das deutlich sichtbar sogleich ein ganz anderes Spielgefühl vermittelte, machte er’s gleich noch einmal zum 20:16 (46.). Kai Wandschneider hatte genug, mahnte in einer Auszeit schnelleres Umschalten an und ging in der Defensive auf ein offensiveres 4:2-System.

Was Melsungen indes wenig beeindruckte. Tobias Reichmann bedankte sich sofort für den Platz auf dem Flügel mit dem 21:17 (47.). Dennoch zeigte die Umstellung Wirkung. Die Partie wurde sofort wesentlich intensiver, die Zweikämpfe härter. Das brachte zunächst Lasse Mikkelsen eine Strafe ein, dann Olle Schefvert. Dazwischen lag noch Lasse Mikkelsens erster verworfener Siebenmeter der Saison gegen den eingewechselten Nikola Marinovic. Filip Mirkulovski behielt einen kühlen Kopf und erzielte den Anschluss zum 21:19 (50.).

Ebenso eiskalt war Finn Lemke, der per Doppelpack zum 23:19 zurückschlug (52.), Michael Müller hebelte die Wetzlarer Abwehr mit einer feinen Einzelleistung gekonnt zum 24:20 aus (54.). Die Gäste gaben sich nicht auf, kamen aber einfach nicht mehr in Schlagdistanz. Und als Lasse Mikkelsen zweieinhalb Minuten vor Schluss das 26:21 gelang, war die Entscheidung gefallen. Da standen die 4.300 Fans beider Lager aber schon längst und applaudierten Gastgebern wie auch verdientermaßen den Gästen für ein ebenso unterhaltsames wie faires Derby. Dass der Vorsprung letztlich zusammenschmolz war auch der doppelten Unterzahl geschuldet, mit der die MT die letzten knapp eineinhalb Minuten bestreiten musste. Am verdienten Sieg änderte das aber nichts mehr.

Stimmen zum Spiel

Heiko Grimm (MT Melsungen): Das war ein mitreißendes Derby. Sehr kampfbetont, aber fair. Man merkt natürlich, dass wir jetzt auf der letzten Rille laufen. Gerade deshalb möchte ich mich ausdrücklich für die tolle Unterstützung unserer Fans bedanken. Die sorgen oft dafür, dass noch ein wenig mehr Leistung rauskommt. Ich fand, dass wir heute eine fantastische Abwehr gespielt haben. Wir können auch froh sein, dass wir Roman Sidorowicz dazu und Michael Müller nach seiner Verletzung zurück haben. Aber das muss sich jetzt alles erst wieder finden. Ich fühle mich oftmals so wie in der Saisonvorbereitung. Jetzt ist das letzte spiel geschafft und ich wünsche allen einen guten Rutsch und nur das Beste für’s neue Jahr.

Kai Wandschneider (HSG Wetzlar): Glückwunsch an Heiko, Axel und die MT zum Sieg im letzten Spiel des Jahres. Das war wegen der Verzögerung ein kurioser Beginn, aber wir waren von Anfang an hellwach. Haben gut gegen gehalten mit einer ebenfalls guten Torwartleistung. Allerdings haben wir uns die Zähne ausgebissen an der Melsunger 6:0-Deckung mit Simic dahinter. In der zweiten Halbzeit haben wir es nach Rückstand mehrfach geschafft wieder heranzukommen. Aber wir sind nicht gut in die Gegenstöße gekommen und haben die Passverlagerungen auf die andere Seite verschlafen. Als Melsungen dann nochmal ins Nachdenken kam, sind wir an Simic gescheitert. In den ersten beiden Spielen der Saison gegen Melsungen haben wir überhaupt kein Land gesehen. Aber heute konnte man erkenne, dass sich unsere Mannschaft entwickelt. Ich hätte mir allenfalls noch mehr Druck aus dem rechten Rückraum gewünscht. Das war ein ganz tolles Publikum hier, sowohl unsere eigenen als auch die Melsunger Fans. Dieses Derby hat richtig Spaß gemacht.

Statistiken zum Spiel

MT Melsungen: Simic (16 Paraden / 24 Gegentore), Sjöstrand (n. e.); Lemke 4, Reichmann 3/1, Ignatow, Kunkel 5, Mikkelsen 7/2, Danner, P. Müller, Birkefeldt 2, M. Müller 2, Sidorowicz 3, Backs, Gruber, Damm - Trainer Heiko Grimm.

HSG Wetzlar: Klimpke (13 P. / 24 G.), Marinovic (1 P. / 1 G.); Hermann 4, Björnsen 4, Ferraz 1, Mirkulovski 1, Schreiber, Torbrügge, Frend-Öfors 4, Holst 1/1, Waldgenbach, Schefvert 2, Rubin 2, Lux, Lindskog 4, Cavor 1 - Trainer Kai Wandschneider.

Schiedsrichter: Fabian Baumgart / Sascha Wild (Neuried / Offenburg)

Zeitstrafen: 6 – 4 Minuten (Mikkelsen 49:41 58:43, P. Müller 57:44 - Ferraz 19:10, Schefvert 50:03)

Strafwürfe: 5/3 – 1/1 (Reichmann scheitert an Klimpke 14:53, Mikkelsen scheitert an Marinovic 48:25)
Zuschauer: 4.300 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft).

Foto: Kaesler

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