28.01.2019  Handball Weltmeisterschaft

Henning Fritz - Die WM-Kolumne: Die WM war Werbung für den Handball

In seiner WM-Kolumne für die DKB Handball-Bundesliga erörtert Welthandballer Henning Fritz das Geschehen rund um die Heim-Weltmeisterschaft - natürlich mit besonderem Augenmerk auf die deutsche Mannschaft.

Liebe Handballfans,

Die 26. IHF Handball-WM ist Geschichte. Dänemark hat sich völlig verdient zum Weltmeister gekrönt. Die deutsche Mannschaft hat sich dagegen für ihr furioses Turnier leider nicht mit einer Medaille belohnt. Ganz unabhängig vom sportlichen Fazit war diese Heim-WM aber auf ganzer Linie ein Erfolg: Das Land ist wieder in eine Handball-Euphorie verfallen. Überall in der Öffentlichkeit war Handball ein Gesprächsthema. Unserer Mannschaft ist es durch ihre Bodenständigkeit und Authentizität gelungen, das Publikum mitzureißen. Die Hallen waren alle voll, am Fernsehschirm haben Millionen Menschen mitgefiebert. Kurzum: Diese Wochen waren eine einzige Werbung für unsere Sportart. Genau das hatten wir uns im Vorfeld von diesem Turnier gewünscht.

Ich hoffe, dass die Mannschaft nun beim All Star Game am kommenden Freitag in Stuttgart dementsprechend euphorisch empfangen und gefeiert wird. Die Jungs haben unsere Farben glänzend vertreten, diesen Feier-Tag in der Porsche-Arena haben sie sich verdient (Anm. d.R.: Live ab 18:30 Uhr im Free-TV bei Sky Sport News HD).

Aber zurück zur WM: Sportlich hatte das Turnier fürs DHB-Team natürlich ein bitteres Ende. Im Halbfinale haben wir schlicht und ergreifend gegen eine bessere Mannschaft verloren. Die Norweger sind sehr gut vorbereitet ins Halbfinale gegangen, haben sich von der Kulisse in Hamburg nicht beeindrucken lassen. Vor allem Sander Sagosen hat der deutschen Deckung ordentlich zu schaffen gemacht. Unser Innenblock musste ihn aufgrund seiner Torgefahr und Spielfreude immer wieder attackieren und so sind am Kreis Lücken für Bjarte Myrhol entstanden, der ja dafür bekannt ist, dass er sich viel bewegt und ein gutes Gefühl für den freien Raum hat. Auch Magnus Rod hat seine Räume gut genutzt, viele 1:1-Situationen gesucht und gewonnen. Als die Norweger dann in Führung lagen, ist bei der deutschen Mannschaft ein wenig die Leichtigkeit verloren gegangen. Und wenn dir dann auch nur ein Prozent an Überzeugung in den Aktionen fehlt, reicht es auf diesem Niveau einfach nicht mehr aus.

Gegen Frankreich schien die Enttäuschung aus dem Halbfinale dann zunächst ganz gut verarbeitet. Aber wie schon im Gruppenspiel gegen die Franzosen haben wir im Spielverlauf wieder zu leichtfertig einen Vorsprung abgegeben. Am Ende hätten wir noch die Chance auf die Verlängerung gehabt, haben diese aber durch eine Unkonzentriertheit zunichte gemacht. Ich möchte die Niederlage aber gar nicht an der letzten Aktion festmachen. Vielmehr hätten wir im Spielverlauf, als wir in Führung lagen, cleverer agieren müssen, dann wären wir gar nicht erst in diese brenzlige Situation in den Schlusssekunden gekommen.

Aus diesen Situationen kann und wird das DHB-Team jetzt aber lernen. Man muss bedenken: 2016 war die Ausgangssituation vor der EM eine ganz andere. Wir waren der klare Außenseiter, der Titel war eine riesengroße Sensation. Dieses Jahr waren wir Mit-Favorit und Gastgeber. Die Erwartungshaltung und auch der Druck waren in diesem Fall viel größer. Jetzt hat es am Ende nicht zu einer Medaille gereicht. Aber ich bin mir sicher, dass die Mannschaft an diesen Erfahrungen wachsen und bei den nächsten Malen in den entscheidenden Phasen noch gereifter auftreten wird.

Zum Schluss noch ein Satz zum neuen Weltmeister: Die Dänen sind aktuell eine Klasse für sich. Nicht erst im Finale haben sie ihre Spielstärke unter Beweis gestellt. Der Co-Gastgeber hat das gesamte Turnier dominiert und am Ende völlig verdient gewonnen. Man muss schon sagen, dass es großen Spaß macht, diesen Ausnahmekönnern wie Mikkel Hansen oder Rasmus Lauge zuzusehen. Das Spiel der Dänen ist wunderschön flüssig. Und dazu haben sie mit Niklas Landin und Jannik Green auch noch das vermeintlich beste Torhüter-Duo der Welt im Kasten. Es bleibt nur zu sagen: Tillykke, Danmark.

Euer Henning

Über Henning Fritz

Henning Fritz (44) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Handball-Torhütern aller Zeiten. Seine ruhmreiche Karriere begann der 235-malige Nationalspieler bei seinem Heimatverein SC Magdeburg. Mit den Bördeländern wurde Fritz Deutscher Meister und DHB-Pokalsieger. Anschließend gewann der Welthandballer des Jahres 2004 mit dem THW Kiel alle Titel, die es auf der Vereinsebene zu gewinnen gibt. 2012 beendete Fritz seine aktive Karriere bei den Rhein-Neckar Löwen. Auch in der Nationalmannschaft zählte der Schlussmann in den 90er und 00er Jahren zu den unumstrittenen Säulen. Fritz gehörte zur "goldenen Generation", die 2004 erst Europameister wurde und später bei den Olympischen Spielen in Athen Silber gewann. Bei der Heim-WM 2007 krönte der Magdeburger seine Karriere mit dem Titel im "Wintermärchen". Mittlerweile ist Fritz als Experte für das Medienunternehmen Sky und für Neuronavi, einen Hersteller mobiler Regenerationsgeräte, tätig.

Foto: Klahn

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